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Marine Schwämme und ihre Mikroben

Sponge-Microbe Interactions

Bettina Glasl (ORCID: 0000-0002-6812-868X)
  • Grant-DOI 10.55776/T1218
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2020
  • Projektende 30.09.2023
  • Bewilligungssumme 243.120 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Symbiosis, Microbiome, Coral Reef Sponge, Chemical Imaging, Metabolic Interaction

Abstract Endbericht

Schwämme gehören zu den ältesten Tieren auf unserem Planeten und haben sich vor über 650 Millionen Jahren entwickelt. Heute sind mehr als 8.600 Schwammarten offiziell beschrieben, von denen die meisten in marinen Ökosystemen leben. Schwämme wachsen am Meeresboden, wo sie kontinuierlich enorme Mengen Meerwasser durch ihren Körper pumpen, um kleine Partikel aus dem Wasser herauszufiltern, von denen sie sich ernähren. Die bemerkenswerte Filtrationskapazität von Schwämmen hilft beim Recyceln von Nährstoffen in marinen Ökosystemen und daher sind Schwämme ein wichtiger Bestandteil des marinen Nahrungsnetzes. Darüber hinaus ist bekannt, dass Schwämme eine Vielzahl chemischer Substanzen produzieren, die in der Medizin und Biotechnologie Anwendung finden. Das Geheimnis des evolutionären, ökologischen und biotechnologischen Erfolgs von Schwämmen ist die Symbiose mit Mikroben. Schwämme beherbergen eine Vielzahl von Mikroben in ihrem Gewebe. Die symbiotischen Mikroben können bis zu 35% des Gewichts des Schwamms ausmachen, und diese Mikroben können sehr unterschiedlich sein (von wenigen mikrobiellen Arten bis zu hunderten verschiedenen mikrobiellen Arten in einem einzigen Schwamm). Die mikrobiellen Symbionten spielen eine wichtige Rolle für die Gesundheit von Schwämmen. Bis heute ist die mechanistische Wechselwirkung zwischen dem Schwamm und seinen Symbionten jedoch nur sehr wenig bekannt. In diesem Projekt werden wir Schlüsselfragen der Schwamm-Mikroben-Symbiose mit einer neuartigen Kombination modernster molekularer Methoden und innovativen Mikroskopie Techniken erforschen. Dieses Projekt zielt beispielsweise darauf ab, zu erforschen, wie mikrobielle Symbionten zwischen den Schwammeltern und ihren Nachkommen übertragen werden, und die Funktionen der mikrobiellen Symbionten in den ersten Tagen eines Babyschwamms zu untersuchen. Wir untersuchen auch wie Nährstoffe zwischen dem Schwamm und seinen mikrobiellen Symbionten geteilt werden und wie Schwammkrankheiten den Nährstofffluss zwischen ihnen stören können. Der Korallenriffschwamm Ianthella basta, oft als Elefantenohrschwamm bezeichnet, wird in diesem Forschungsprojekt als Modellorganismus verwendet. Diese Schwammart kommt häufig in Korallenriffen im gesamten Indopazifik vor, hat einen sehr einfachen fächerförmigen Körper, kann über einen längeren Zeitraum in einem Aquariasystem gehalten werden und lebt in einer symbiotischen Beziehung mit drei mikrobiellen Arten. Die Schwammproben werden in Zusammenarbeit mit Dr. Nicole Webster (Australisches Institut für Meereswissenschaften) am Great Barrier Reef gesammelt und anschließend in der Abteilung für Mikrobielle Ökologie (DOME - Division of Microbial Ecology) an der Universität Wien analysiert.

Wussten Sie, dass marine Schwämme, diese faszinierenden Kreaturen des Ozeans, eine entscheidende Rolle im Gleichgewicht von Kohlenstoff und Stickstoff in ihren Ökosystemen spielen? Sie erreichen dies mit Hilfe winziger Partner namens Ammonium-oxidierende Archaeen, oder AOA kurz. Doch unser Verständnis davon, wie diese AOA funktionieren und innerhalb von Schwammgemeinschaften interagieren, ist noch sehr gering. In unserem vom FWF finanzierten Projekt tauchten wir in die Welt der mit Schwämmen assoziierten AOA ein und machten einige spannende Entdeckungen. Wir identifizierten neuartige, aber unterschiedliche Gruppen dieser Mikroben, jede mit ihren eigenen einzigartigen Merkmalen und Rollen. Zuerst stießen wir auf eine brandneue Gruppe von AOA, die wir als "Nitrosokoinonia" bezeichnet haben. Diese kleinen Mikroben sind so etwas wie die Recycling-Champions der Schwammwelt. Sie bauen Abfallprodukte des Schwamms, wie Ammonium und Harnstoff, ab und wandeln sie in Energie um. Sie erhalten sogar Unterstützung von anderen Bakterien, den sogenannten Nitrit-oxidierenden Bakterien (NOB), die die Abfälle von den AOA weiter recyceln und dabei helfen, das Gewebe ihres Schwammwirts zu entgiften. Dann untersuchten wir einen weiteren AOA-Symbionten namens "Nitrosospongia ianthellae", der ausschließlich im tropischen Elefantenohr-Schwamm (Ianthella basta) vorkommt. Dieser Symbiont lebt in enger Beziehung zu einem anderen Bakterium im Gewebe seines Schwammwirts. Zusammen arbeiten sie daran, Taurin, eine häufige Verbindung in Schwämmen, abzubauen. Wir stießen auch auf ungewöhnliche AOA mit unglaublich winzigen Genomen (gesamtes Erbgut). Aber lassen Sie sich nicht von ihrer reduzierten Genomegröße täuschen - sie sind immer noch fleißig am Arbeiten. Diese Mikroben sind Experten darin, Energie zu gewinnen, indem sie Ammonium in Nitrit umwandeln und so Kohlenstoff fixieren, was dem Schwammwirt hilft, überschüssiges Ammonium in seinem Gewebe loszuwerden. Insgesamt zeigt unsere Forschung, wie erstaunlich die Welt der mit Schwämmen assoziierten AOA ist. Indem wir ihre Rollen und Beziehungen verstehen, gewinnen wir wertvolle Einblicke in die Funktionsweise dieser faszinierenden Symbiose.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Nicole S. Webster, University of Queensland - Australien
  • Manuel Liebeke, Christian Albrechts Universität Kiel - Deutschland
  • Ji-Xin Cheng, Boston University - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 10 Zitationen
  • 5 Publikationen
  • 2 Datasets & Models
  • 4 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2024
    Titel Co-occurring nitrifying symbiont lineages are vertically inherited and widespread in marine sponges.
    DOI 10.1093/ismejo/wrae069
    Typ Journal Article
    Autor Glasl B
    Journal The ISME journal
  • 2025
    Titel Revised 16S rRNA V4 hypervariable region targeting primers enhance detection of Patescibacteria and other lineages across diverse environments
    DOI 10.1101/2025.11.26.690684
    Typ Preprint
    Autor Hu H
  • 2021
    Titel Microbial Surface Biofilm Responds to the Growth-Reproduction-Senescence Cycle of the Dominant Coral Reef Macroalgae Sargassum spp.
    DOI 10.3390/life11111199
    Typ Journal Article
    Autor Glasl B
    Journal Life
    Seiten 1199
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Taurine as a key intermediate for host-symbiont interaction in the tropical sponge Ianthella basta.
    DOI 10.1038/s41396-023-01420-1
    Typ Journal Article
    Autor Herbold Cw
    Journal The ISME journal
    Seiten 1208-1223
  • 2023
    Titel Novel nitrifying symbiont lineages are vertically inherited and widespread in marine sponges
    DOI 10.1101/2023.12.23.573102
    Typ Preprint
    Autor Glasl B
Datasets & Models
  • 2023 Link
    Titel Falcon Island Coscinoderma matthewsi sequencing data
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2023 Link
    Titel Falcon Island Coscinoderma matthewsi sequencing data
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2023
    Titel Gordon Research Seminar Poster Award
    Typ Poster/abstract prize
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2022
    Titel Invited Speaker at the ISME Conference
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2022
    Titel Editorial Board Microbiome
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2022
    Titel Editorial Board Environmental Microbiome
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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