Modellierung a-/biotischer Faktoren einer Pflanzenradiation
Modelling abiotic and biotic drivers of a plant radiation
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Environmental Niche Modelling,
Pollinator Shifts,
Experimental Buzz-Pollination,
Tropical Andes,
Diversification,
Melastomataceae
Weltweit gehören Hochgebirge zu den artenreichsten Lebensräumen überhaupt. Das unregelmäßige Relief von Gebirgen ermöglicht die Verzahnung sehr unterschiedlicher Lebensraumtypen auf engstem Raum, was wohl maßgeblich zur Entstehung der großen Artenvielfalt in Gebirgen beigetragen hat. Obwohl Gebirge seit Jahrhunderten Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung sind, haben viele Studien bislang nur einzelne Faktoren (z.B. klimatische Bedingungen) in der Evolutionsgeschichte von Organismengruppen betrachtet. So wie sich jedoch klimatische Bedingungen von Tieflagen bis ins Gebirge verändern, so verändern sich auch Interaktionsgefüge mit anderen Organismengruppen wie Bestäubern. In tropischen Gebirgen wie den Anden, zum Beispiel, sind Bienen wichtige Bestäuber in Tieflandregenwäldern, während Wirbeltiere wie Kolibris vor allem in großen Höhen die Bestäuberfunktion übernehmen. In meinem Projekt werde ich das komplexe Zusammenspiel sogenannter abiotischer Faktoren wie dem Klima und biotischer Prozesse wie Bestäubung in der Evolutionsgeschichte der Pflanzengruppe Merianieae untersuchen. Die etwa 300 Arten haben ihren Diversitätsschwerpunkt in den tropischen Anden und die meisten Arten sind innerhalb der letzten fünf Millionen Jahre entstanden. Ein Großteil der Arten wird durch einen spezialisierten Vibrationsbestäubungsmechanismus bestäubt, wo Holzbienen oder Hummeln Pollen mittels Vibrationen aus den Blüten herausschütteln. Diese bienenbestäubten Arten sind vor allem in Tieflandregenwäldern verbreitet, einzelne Arten kommen aber auch in Nebelwäldern (ca. 2400 m bis 3300 m) vor. In Nebelwäldern herrschen jedoch oft kühle, unwirtliche Bedingungen, die die Aktivität der Bienen stark einschränken. Es ist daher wenig verwunderlich, dass sich zahlreiche Merianieae-Arten, die in Nebelwäldern vorkommen, an alternative Bestäuber wie Vögel, Fledermäuse und Mäuse angepasst haben, die von dem kühlen und regnerischen Klima weniger betroffen sind. Bis heute wissen wir allerdings nicht, inwieweit Wechsel von Bienen- zu Wirbeltierbestäubung eine notwendige Voraussetzung für die Besiedlung dieser Gebirgswälder waren. Alternativ könnten zuerst Anpassungen an die sich mit der Andenauffaltung vor etwa fünf Millionen Jahren verändernden klimatischen Bedingungen stattgefunden haben. Diesen Fragen werde ich durch die Kombination unterschiedlicher mathematischer Modellierungsmethoden nachgehen. Während solche Modellierungen rein im Computer stattfinden, werde ich darüber hinaus Feldarbeit in den Nebelwäldern Kolumbiens und Ekuadors durchführen, um besser zu verstehen, wieso manche Arten in Nebelwäldern die ursprüngliche Bienenbestäubung bewahrt haben, während andere zu Wirbeltierbestäubung wechselten. Ich arbeite mit einem diversen, internationalen Expertenteam zusammen und freue mich sehr auf einen Forschungsaufenthalt an der University of Colorado Boulder in den USA.
Interaktionen zwischen Tieren und Pflanzen sind allgegenwärtig und haben die Evolution beider Organismengruppen geprägt. Blüte-Bestäuber-Interaktionen kommt hierbei eine besonders wichtige Rolle zu, da Bestäuber unmittelbar den Reproduktionserfolg der Pflanzen beeinflussen. Viele Pflanzen zeigen dementsprechend Anpassungen in ihren Blütenmerkmalen an unterschiedliche Bestäubergruppen, so sind vogelbestäubte Blüten häufig rot, enthalten viel Nektar und haben schmale, tiefe Blütenröhren, während bienenbestäubte Blüten häufig blau oder gelb sind, nur kleinere Nektarmengen produzieren, und breitere oder offene Blüten bilden. Während unser Verständnis von Blütenanpassungen an unterschiedliche Bestäubergruppen mittlerweile relativ gut ist, wissen wir nach wie vor wenig darüber, wiese Pflanzenarten überhaupt zwischen Bestäubern wechseln, wie es zu solchen Bestäuberwechseln kommt, und welchen Einfluss diese auf die Diversifizierung (also Entstehung neuer Arten) haben. In diesem Forschungsprojekt haben wir uns konkret mit den historischen Auslösern von Bestäuberwechseln sowie deren Auswirkungen beschäftigt. Dabei haben wir unterschiedliche Methoden der Modellierung und von Verwandtschaftsanalysen mit genetischen Stammbäumen verschiedener Pflanzengruppen verwendet. Wir konnten zeigen, dass Bestäuberwechsel zwischen Bienen und Vertebraten nicht zufällig passieren, sondern in starkem Zusammenhang mit abiotischen klimatischen Faktoren stehen. In den tropischen Zonen Süd- und Zentralamerikas finden sich kolibribestäubte Pflanzen überzufällig häufig in kühlen Gebirgslagen und Nebelwäldern, während bienenbestäubte Arten überzufällig häufig in Tieflandregenwäldern zu finden sind. Im temperaten Nord- und Südamerika verschwimmen diese Muster, dort finden sich kolibribestäubte Arten häufig in tieferen Lagen, dafür aber eher in feuchten Habitaten. Wir konnten des weiteren zeigen, dass Bestäuberwechsel selbst keine Auswirkungen auf die Diversifizierungsrate einer tropischen Pflanzengruppe haben. Vielmehr war die Kolonisation der sich auffaltenden Anden vor etwa 10-15 Millionen Jahren ausschlaggebend für einen sprunghaften Anstieg in der Artzahl der Pflanzengruppe, die bis heute in den Nebelwäldern der Anden hohe Diversifikationsraten zeigt. Für die tropische Pflanzenfamilie Melastomataceae konnten wir darüber hinaus zeigen, dass die Kolonisation von Gebirgen generell vor Bestäuberwechseln passiert ist, und also wahrscheinlich den Auslöser derselben darstellt. Da viele Bienenarten von den oft kühlen, feuchten Bedingungen im Gebirge in ihren Blütenbesuchen stark eingeschränkt sind, während Wirbeltiere auch bei kühlem Wetter Blüten besuchen können, stellen diese physiologischen Unterschiede die wahrscheinlichste Erklärung für die Bestäuberwechsel-Klima-Assoziation dar. Darüber hinaus konnten wir sowohl in makroökologischen sowie theoretischen Arbeiten zeigen, dass gewisse Blütenmerkmale wie Blütenfarbe nicht nur der Selektion durch Bestäuber unterliegt, sondern auch von klimatischen Bedingungen beeinflusst wird. Konkret kommen rosa und rote Blüten häufiger in kühlen, gelbe und violette Blüten häufiger in trockenen, sonnigen Gebieten vor. Weiters konnten wir in einer Serie von Studien zeigen, dass bienenbestäubte Melastomataceae eine erstaunliche Blütendiversität aufweisen, wie sie bei Arten, die alle von der gleichen Gruppe von Bestäubern besucht wird, nicht unmittelbar zu erwarten wäre.
- Universität Wien - 100%
- Diana Fernández-Fernández, Instituto Naional de Biodiversidad - Ecuador
- Laura Lagomarsino, Louisiana State University - Vereinigte Staaten von Amerika
- Stacey D. Smith, University of Colorado Boulder - Vereinigte Staaten von Amerika
- Mario Vallejo-Marin, University of Stirling - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 38 Zitationen
- 13 Publikationen
- 1 Methoden & Materialien
- 3 Datasets & Models
- 7 Disseminationen
- 4 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 1 Weitere Förderungen
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2024
Titel MelastomaTRAITs 1.0: A database of functional traits in Melastomataceae, a large pantropical angiosperm family. DOI 10.1002/ecy.4308 Typ Journal Article Autor Ordónez-Parra Ca Journal Ecology -
2024
Titel The Sequential Direct and Indirect Effects of Mountain Uplift, Climatic Niche, and Floral Trait Evolution on Diversification Dynamics in an Andean Plant Clade. DOI 10.1093/sysbio/syae011 Typ Journal Article Autor Dellinger As Journal Systematic biology Seiten 594-612 -
2024
Titel High floral disparity without pollinator shifts in buzz-bee-pollinated Melastomataceae. DOI 10.1111/nph.19735 Typ Journal Article Autor Kopper C Journal The New phytologist Seiten 2322-2337 -
2025
Titel Wilting may leave bees wanting: drops in turgor pressure may reduce viability of buzz-pollinated flowers. DOI 10.1093/jxb/eraf061 Typ Journal Article Autor Dellinger As Journal Journal of experimental botany Seiten 1486-1490 -
2025
Titel Does the abiotic environment influence the distribution of flower and fruit colors? Typ Journal Article Autor Dellinger Journal American Journal of Botany -
2024
Titel Macroevolution of the plant-hummingbird pollination system. DOI 10.1111/brv.13094 Typ Journal Article Autor Barreto E Journal Biological reviews of the Cambridge Philosophical Society Seiten 1831-1847 -
2023
Titel Opposing Patterns of Altitude-Driven Pollinator Turnover in the Tropical and Temperate Americas. DOI 10.1086/725017 Typ Journal Article Autor Dellinger As Journal The American naturalist Seiten 152-165 -
2022
Titel Flipped elevational pattern of pollination mode in tropical vs. temperate Americas DOI 10.1101/2022.03.04.483035 Typ Preprint Autor Dellinger A Seiten 2022.03.04.483035 Link Publikation -
2023
Titel Using geometric morphometrics to determine the "fittest" floral shape: A case study in large-flowered, buzz-pollinated Meriania hernandoi. DOI 10.1002/ajb2.16183 Typ Journal Article Autor Dellinger As Journal American journal of botany -
2022
Titel Phylogenetics and Taxonomy of the Tribe Merianieae DOI 10.1007/978-3-030-99742-7_11 Typ Book Chapter Autor Michelangeli F Verlag Springer Nature Seiten 255-273 -
2022
Titel Pollination in Melastomataceae: A Family-Wide Update on the Little We Know and the Much That Remains to Be Discovered DOI 10.1007/978-3-030-99742-7_26 Typ Book Chapter Autor Dellinger A Verlag Springer Nature Seiten 585-607 -
2022
Titel Modelling pollinator and nonpollinator selection on flower colour variation DOI 10.1111/1365-2745.14057 Typ Journal Article Autor Tenhumberg B Journal Journal of Ecology Seiten 746-760 Link Publikation -
2022
Titel Population structure in Neotropical plants: Integrating pollination biology, topography and climatic niches DOI 10.1111/mec.16403 Typ Journal Article Autor Dellinger A Journal Molecular Ecology Seiten 2264-2280 Link Publikation
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0
Titel effective 3D segmentation for volumetric measurements on stamens Typ Biological samples Öffentlich zugänglich
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2022
Link
Titel Opposing patterns of altitude-driven pollinator turnover in the tropical and temperate Americas DOI 10.5061/dryad.bcc2fqzfg Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2024
Titel implementation of phylogenetic path analysis for studying diversification scenarios DOI 10.5061/dryad.bvq83bkdx Typ Data analysis technique Öffentlich zugänglich -
2024
Link
Titel Surprisingly high floral disparity in the absence of pollinator shifts in buzz-bee pollinated Melastomataceae Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link
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2021
Titel setting up personal website Typ Engagement focused website, blog or social media channel -
2024
Titel KinderUni Wien Typ Participation in an open day or visit at my research institution -
2022
Titel Guest lecture Typ Participation in an activity, workshop or similar -
2024
Titel training on plant family Melastomataceae with gardeners Typ Participation in an activity, workshop or similar -
2023
Titel summer school on geometric morphometrics Typ Participation in an activity, workshop or similar -
2023
Titel Tag der Artenvielfalt Ulm Typ A talk or presentation -
2024
Titel talk at Pint Of Science Typ A talk or presentation
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2024
Titel Young Academy of Sciences Typ Awarded honorary membership, or a fellowship, of a learned society Bekanntheitsgrad National (any country) -
2024
Titel Associate Editor at Royal Society Proceedings B Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series Bekanntheitsgrad Continental/International -
2023
Titel two student interns Typ Attracted visiting staff or user to your research group Bekanntheitsgrad Continental/International -
2023
Titel Maxwell-Hanrahand Fieldwork award Typ Research prize Bekanntheitsgrad Continental/International
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2022
Titel UROP fellowship Typ Studentship Förderbeginn 2022 Geldgeber University of Colorado Boulder