White Play: Practices of white European game-development
White Play: Practices of white European game-development
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (25%); Informatik (40%); Philosophie, Ethik, Religion (10%); Soziologie (25%)
Keywords
-
Intersectional Feminism,
Social Justice,
Human-computer interaction,
European cultural studies
White Play widmet sich der kritischen Beforschung weißer Normen in der Europäischen Videospielkultur. Als populäre Medien mit einem wachsenden, diversen Publikum sind Videospiele längst zu einer wichtigen Ausdrucksform für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geworden. Allerdings tragen sie als Teil unseres Lebensalltags auch gesellschaftliche Verantwortung zur Lösung struktureller Probleme, wie Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Die Rolle weißer Vorherrschaft als Ursprung für rassistisches Denken und Handeln in der Spieleentwicklung und Spielekultur ist dabei im Europäischen Forschungskontext stark unterbelichtet. Das Projekt White Play bearbeitet diese Forschungslücke, indem es Diskursen des Weißseins und unbewussten Vorurteilen in der Europäischen Spielentwicklung auf den Grund geht. Dies soll unser Verständnis für das Zusammenspiel von Games und Rassismus schärfen, um anschließend kritische Strategien zur Entmachtung weißer Vormachtstellung zu entwickeln. White Play verortet sich dabei als politisch motiviertes Forschungsprojekt, und wird als Kooperation mit Antirassismus-Aktivist*innen und Stakeholdern im Gameskulturbereich durchgeführt. Das Forschungsprojekt umfasst vier Themen, (1) weiße Vorherrschaft in Europäischen Spieletheorien, (2) die Darstellung weißer Identität in Europäischen Videospielen, (3) Perspektiven Europäischer Videospielentwickler*innen und (4) Strategien zum Abbau weißer Vorherrschaft in der Europäischen Spielekultur. Erstens untersucht die Studie gängige Ideen rund um Spiel und Spiele, die bereits ein bestimmtes Bild des spielenden Körpers in sich tragen: Wenn in der Europäischen Spielwissenschaft vom Spielen die Rede ist, welche Art von Spieler*innen wird mitgedacht, welche nicht? Wie könnte dies mit weißer Vorherrschaft und der kolonialen Vergangenheit Europas zusammenhängen? Zweitens, wie reproduzieren (oder konfrontieren) Europäische Spiele die weiße Norm, etwa durch die Darstellungen von Weißen als Held*innen und Schwarzen, Indigenen und People of Colour als Schurk*innen oder Charaktere zweiter Klasse? Videospiele stellen Geschichten dar, aber sie schaffen auch Bedeutung durch Interaktionen, Rituale und Belohnungen. Was sagt uns dies über die Beziehung von Games zu rassistischer, kolonialer Geschichte? Drittens, wie nehmen Europäische Videospielentwickler*innen weiße Vorherrschaft in Bezug auf ihre Arbeit wahr? Welche Bedeutung messen Entwickler*innen ihren eigenen rassisierten Erfahrungen oder weißen Privilegien bei? Wie verhandeln sie Verantwortung gegenüber Spieler*innen und Gesellschaft? Viertens, welche kreative Strategien gibt es, um Rassismus und weiße Vorherrschaft systematisch abzubauen und gemeinsam respektvolle Zukunftsvisionen zu entwickeln? Dieser Teil umfasst neben Publikationen auch Aktivitäten wie etwa Anti-Rassismus Workshops, ein Spielentwicklungsevent, ein Symposium und Arbeit mit öffentlichen Kultureinrichtungen.
Weiße Normen, die Weißsein als neutral, überlegen oder universell darstellen, sind im europäischen Gamedesign, in der Spielekultur und in der Spieleforschung verankert. Das Projekt White Play hatte zum Ziel, diese Normen sichtbarer zu machen, zu verstehen, wie sie (Wissen über) Spiele prägen, und zu untersuchen, wie sie aktiv hinterfragt und herausgefordert werden können. Europäische Spiele werden häufig als kulturell neutral betrachtet, reproduzieren jedoch vielfach lang etablierte koloniale Vorstellungen. Dazu gehören weiße Held*innen, die die Welt retten, Wettbewerb, der durch Eroberung gerahmt ist, sowie nicht-europäische Bevölkerungen, die auf Hintergrundkulissen oder abstrakte Ressourcen reduziert werden. Trotz der großen kulturellen Reichweite von Spielen gibt es in Europa bislang nur wenig Forschung, die kritisch untersucht, wie solche Muster mit Race, Macht und Geschichte zusammenhängen. White Play setzt genau an dieser Forschungslücke an. Das Projekt gliederte sich in vier miteinander verbundene Arbeitsbereiche. Erstens wurde untersucht, wie Spiele und Spielen in der Spieleforschung üblicherweise definiert werden. Diese Definitionen setzen Spielen häufig mit Spaß und positiven Erfahrungen gleich und blenden race-spezifische Machtverhältnisse aus. Fragen danach, wer spielt, wer repräsentiert wird und wessen Regeln gelten, werden selten gestellt. Durch die kritische Auseinandersetzung mit diesen Annahmen zeigt das Projekt, dass Spielen sowohl historisch als auch gegenwärtig mit rassistisch kodiertem Ausschluss, Ausbeutung und Schaden verbunden sein kann. Zweitens umfasste das Projekt eine Interviewstudie mit Spieleentwicklerinnen aus ganz Europa, die sich für antirassistische Arbeit und Verantwortung interessieren. Ein zentrales Ergebnis betrifft die einschränkende Wirkung weißer Sozialisation auf kreativen Ausdruck und Risikobereitschaft in der europäischen Spieleindustrie. Bei weißen Entwicklerinnen dominierten Unsicherheiten über das eigene Wissen zu kolonialen Geschichten und Stereotypen, während Entwicklerinnen of Color Frustration über die Belastung schilderten, kulturell unsensible Produkte antizipieren und kostspielige Korrekturen vornehmen zu müssen sowie strukturelle Veränderungen mit wenig Wirkung anzustoßen. Drittens analysierte White Play populäre europäische Spiele, insbesondere bekannte Brettspiele, die auf kolonialen Vorstellungen beruhen und dennoch als Klassiker gefeiert werden. Durch die Abstraktion kolonialer Gewalt und deren Rahmung als Strategie oder Abenteuer tragen solche Spiele zur Normalisierung ungleicher Machtverhältnisse bei. Das Projekt betont, dass eine kritische Neubewertung geliebter Spiele nicht deren Ablehnung bedeutet, sondern die Entwicklung eines Bewusstseins für ihre kulturellen und historischen Wirkungen. Abschließend lag ein Schwerpunkt auf praktischer und gesellschaftlicher Wirkung. Das niedrigschwellige medienpädagogische Handbuch Fair Play: Confronting Racism and Coloniality in Games wurde auf Englisch und Finnisch veröffentlicht und bietet konkrete Übungen zur Auseinandersetzung mit Rassismus in Spielen. Darüber hinaus wurde in Zusammenarbeit mit antirassistischen, medien- und kulturwissenschaftlichen Expertinnen ein mehrtägiger Fair Play Game Jam organisiert, bei dem (angehende) Spieleentwicklerinnen sechs Spiele zu Reflexion, Fairness und Antirassismus entwickelten. Alle Teilnehmenden erhielten im Vorfeld ein antirassistisches Training. Durch die Verbindung von Forschung, kreativer Praxis und Bildung trägt White Play zu inklusiveren, verantwortungsvolleren und sozial reflektierten Spielekulturen in Europa bei.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 5 Publikationen
- 6 Künstlerischer Output
- 2 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 1 Weitere Förderungen
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2024
Titel Playgrounds of Whiteness: Confronting Epistemic Bias in European Game Studies DOI 10.26503/dl.v2024i1.2230 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Harrer S -
2022
Titel Where Are the White Perpetrators in All the Colonial Board Games? A Case Study on Afrikan Tähti DOI 10.4324/9781003297406-14 Typ Book Chapter Autor Harrer S Verlag Taylor & Francis Seiten 171-187 -
2022
Titel Fair Play: Confronting Racism and Coloniality in Games: A Media Education Handbook Typ Book Autor Custodio L Verlag Kansallinen Audiovisuaalinen Instituutti (KAVI) Link Publikation -
2023
Titel Outside the Racist Nostalgia Box: Rethinking Afrikan tähti's Cultural Depictions Typ Journal Article Autor Harrer S Journal Journal of Games Criticism Seiten 1-21 Link Publikation -
2023
Titel Surviving Whiteness in Games Typ Journal Article Autor Harrer S Journal Journal of Games Criticism Seiten 1-11 Link Publikation
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2024
Link
Titel Color Perspective - digital game Typ Artefact (including digital) Link Link -
2024
Link
Titel Breaking the Chain - digital game Typ Artefact (including digital) Link Link -
2024
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Titel No Place for Black Feathers - digital game Typ Artefact (including digital) Link Link -
2024
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Titel Tesselate: digital game Typ Artefact (including digital) Link Link -
2024
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Titel Unalienate - digital game Typ Artefact (including digital) Link Link -
2024
Link
Titel Peace by Piece - digital game Typ Artefact (including digital) Link Link
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2025
Titel Keynote for FDG conference 2025 Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International
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2021
Titel Institutional infrastructure (office, library access) and symposium/game jam venue for Fair Play Jam Typ Capital/infrastructure (including equipment) Förderbeginn 2021 Geldgeber Uppsala University Game Design Department, Gotland Campus