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Modellierung a-/biotischer Faktoren einer Pflanzenradiation

Modelling abiotic and biotic drivers of a plant radiation

Agnes Dellinger (ORCID: 0000-0003-1394-3414)
  • Grant-DOI 10.55776/T1186
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.07.2021
  • Projektende 28.02.2025
  • Bewilligungssumme 243.120 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Environmental Niche Modelling, Pollinator Shifts, Experimental Buzz-Pollination, Tropical Andes, Diversification, Melastomataceae

Abstract Endbericht

Weltweit gehören Hochgebirge zu den artenreichsten Lebensräumen überhaupt. Das unregelmäßige Relief von Gebirgen ermöglicht die Verzahnung sehr unterschiedlicher Lebensraumtypen auf engstem Raum, was wohl maßgeblich zur Entstehung der großen Artenvielfalt in Gebirgen beigetragen hat. Obwohl Gebirge seit Jahrhunderten Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung sind, haben viele Studien bislang nur einzelne Faktoren (z.B. klimatische Bedingungen) in der Evolutionsgeschichte von Organismengruppen betrachtet. So wie sich jedoch klimatische Bedingungen von Tieflagen bis ins Gebirge verändern, so verändern sich auch Interaktionsgefüge mit anderen Organismengruppen wie Bestäubern. In tropischen Gebirgen wie den Anden, zum Beispiel, sind Bienen wichtige Bestäuber in Tieflandregenwäldern, während Wirbeltiere wie Kolibris vor allem in großen Höhen die Bestäuberfunktion übernehmen. In meinem Projekt werde ich das komplexe Zusammenspiel sogenannter abiotischer Faktoren wie dem Klima und biotischer Prozesse wie Bestäubung in der Evolutionsgeschichte der Pflanzengruppe Merianieae untersuchen. Die etwa 300 Arten haben ihren Diversitätsschwerpunkt in den tropischen Anden und die meisten Arten sind innerhalb der letzten fünf Millionen Jahre entstanden. Ein Großteil der Arten wird durch einen spezialisierten Vibrationsbestäubungsmechanismus bestäubt, wo Holzbienen oder Hummeln Pollen mittels Vibrationen aus den Blüten herausschütteln. Diese bienenbestäubten Arten sind vor allem in Tieflandregenwäldern verbreitet, einzelne Arten kommen aber auch in Nebelwäldern (ca. 2400 m bis 3300 m) vor. In Nebelwäldern herrschen jedoch oft kühle, unwirtliche Bedingungen, die die Aktivität der Bienen stark einschränken. Es ist daher wenig verwunderlich, dass sich zahlreiche Merianieae-Arten, die in Nebelwäldern vorkommen, an alternative Bestäuber wie Vögel, Fledermäuse und Mäuse angepasst haben, die von dem kühlen und regnerischen Klima weniger betroffen sind. Bis heute wissen wir allerdings nicht, inwieweit Wechsel von Bienen- zu Wirbeltierbestäubung eine notwendige Voraussetzung für die Besiedlung dieser Gebirgswälder waren. Alternativ könnten zuerst Anpassungen an die sich mit der Andenauffaltung vor etwa fünf Millionen Jahren verändernden klimatischen Bedingungen stattgefunden haben. Diesen Fragen werde ich durch die Kombination unterschiedlicher mathematischer Modellierungsmethoden nachgehen. Während solche Modellierungen rein im Computer stattfinden, werde ich darüber hinaus Feldarbeit in den Nebelwäldern Kolumbiens und Ekuadors durchführen, um besser zu verstehen, wieso manche Arten in Nebelwäldern die ursprüngliche Bienenbestäubung bewahrt haben, während andere zu Wirbeltierbestäubung wechselten. Ich arbeite mit einem diversen, internationalen Expertenteam zusammen und freue mich sehr auf einen Forschungsaufenthalt an der University of Colorado Boulder in den USA.

Interaktionen zwischen Tieren und Pflanzen sind allgegenwärtig und haben die Evolution beider Organismengruppen geprägt. Blüte-Bestäuber-Interaktionen kommt hierbei eine besonders wichtige Rolle zu, da Bestäuber unmittelbar den Reproduktionserfolg der Pflanzen beeinflussen. Viele Pflanzen zeigen dementsprechend Anpassungen in ihren Blütenmerkmalen an unterschiedliche Bestäubergruppen, so sind vogelbestäubte Blüten häufig rot, enthalten viel Nektar und haben schmale, tiefe Blütenröhren, während bienenbestäubte Blüten häufig blau oder gelb sind, nur kleinere Nektarmengen produzieren, und breitere oder offene Blüten bilden. Während unser Verständnis von Blütenanpassungen an unterschiedliche Bestäubergruppen mittlerweile relativ gut ist, wissen wir nach wie vor wenig darüber, wiese Pflanzenarten überhaupt zwischen Bestäubern wechseln, wie es zu solchen Bestäuberwechseln kommt, und welchen Einfluss diese auf die Diversifizierung (also Entstehung neuer Arten) haben. In diesem Forschungsprojekt haben wir uns konkret mit den historischen Auslösern von Bestäuberwechseln sowie deren Auswirkungen beschäftigt. Dabei haben wir unterschiedliche Methoden der Modellierung und von Verwandtschaftsanalysen mit genetischen Stammbäumen verschiedener Pflanzengruppen verwendet. Wir konnten zeigen, dass Bestäuberwechsel zwischen Bienen und Vertebraten nicht zufällig passieren, sondern in starkem Zusammenhang mit abiotischen klimatischen Faktoren stehen. In den tropischen Zonen Süd- und Zentralamerikas finden sich kolibribestäubte Pflanzen überzufällig häufig in kühlen Gebirgslagen und Nebelwäldern, während bienenbestäubte Arten überzufällig häufig in Tieflandregenwäldern zu finden sind. Im temperaten Nord- und Südamerika verschwimmen diese Muster, dort finden sich kolibribestäubte Arten häufig in tieferen Lagen, dafür aber eher in feuchten Habitaten. Wir konnten des weiteren zeigen, dass Bestäuberwechsel selbst keine Auswirkungen auf die Diversifizierungsrate einer tropischen Pflanzengruppe haben. Vielmehr war die Kolonisation der sich auffaltenden Anden vor etwa 10-15 Millionen Jahren ausschlaggebend für einen sprunghaften Anstieg in der Artzahl der Pflanzengruppe, die bis heute in den Nebelwäldern der Anden hohe Diversifikationsraten zeigt. Für die tropische Pflanzenfamilie Melastomataceae konnten wir darüber hinaus zeigen, dass die Kolonisation von Gebirgen generell vor Bestäuberwechseln passiert ist, und also wahrscheinlich den Auslöser derselben darstellt. Da viele Bienenarten von den oft kühlen, feuchten Bedingungen im Gebirge in ihren Blütenbesuchen stark eingeschränkt sind, während Wirbeltiere auch bei kühlem Wetter Blüten besuchen können, stellen diese physiologischen Unterschiede die wahrscheinlichste Erklärung für die Bestäuberwechsel-Klima-Assoziation dar. Darüber hinaus konnten wir sowohl in makroökologischen sowie theoretischen Arbeiten zeigen, dass gewisse Blütenmerkmale wie Blütenfarbe nicht nur der Selektion durch Bestäuber unterliegt, sondern auch von klimatischen Bedingungen beeinflusst wird. Konkret kommen rosa und rote Blüten häufiger in kühlen, gelbe und violette Blüten häufiger in trockenen, sonnigen Gebieten vor. Weiters konnten wir in einer Serie von Studien zeigen, dass bienenbestäubte Melastomataceae eine erstaunliche Blütendiversität aufweisen, wie sie bei Arten, die alle von der gleichen Gruppe von Bestäubern besucht wird, nicht unmittelbar zu erwarten wäre.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Diana Fernández-Fernández, Instituto Naional de Biodiversidad - Ecuador
  • Laura Lagomarsino, Louisiana State University - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Stacey D. Smith, University of Colorado Boulder - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Mario Vallejo-Marin, University of Stirling - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 140 Zitationen
  • 18 Publikationen
  • 1 Methoden & Materialien
  • 3 Datasets & Models
  • 7 Disseminationen
  • 4 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 1 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2025
    Titel Co-flowering with congeners does not affect buzz-pollinator specialization and pollination performance in Rhexia mariana, but does affect floral trait variance
    DOI 10.1002/ajb2.70119
    Typ Journal Article
    Autor Dellinger A
    Journal American Journal of Botany
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Flower clades and fruit clades: trade-offs in color diversification across angiosperms
    DOI 10.1101/2025.06.20.660771
    Typ Preprint
    Autor Sinnott-Armstrong M
    Seiten 2025.06.20.660771
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Does the abiotic environment influence the distribution of flower and fruit colors?
    Typ Journal Article
    Autor Dellinger
    Journal American Journal of Botany
  • 2025
    Titel Mountain colonization precedes shifts away from bee pollination in Melastomataceae
    DOI 10.1111/nph.70273
    Typ Journal Article
    Autor Kopper C
    Journal New Phytologist
    Seiten 1474-1492
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Wilting may leave bees wanting: drops in turgor pressure may reduce viability of buzz-pollinated flowers
    DOI 10.1093/jxb/eraf061
    Typ Journal Article
    Autor Lazarus B
    Journal Journal of Experimental Botany
    Seiten 1486-1490
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Pollen as the link between floral phenotype and fitness
    DOI 10.1002/ajb2.16200
    Typ Journal Article
    Autor Opedal Ø
    Journal American Journal of Botany
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Pollination in Melastomataceae: A Family-Wide Update on the Little We Know and the Much That Remains to Be Discovered
    DOI 10.1007/978-3-030-99742-7_26
    Typ Book Chapter
    Autor Dellinger A
    Verlag Springer Nature
    Seiten 585-607
  • 2022
    Titel Phylogenetics and Taxonomy of the Tribe Merianieae
    DOI 10.1007/978-3-030-99742-7_11
    Typ Book Chapter
    Autor Michelangeli F
    Verlag Springer Nature
    Seiten 255-273
  • 2022
    Titel Modelling pollinator and nonpollinator selection on flower colour variation
    DOI 10.1111/1365-2745.14057
    Typ Journal Article
    Autor Tenhumberg B
    Journal Journal of Ecology
    Seiten 746-760
    Link Publikation
  • 2024
    Titel MelastomaTRAITs 1.0: A database of functional traits in Melastomataceae, a large pantropical angiosperm family
    DOI 10.1002/ecy.4308
    Typ Journal Article
    Autor Reginato M
    Journal Ecology
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Population structure in Neotropical plants: Integrating pollination biology, topography and climatic niches
    DOI 10.1111/mec.16403
    Typ Journal Article
    Autor Dellinger A
    Journal Molecular Ecology
    Seiten 2264-2280
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Flipped elevational pattern of pollination mode in tropical vs. temperate Americas
    DOI 10.1101/2022.03.04.483035
    Typ Preprint
    Autor Dellinger A
    Seiten 2022.03.04.483035
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Does the abiotic environment influence the distribution of flower and fruit colors?
    DOI 10.1002/ajb2.70044
    Typ Journal Article
    Autor Dellinger A
    Journal American Journal of Botany
    Link Publikation
  • 2024
    Titel High floral disparity without pollinator shifts in buzz-bee-pollinated Melastomataceae
    DOI 10.1111/nph.19735
    Typ Journal Article
    Autor Kopper C
    Journal New Phytologist
    Seiten 2322-2337
    Link Publikation
  • 2024
    Titel The Sequential Direct and Indirect Effects of Mountain Uplift, Climatic Niche, and Floral Trait Evolution on Diversification Dynamics in an Andean Plant Clade
    DOI 10.1093/sysbio/syae011
    Typ Journal Article
    Autor Dellinger A
    Journal Systematic Biology
    Seiten 594-612
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Macroevolution of the plant–hummingbird pollination system
    DOI 10.1111/brv.13094
    Typ Journal Article
    Autor Barreto E
    Journal Biological Reviews
    Seiten 1831-1847
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Opposing Patterns of Altitude-Driven Pollinator Turnover in the Tropical and Temperate Americas.
    DOI 10.1086/725017
    Typ Journal Article
    Autor Dellinger A
    Journal The American naturalist
    Seiten 152-165
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Using geometric morphometrics to determine the “fittest” floral shape: A case study in large-flowered, buzz-pollinated Meriania hernandoi
    DOI 10.1002/ajb2.16183
    Typ Journal Article
    Autor Dellinger A
    Journal American Journal of Botany
    Link Publikation
Methoden & Materialien
  • 0
    Titel effective 3D segmentation for volumetric measurements on stamens
    Typ Biological samples
    Öffentlich zugänglich
Datasets & Models
  • 2024
    Titel implementation of phylogenetic path analysis for studying diversification scenarios
    DOI 10.5061/dryad.bvq83bkdx
    Typ Data analysis technique
    Öffentlich zugänglich
  • 2024 Link
    Titel Surprisingly high floral disparity in the absence of pollinator shifts in buzz-bee pollinated Melastomataceae
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2022 Link
    Titel Opposing patterns of altitude-driven pollinator turnover in the tropical and temperate Americas
    DOI 10.5061/dryad.bcc2fqzfg
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Disseminationen
  • 2022
    Titel Guest lecture
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2024
    Titel KinderUni Wien
    Typ Participation in an open day or visit at my research institution
  • 2024
    Titel talk at Pint Of Science
    Typ A talk or presentation
  • 2021
    Titel setting up personal website
    Typ Engagement focused website, blog or social media channel
  • 2024
    Titel training on plant family Melastomataceae with gardeners
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2023
    Titel summer school on geometric morphometrics
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2023
    Titel Tag der Artenvielfalt Ulm
    Typ A talk or presentation
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2024
    Titel Associate Editor at Royal Society Proceedings B
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2024
    Titel Young Academy of Sciences
    Typ Awarded honorary membership, or a fellowship, of a learned society
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2023
    Titel two student interns
    Typ Attracted visiting staff or user to your research group
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2023
    Titel Maxwell-Hanrahand Fieldwork award
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad Continental/International
Weitere Förderungen
  • 2022
    Titel UROP fellowship
    Typ Studentship
    Förderbeginn 2022
    Geldgeber University of Colorado Boulder

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