Zeit essentieller Veränderungen in der Menschheitsgeschichte
Time of essential changes in human history (TECH)
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (90%)
Keywords
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Southern Africa,
Middle Stone Age,
Marine Isotope Stage 5,
Cultural Developments,
Lithic Technology,
Innovativeness
Wir wissen heute aufgrund der ausgezeichneten Forschungsarbeit vieler Generationen an WissenschaftlerInnen, dass sich die biologische und kulturelle Evolution der vielfältigen menschlichen Art in Afrika abgespielt hat. Die ältesten bekannten Fossilien von Homo sapiens sind über 300.000 Jahre alt und stammen aus Nordafrika. Das Afrika südlich der Sahara zeichnet sich durch seine frühen Hinweise zu symbolischen Verhalten wie z.B. durchlochte Schmuckschnecken und gravierte Straußeneischalen aus. Es lassen sich auch Belege für die Fähigkeit zur Planung, Multitasking und abstraktes Denken vergleichbar mit modernen Menschen feststellen. Beispielsweise wurden Klebstoffmixturen verwendet, um Werkzeuge in einer Halterung zu befestigen. Wie und wann genau sich dieser verhaltensmäßige Entwicklungsprozess vollzogen hat, muss noch eindringlicher erforscht werden. Mittlerweile zeigen Forschungsergebnisse, dass der Zeitraum von 130.000 bis 75.000 Jahren vor heute eine entscheidende Epoche in der Geschichte des Menschen darstellt und wird als marinen Isotopenstadium (MIS) 5 bezeichnet. Im MIS 5 bildeten sich regional organisierte Gruppen von Jägern und Sammlern heraus, die kulturelle Markenzeichen aufweisen. Diese beziehen sich z. B. auf spezielle Stein- oder Knochenwerkzeuge und neue erfinderische Errungenschaften, wie z.B. das Erhitzen von Gesteinen, um die Schlageigenschaften zu verbessern. Diese Phase sticht zwar archäologisch hervor und verspricht zur Beantwortung der Fragen nach dem Wie und Wann beitragen zu können, es fehlte jedoch lange das wissenschaftliche Interesse oder der Schwerpunkt lag nur auf bestimmten Regionen im südlichen Afrika. Mein Forschungsvorhaben hakt an dieser Stelle hervorragend mit seiner Zielsetzung ein. Diese soll Steinwerkzeugproduktion, Jagdverhalten, Landnutzungsstrategien und Erfindungsreichtum in weniger gut erforschten geographischen Bereichen Südafrikas während des MIS 5 beleuchten. Des Weiteren erkundet das Projekt auch, welche treibenden Kräfte zu den neuen Verhaltensweisen führten, sei es zusammenhängend mit kulturellen Anpassungen, Umwälzungen in der Bevölkerungsstruktur oder Veränderung der Umweltbedingungen. Der Fokus der Arbeit richtet sich auf drei gut dokumentierte südafrikanische Fundstellen beziehen, die alle Besiedlungsschichten mit einem Alter von ca. 90.000 Jahren vor heute umfassen und sich in unterschiedlichen Lebensräumen befinden. Es handelt sich um Bushman Rock Shelter (Limpopo) aus der Savanne, Sibhudu Cave (KwaZulu-Natal) im Küstengürtel am Indischen Ozean gelegen und Rose Cottage Cave (Free State) aus dem Grasland. Verschiedene Untersuchungen zu den verwendeten Gesteinsmaterialien, Herstellungsweisen und Gebrauchsspuren der Steinwerkzeuge sollen Aufschlüsse zum kulturellen Hintergrund der einzelnen Fundplätze geben. Beim Vergleich wird sich abschließend zeigen, inwieweit vergangene Gesellschaften miteinander vernetzt waren und über große Entfernungen durch Wissensaustausch Vorstellungen teilten.
- Veerle Rots, Université de Liege - Belgien
- Nicholas J. Conard, Eberhard-Karls-Universität Tübingen - Deutschland
- Mareike Stahlschmidt, Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie - Deutschland
- Chantal Tribolo, Université Bordeaux Montaigne - Frankreich