Eine politische Konzeption der transitionelle Gerechtigkeit
A Political Conception of Transitional Justice
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (90%); Rechtswissenschaften (10%)
Keywords
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Transitional Justice,
Future-Oriented Transitions,
Expectations,
Feasibility,
Legal Rights
Transitionen beeinflussen unser Schema von Vertrautheit und Vorhersehbarkeit. Zum Beispiel könnte der Klimawandel dazu führen, dass unsere derzeitigen Erwartungen in Bezug auf Energieverbrauch, Mobilität und Wohnen nicht erfüllt werden. Außerdem könnten Transitionen unsere Erwartung, nicht rückwirkend benachteiligt zu werden, enttäuschen. Bei der Verteilung des verbleibenden Kohlenstoffbudgets erfordert Fairness vermutlich die Berücksichtigung unserer vergangenen Emissionen und der Vorteile, die wir aus emissionsverursachenden Aktivitäten realisiert haben. Aus diesen Gründen wird es wahrscheinlich zu Konflikten darüber kommen, wie wir diese Transformation bewältigen sollen. Diese Konflikte aus der Perspektive der Transitional Justice zu betrachten, erfordert, sie hinsichtlich des Weges zu bewerten, dem wir folgen sollten, um den Status quo zu verändern. Im 20. Jahrhundert wurde Transitional Justice im Sinne von Übergangsprozessen von Regimen, die ungeheuerliche Menschenrechtsverletzungen unterstützten oder nicht verhinderten, zu demokratischen, rechtsstaatlichen Regierungen verstanden. Oft als transitions to democracy bezeichnet, sind prominente Beispiele dafür Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und Südafrika nach der Apartheid. Die globale Transformation zu einer dekarbonisierten Gesellschaft scheint nicht in die Kategorie der transition to democracy zu fallen, da es nicht darum geht, eklatante Menschenrechtsverletzungen zu beheben. Vielmehr zielt sie auf die Sicherung von Gerechtigkeitsbedingungen für künftige Generationen und auf die Verhinderung von schwerwiegenden schädlichen Auswirkungen des Klimawandels ab. Durch ihre emissionsverursachenden Aktivitäten haben die Menschen als solche keine Menschenrechtsverletzungen begangen, zumindest solange sie von den langfristigen Auswirkungen ihrer kumulierten Emissionen keine Kenntnisse haben konnten. Dieses Projekt argumentiert, dass Transitional Justice als Richtlinie für eine neue Generation von Transitionen dienen soll und kann. Als normative Praxis können wir Transitional Justice durch die Rolle, die sie im öffentlichen Bereich spielt, konzeptualisieren. Gleichzeitig erfordern ihre historischen Ursprünge eine Untersuchung der Quellen der politischen und philosophischen Kontroversen während historischer Transitionen. Im Rahmen des Projekts wird die Hypothese untersucht, dass die Rolle der Transitional Justice darin besteht, den Konflikt zwischen den historisch geformten legitimen Erwartungen der Menschen und den Erwartungen, die während oder aufgrund des Übergangsprozesses entstehen, zu beurteilen. Das Projekt zielt darauf ab, zu zeigen, dass dieser Konflikt in früheren Übergängen zur Demokratie auf dem Spiel stand, und dass er nun in einer neuen Generation von Übergängen auf dem Spiel steht. Warum sollten wir sowohl die historische als auch die neue Generation von Transitionen als Teil der gleichen Vorgehensweise betrachten? Als Folge vergangener Transitionen haben Gesellschaften durch das kollektive Gedächtnis ein Narrativ über vergangene politische Tragödien geerbt. Sie haben auch ein moralisches Bewusstsein über die Transition geerbt, aber dies wurde bisher weniger untersucht. Eine politische Konzeption der Transitional Justice könnte nicht nur ein konzeptionelles, sondern auch ein diskursives Werkzeug sein, das in der Lage ist, ein collective know-how memory auszulösen, um den gerechten Weg für die Herbeiführung einer Transformation zu einer gerechten Zukunft zu identifizieren.
- Universität Graz - 100%
- Matthias Klatt, Universität Graz , nationale:r Kooperationspartner:in
- Pablo Gilabert, Concordia University - Kanada
- Catherine Lu, NYU School of Medicine - Vereinigte Staaten von Amerika
- Jonathan Wolff, University of Oxford - Vereinigtes Königreich