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Transkultureller Austausch: Die Habsburger und die Osmanen

Transcultural Exchange: The Habsburgs and the Ottomans

Zsuzsa Barbarics-Hermanik (ORCID: 0000-0001-6655-4485)
  • Grant-DOI 10.55776/T476
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 03.01.2011
  • Projektende 02.07.2014
  • Bewilligungssumme 198.510 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (80%)

Keywords

    Cultural Exchange, Ottoman Empire, Communication, Habsburg Empire, Early Modern Times, Southeast European History

Abstract Endbericht

Im Projekt werden die Beziehungen zwischen den zwei mächtigsten Großreichen in Europa der Frühen Neuzeit, dem Habsburger- und dem Osmanischen Reich, in einer Periode (1520-1620) untersucht, die vom Wandel und von zahlreichen Innovationen geprägt war. Dabei stehen die verschiedenen Kommunikations- sowie Kulturaustauschprozesse zwischen den zwei Reichen im Mittelpunkt. Der geographische Schwerpunkt liegt einerseits auf den Hauptstädten Wien (seit 1583 Prag) und Istanbul/Konstantinopel, andererseits auf dem Karpatenbecken, das eine bedeutende Grenzregion für beide Reiche darstellte. Das Projekt geht davon aus, dass sich diese beiden mächtigsten europäischen Reiche der Frühen Neuzeit nicht ausschließlich in militärischer Hinsicht gegenübergestanden wären: Ihre Nachbarschaft für anderthalb Jahrhunderte hätte nicht nur zur Konstruktion von physischen und mentalen Grenzen im Sinne von boundaries geführt, sondern es hätten sich auch kulturelle Brückenschläge gebildet. Sie wären kulturell demnach viel mehr verbunden gewesen, als das von der Okzident-Orient Dichotomie ausgehend angenommen wurde. Eine weitere Hypothese des vorliegenden Projektes ist, dass die Verbreitung der Reformation, die verschiedenen Migrationsprozesse der damaligen Zeit sowie die Position des Karpatenbeckens als Grenzregion die Kommunikation sowie den Kulturaustausch zwischen dem Habsburger- und dem Osmanischen Reich gefördert hätten. Eine weitere Annahme besteht in der These, dass die osmanischen Territorien bereits im 16. Jahrhundert an der frühneuzeitlichen "Kommunikationsrevolution" sowie an den grundlegenden Netzwerken des Kulturaustausches teilgenommen hätten. Das Projekt stellt dazu einen neuen wissenschaftlichen Zugang zu den Netzwerken des Kulturaustausches vor und konzentriert sich dabei auf die Analyse verschiedener Korrespondenzformen, wobei Korrespondenz als ein komplexes aber essentielles Instrument des Kulturaustausches betrachtet wird. Die Antragstellerin konzentriert sich einerseits auf "offizielle" habsburgische und osmanische Kollektionen, andererseits auf die Korrespondenz von Personen verschiedener gesellschaftlicher Schichten, Herkunft und Religion, die in die Kommunikations- und Kulturaustauschprozesse zwischen dem Habsburger- und dem Osmanischen Reich involviert waren. Für die heutige Zeit sollen die Ergebnisse des Projektes unter anderem zeigen, dass "Österreicher" und "Türken" in der Frühen Neuzeit viel mehr gemeinsam hatten und sich nicht nur als politische und militärische Feinde gegenüberstanden. Die Darstellung der Kommunikationsnetzwerke und des Kulturaustausches werden sowohl die Schnittstellen als auch die Wechselbeziehungen zeigen, die mitunter helfen können, bestehende Vorurteile zu reduzieren.

Das Projekt untersuchte die Beziehungen zwischen den zwei mächtigsten Großreichen in Europa der Frühen Neuzeit, dem Habsburger- und dem Osmanischen Reich, in einer Periode (1520-1620), die vom Wandel und von zahlreichen Innovationen geprägt war. Den neuen Tendenzen der Forschung entsprechend, standen dabei weniger die militärisch-politischen Auseinandersetzungen, sondern vielmehr die verschiedenen transkulturellen Kommunikations- und Austauschprozesse im Mittelpunkt. Der geographische Fokus lag einerseits auf den Hauptstädten Wien (seit 1583 Prag) und Istanbul, andererseits auf dem Karpatenbecken, das eine bedeutende Grenzregion für beide Reiche darstellte. Die umfassende Analyse unterschiedlicher Korrespondenznetzwerke ermöglichte zum ersten Mal die Beschreibung der Komplexität sowie Multidimensionalität der Begegnung der zwei Großreiche, was eine neue Errungenschaft in der Historiographie der habsburgisch-osmanischen Beziehungen darstellt. Denn im Gegensatz zur traditionellen Gegenüberstellung einer ?Christlichen' im Kontrast zu einer ?Muslimischen Welt' zeigen die Forschungsergebnisse nicht nur kulturelle Brückenschläge, sondern durchaus Gemeinsamkeiten, wobei der Schwerpunkt auf gegenseitigem Austausch lag: Die Intensität und Regelmäßigkeit der Korrespondenz zwischen der habsburgischen und der osmanischen Administration in den Hauptstädten oder zwischen den osmanischen Würdenträgern in Ungarn und den habsburgischen Kommandanten der Militärgrenze, aber vor allem deren Inhalte zeugen eindeutig von der Flexibilität und vom Pragmatismus der zwei Großreiche, wobei diese Bereitschaft zur Kooperation einen wichtigen Punkt darstellt. Eine weitere Innovation der Forschungsergebnisse ist, dass an den untersuchten transkulturellen Austauschprozessen nicht nur Männer beteiligt waren, sondern dabei auch Frauen eine nicht unterschätzende Rolle zukam. Dadurch konnte die Geschichte der Beziehungen der zwei Großreiche zum ersten Mal nicht nur als eine reine ?Männergeschichte', sondern aus der Perspektive einer differenzierteren Geschlechtergeschichte beschrieben werden. Die umfassende inhaltliche Analyse der verschiedenen Korrespondenzen zeigte weiters neue Formen des transkulturellen Austausches auf, die mit Hilfe von Druckwerken, aber auch auf der visuellen Ebene erfolgten. Dadurch konnte eine langanhaltende Hypothese der Forschung widerlegt werden, wonach das Osmanische Reich gegenüber gedruckten Büchern oder Bildern außerhalb ihres Kanons stets Widerstand geleistet hätte. Die Forschungsergebnisse zeigen hingegen, dass gedruckte Bücher sehr wohl als wichtige Instrumente des transkulturellen Austausches zwischen den beiden Reichen fungierten und in den Territorien der Habsburger sogar explizit für den osmanischen Markt hergestellt wurden, denn sowohl Protestanten als auch Katholiken versuchten damit, im Osmanischen Reich Missionsarbeit zu leisten. Für die heutige Zeit zeigen die Forschungsergebnisse des Projektes deutlich, dass ?Österreicher' und ?Türken' in der Frühen Neuzeit Vieles gemeinsam hatten und sich nicht ausschließlich als politische und militärische Feinde gegenüberstanden. Die Darstellung der Kommunikationsnetzwerke und der Kulturaustausches zeigen einige Schnittstellen sowie Wechselbeziehungen und können mitunter helfen, bestehende Vorurteile zu reduzieren.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Markus Köhbach, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
  • Martin Scheutz, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
  • Ernst-Dieter Petritsch, Österreichisches Staatsarchiv , nationale:r Kooperationspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Florike Egmond, Universiteit Leiden - Niederlande
  • Ioan Bolovan, Babes-Bolyai University - Rumänien
  • Cristina Fenesan, Romanian Academy - Rumänien
  • Cemal Dermircioglu, Okan University - Türkei
  • Geza David, Eötvös University - Ungarn
  • Géza Pálffy, Vereinsrechtl. F&E-Einrichtung - Ungarn
  • Gabor Agoston, Georgetown University - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Francisco Bethencourt, King´s College London - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 2 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Graz und sein Bollwerkmythos - eine kritische Annäherung.
    Typ Book Chapter
    Autor Barbarics-Hermanik Z
  • 2014
    Titel The Visual in Transcultural Exchange: Emblems, Propaganda, and the Ottomans.
    Typ Book Chapter
    Autor Barbarics-Hermanik Z

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