Die römische Siedlungsstelle bei Leithaprodersdorf
The Roman settlement site of Leithaprodersdorf
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (25%); Geschichte, Archäologie (75%)
Keywords
-
Roman Archaeology,,
Rural settlement development,
Archaeozoology,
Pannonia Superior,
Small find evaluation,
Numismatics
Die archäologische Erforschung der römischen Hinterlassenschaften im Nordwestteil der Provinz Oberpannonien, dem heutigen Ostösterreich, konzentrierte sich in der Vergangenheit meistens auf Untersuchungen der römischen Militärgrenze entlang der Donau und damit verbundenen Siedlungsstrukturen. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit römischen Überresten im ländlichen Hinterland der Grenzregion kann im Gegensatz dazu als mangelhaft bezeichnet werden. Durch Grabsteine wissen wir, dass in den ländlichen Gebieten der Provinz zahlreiche Siedler keltischen und germanischen Ursprungs gelebt haben müssen. Wir wissen jedoch nur wenig über ihre Siedlungsstrukturen und wie bzw. ab wann eine Anpassung an eine römische Lebensweise stattfand. Die Untersuchung der Leithaprodersdorfer Siedlung eignet sich aus mehreren Gründen besonders gut um Kenntnisse über die Siedlungs- und Bevölkerungsstrukturen des römischen Hinterlandes zu gewinnen. Bei Leithaprodersdorf konnten von 2005 bis 2015 großflächig ein römisches Gräberfeld zusammen mit mehreren Bauphasen der zugehörigen Siedlung archäologisch ausgegraben werden. Das Gräberfeld wurde bereits wissenschaftlich ausgewertet. Dabei wurde deutlich, dass der Bestattungsplatz gerade am Anfang sehr einheimisch geprägt war. Durch die Analyse der Siedlung kann nun in Teilbereichen ein Vergleich mit dem Gräberfeld erfolgen. Dabei wird Fragen über den zeitlichen Beginn und über die Haus- sowie Siedlungsstrukturen und deren Wandel vom 1. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. nachgegangen. Durch die Untersuchung des Gräberfeldes stellte sich beispielsweise heraus, dass typisch römische Grabmonumente erst nach einem etwa 50-jährigen Bestehen des Bestattungsplatzes errichtet wurden. Auch andere ausgesprochen römische Gegenstände, wie eine bestimmte Keramikgattung (Terra Sigillata) fanden erst relativ spät Verwendung. Nachdem das zeitlich verzögerte Vorkommen bestimmter Funde und Bauformen nicht nur sozio-kulturelle sondern auch kontextuelle und/oder handelsgeschichtliche Gründe gehabt haben kann, soll diesen Auffälligkeiten neben einer detaillierten Analyse der Bauformen nachgegangen werden. Durch Luftbildauswertungen in Kooperation mit dem Luftbildarchiv des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien soll außerdem die Gesamtausdehnung der Siedlung erfasst werden. Die Münzen aus der Siedlung werden in der Abteilung Documenta Antiqua am Institut für Kulturgeschichte der Antike ausgewertet. Als besonders bedeutend für das Projekt ist die Auswertung der Tierknochen in Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum in Wien. Nachdem das Tierrassenspektrum und die Wuchsgrößen bestimmter Tiere nach der Eroberung einer Provinz oft römisch beeinflusst wurden, wird auch für Leithaprodersdorf ein Wandel von einheimischen zu importierten Tierrassen angenommen. Mit dem Projekt wird erstmals eine umfassende chronologische, typologische, archäozoologische und funktionale Analyse einer ländlichen Siedlung Nordwestpannoniens möglich.
- Konstantina Saliari, Naturhistorisches Museum Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Bernhard Hebert, Sonstige Forschungs- oder Entwicklungseinrichtung d.Bd , nationale:r Kooperationspartner:in
- Michael Doneus, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in