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Die römische Siedlungsstelle bei Leithaprodersdorf

The Roman settlement site of Leithaprodersdorf

Lucia Clara Formato (ORCID: 0000-0001-6069-4217)
  • Grant-DOI 10.55776/T1198
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2021
  • Projektende 31.08.2025
  • Bewilligungssumme 243.120 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (25%); Geschichte, Archäologie (75%)

Keywords

    Roman Archaeology,, Rural settlement development, Archaeozoology, Pannonia Superior, Small find evaluation, Numismatics

Abstract Endbericht

Die archäologische Erforschung der römischen Hinterlassenschaften im Nordwestteil der Provinz Oberpannonien, dem heutigen Ostösterreich, konzentrierte sich in der Vergangenheit meistens auf Untersuchungen der römischen Militärgrenze entlang der Donau und damit verbundenen Siedlungsstrukturen. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit römischen Überresten im ländlichen Hinterland der Grenzregion kann im Gegensatz dazu als mangelhaft bezeichnet werden. Durch Grabsteine wissen wir, dass in den ländlichen Gebieten der Provinz zahlreiche Siedler keltischen und germanischen Ursprungs gelebt haben müssen. Wir wissen jedoch nur wenig über ihre Siedlungsstrukturen und wie bzw. ab wann eine Anpassung an eine römische Lebensweise stattfand. Die Untersuchung der Leithaprodersdorfer Siedlung eignet sich aus mehreren Gründen besonders gut um Kenntnisse über die Siedlungs- und Bevölkerungsstrukturen des römischen Hinterlandes zu gewinnen. Bei Leithaprodersdorf konnten von 2005 bis 2015 großflächig ein römisches Gräberfeld zusammen mit mehreren Bauphasen der zugehörigen Siedlung archäologisch ausgegraben werden. Das Gräberfeld wurde bereits wissenschaftlich ausgewertet. Dabei wurde deutlich, dass der Bestattungsplatz gerade am Anfang sehr einheimisch geprägt war. Durch die Analyse der Siedlung kann nun in Teilbereichen ein Vergleich mit dem Gräberfeld erfolgen. Dabei wird Fragen über den zeitlichen Beginn und über die Haus- sowie Siedlungsstrukturen und deren Wandel vom 1. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. nachgegangen. Durch die Untersuchung des Gräberfeldes stellte sich beispielsweise heraus, dass typisch römische Grabmonumente erst nach einem etwa 50-jährigen Bestehen des Bestattungsplatzes errichtet wurden. Auch andere ausgesprochen römische Gegenstände, wie eine bestimmte Keramikgattung (Terra Sigillata) fanden erst relativ spät Verwendung. Nachdem das zeitlich verzögerte Vorkommen bestimmter Funde und Bauformen nicht nur sozio-kulturelle sondern auch kontextuelle und/oder handelsgeschichtliche Gründe gehabt haben kann, soll diesen Auffälligkeiten neben einer detaillierten Analyse der Bauformen nachgegangen werden. Durch Luftbildauswertungen in Kooperation mit dem Luftbildarchiv des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien soll außerdem die Gesamtausdehnung der Siedlung erfasst werden. Die Münzen aus der Siedlung werden in der Abteilung Documenta Antiqua am Institut für Kulturgeschichte der Antike ausgewertet. Als besonders bedeutend für das Projekt ist die Auswertung der Tierknochen in Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum in Wien. Nachdem das Tierrassenspektrum und die Wuchsgrößen bestimmter Tiere nach der Eroberung einer Provinz oft römisch beeinflusst wurden, wird auch für Leithaprodersdorf ein Wandel von einheimischen zu importierten Tierrassen angenommen. Mit dem Projekt wird erstmals eine umfassende chronologische, typologische, archäozoologische und funktionale Analyse einer ländlichen Siedlung Nordwestpannoniens möglich.

Leithaprodersdorf: Analyse und Klassifikation einer ländlichen Siedlung im Hinterland des nordwestpannonischen Limes Zwischen 2021 und 2025 untersuchte dieses vom österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) geförderte Forschungsprojekt eine römerzeitliche ländliche Siedlung bei Leithaprodersdorf im Burgenland (Österreich). Der Fundplatz liegt im Hinterland der Donaugrenze (Limes), an der römische Truppen stationiert waren, um die Nordgrenze des Reiches zu schützen. Während die militärischen Anlagen entlang der Donau oft gut erforscht sind, blieben die ländlichen Siedlungen, die diese Truppen versorgten, bisher weitgehend unbeachtet. Hier setzte das Projekt an und nutzte dafür innovative, ineinandergreifende Methoden. Die benachbarte Nekropole dieser Siedlung war bereits vollständig ausgegraben und ist seit Anfang 2026 publiziert und lieferte wichtige Erkenntnisse über die Bewohner. Die Grabfunde und Grabstelen zeigten, dass hier eine kulturelle Mischbevölkerung aus einheimischen Menschen sowie römischen Militärveteranen lebte - ein faszinierendes Beispiel für kulturelle Interaktion in den römischen Provinzen. Das Projekt verfolgte einen interdisziplinären Ansatz und kombinierte Archäologie, Archäozoologie und Geophysik. Die Analyse der Tierknochen am Naturhistorischen Museum Wien brachte bemerkenswerte Ergebnisse: Zahlreiche Rinder wiesen charakteristische Deformationen der Hornzapfen auf, die darauf hindeuten, dass sie lange als Arbeitstiere vor dem Pflug eingesetzt wurden. Diese Befunde lassen auf eine Überschussproduktion schließen und unterstützen die Hypothese, dass diese Siedlung vor allem der Versorgung der an der Donaugrenze stationierten römischen Soldaten mit Getreide und anderen landwirtschaftlichen Produkten diente. Geophysikalische Messungen, die über das Österreichische Archäologische Institut (ÖAI) durchgeführt wurden, zeigten, dass die Siedlung deutlich ausgedehnter war als bisher angenommen. Neben dem ausgegrabenen Hauptgebäude konnten mindestens drei weitere Nebengebäude nachgewiesen werden - möglicherweise Speicher, Ställe für die Ochsen oder Lagerhäuser. Diese Befunde zeichnen das Bild eines beträchtlichen landwirtschaftlichen Betriebs. Eine spannende Entdeckung war, dass bereits in der späten Eisenzeit (Latènezeit) am selben Ort eine ausgedehnte Siedlung mit Grubenhäusern existierte. Ob jedoch eine kontinuierliche Besiedlung von der Latènezeit bis in die Römerzeit bestand, muss weiterhin offenbleiben und erfordert zusätzliche Untersuchungen. Die römerzeitliche Siedlung selbst war vom späteren 1. Jahrhundert n. Chr. bis ins späte 4. oder frühe 5. Jahrhundert n. Chr. bewohnt und zeigt damit eine bemerkenswerte Langlebigkeit. Ob es sich um eine typisch römische villa rustica oder um eine Mischform aus lokalen, einheimischen Siedlungsstrukturen und römischer Landarchitektur handelt, bleibt eine offene Frage. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie ländliche Fundplätze das komplexe Zusammenspiel zwischen römischer Militärinfrastruktur, landwirtschaftlichen Versorgungssystemen und multikultureller Provinzgesellschaft beleuchten können.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Konstantina Saliari, Naturhistorisches Museum Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
  • Bernhard Hebert, Sonstige Forschungs- oder Entwicklungseinrichtung d.Bd , nationale:r Kooperationspartner:in
  • Michael Doneus, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in

Research Output

  • 9 Publikationen
  • 2 Disseminationen
Publikationen
  • 2025
    Titel Bestattungssitten und Bevölkerungsstruktur im Hinterland Carnuntums. Die Gräberfelder Potzneusiedl und Leithaprodersdorf
    Typ Journal Article
    Autor L. C. Formato
    Journal Acta Carnuntina
    Seiten 16-27
  • 2024
    Titel KG Leithaprodersdorf, OG Leithaprodersdorf (Anm. Bericht geophysikalische Messungen 2021)
    Typ Other
    Autor F. Reiner
    Seiten 102-105
  • 2024
    Titel Archäologie der Römischen Provinzen im lateinischen Westen
    Typ Other
    Autor Ch. Gugl
    Seiten 99-105
  • 2022
    Titel Archäologie der Römischen Provinzen im lateinischen Westen
    Typ Other
    Autor Ch. Gugl
    Seiten 90-95
  • 2021
    Titel Das römische Leben abseits der Donaugrenze - Welche Rolle spielten die Bewohnerinnen und Bewohner im Hinterland Pannoniens?
    Typ Other
    Autor K. Saliari
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Die Nekropolen Leithaprodersdorf und Potzneusiedl (Burgenland, AT). Ein Einblick in lokale Bevölkerungsstrukturen im Hinterland der nordwestpannonischen Donaugrenze im Spiegel der Bestattungstraditionen des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Lucia C. Formato
    Konferenz Memento Mori. Aktuelle Forschungen zu römischen Bestattungssitten in den Nordwestprovinzen
    Seiten 102-128
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Romans and Natives in North-Western Pannonia - The exemplary reconstruction of rural population structures using iconographic, epigraphic and archaeological Sources.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor L. C. Formato
    Konferenz Romans and Natives in the Danubian Provinces (1st-6th C. AD)
    Seiten 249-284
  • 2023
    Titel Archäologie der Römischen Provinzen im lateinischen Westen
    Typ Other
    Autor Ch. Gugl
    Seiten 94-99
  • 0
    Titel Das kaiserzeitliche Gräberfeld von Leithaprodersdorf im Burgenland (Österreich). Eine Studie zu ländlichen Besiedlungsstrukturen im Hinterland von Carnuntum. BAR International Series (In Vorbereitung 2025).
    Typ Book
    Autor Lucia C. Formato
    Verlag British Archaeological Reports International Series
Disseminationen
  • 2022
    Titel Stand support and knowledge transfer as part of the Long Night of Research 2022
    Typ Participation in an open day or visit at my research institution
  • 2021 Link
    Titel Online publication of the project in a online-blog
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link

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