Es bleibt spannend: Eastern Sigillata B neu betrachtet
Still discoverable: A reconsideration of Eastern Sigillata B
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Andere Naturwissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (70%)
Keywords
-
Pottery Studies,
Roman East,
Economic archaeology,
Terra Sigillata,
Archaeometry
Im Fokus dieses Projektes steht ein eine römische Keramikware, die ab der Mitte des 1. Jhs. n. Chr. zum beliebtesten Tafelgeschirr im östlichen Mittelmeerraum zählte. Obwohl die sog. Eastern Sigillata B (ESB) schon seit 1904 bekannt ist und es eine grundlegende Typo-Chronologie gibt, sind noch große Forschungsdesiderate offen. Diese betreffen vor allem Produktion und Herstellungstechniken sowie Absatzmärkte. Ziel dieses Projektes ist es, durch eine umfassende (Neu-)Untersuchung der ESB- Funde die noch offenen Fragen zu klären. In augusteischer Zeit (30 v. Chr. 14 n. Chr.) begann im Hinterland von Ephesos (heutige Westtürkei), die Produktion der ESB, die sich in der römischen Kaiserzeit zu einer regelrechten Massenproduktion entwickelte. Die Vorläufer dieser am Fließband produzierten Sets aus verschiedenen Gefäßformen finden sich bereits in der späthellenistischen Zeit. Die Produktion dieser Prototypen wurde allerdings noch nie zusammenschauend analysiert. In der kaiserzeitlichen Massenproduktion lassen sich zwei verschiedene Produktionsserien unterscheiden, die aufgrund von Qualität, Gefäßform und Dekorelementen unterschieden werden können. Der Qualitätsunterschied, vor allem zwischen den Fabrikaten und den Überzügen, wurde oft zur chronologischen Unterscheidung zwischen den beiden ESB-Serien herangezogen. ESB-Funde aus Ephesos zeigen hingegen, dass die Qualität eine untergeordnete Rolle spielte bzw. höchstwahrscheinlich auf werkstattspezifische Unterschiede zurückzuführen ist. Als Hauptproduktionsort gilt die antike Stadt Tralleis im Hinterland von Ephesos, wo mehrere Werkstätten mit regionalen Produktionsmustern anzunehmen sind. In diesem Projekt soll untersucht werden, wie genau die Unterschiede zwischen den Produktionsserien und Qualitäten zu bewerten sind. Mithilfe von archäometrischen Analysen (NAA und SEM), die erstmals an einer großen Probenzahl angewandt werden, sollen Herstellungsprozesse und einzelne Werkstätten identifiziert werden. Seit dem Produktionsbeginn stieg die Nachfrage nach ESB-Produkten kontinuierlich an und Ephesos entwickelte sich von einem Absatzmarkt zu einem wichtigen Handelsknotenpunkt. Über den ephesischen Hafen gelangten die Gefäße der ESB in den gesamten östlichen Mittelmeerraum und darüber hinaus. Eine Forschungslücke im Exportradius bildet der adriatische Raum. Entlang der Küsten wurden zwar Schiffwracks mit Importgefäßen aus Kleinasien gefunden, eine umfassende Studie zur ESB aus dieser Region fehlt hingegen. Durch die Einbeziehung der ESB-Funde aus den kroatischen Fundorten Trogir und Hvar/Soline sowie dem vor Pakleni/Izmetište gefundenen Schiffswrack soll dieser Raum nun abgedeckt werden. Dieses Projekt ist die erste umfassende Neubewertung der ESB, in Verbindung mit neuen archäometrischen Analysen, die zur Identifizierung von ESB-Werkstätten und die Spezifizierung der Produktionsreihen führen werden. Alle Ergebnisse sollen Open Access zugänglich sein.