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Körperbilder in den Performativen Künsten im Zeitalter der Globalisierung

Body Images in Performing Arts in the Age of Globalization

Daniela Pillgrab (ORCID: 0000-0003-2120-1947)
  • Grant-DOI 10.55776/T570
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2012
  • Projektende 31.12.2016
  • Bewilligungssumme 206.340 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (25%); Kunstwissenschaften (40%); Philosophie, Ethik, Religion (35%)

Keywords

    Performing Arts, Mimesis, Anthropology, 21st century, Globalization, Transculturality

Abstract Endbericht

Im Prozess der Globalisierung verlieren Raum und Distanz ihren Stellenwert, Zeichen beginnen weltweit zu zirkulieren, es entstehen internationale Netzwerke, und dank der neuen Möglichkeiten in den Bereichen Kommunikation und Transport vergrößert sich die bewusst wahrgenommene Welt. Ausgehend von der Annahme, dass diese Faktoren erheblichen Einfluss auf den Bereich der Kunst haben, ist es das Ziel des geplanten Projektes, die Auswirkungen der Globalisierung auf performative Künste und auf die dort produzierten und konstruierten Körperbilder schrittweise zu analysieren. In drei Abschnitten (1) Das Zirkulieren von Zeichen und Bedeutungen, (2) Die Terminologie: von `Theater` zu `Performance`, und (3) Die Politischen Dimensionen: Body Talks, werden folgende Fragen verhandelt: Über welche Mechanismen wirk(t)en Prozesse der Globalisierung auf Körperbilder in performativen Künsten? Darf der Theaterbegriff, dessen Etymologie in der griechischen Antike beginnt, der auf dem Konzept der `mimesis` gründet und der sich an griechisch-europäische Denktraditionen geknüpft entwickelt hat, in einen transkulturellen Kontext transportiert werden? Ist es sinnvoll, `Theater` in einem globalisierten kulturellen Kontext durch den - noch relativ jungen - Terminus der `Performance` zu ersetzen? Kann konstatiert werden, dass Methoden der Transkulturalität im 21. Jahrhundert zur dominierenden kulturellen Praxis avanciert sind, die nicht nur neue Formen der Wahrnehmung, sondern auch eine neue Ästhetik mit sich gebracht haben? Und schließlich: reflektieren Körperbilder, wie sie in Performances der hawaiianischen Butoh-Tänzerin Lori Ohtani und der chinesischen Performerin Wen Hui präsentiert werden, ein weltweites Zirkulieren von Zeichen und Elementen, machen sie den Bedeutungsverlust von Raum und Distanz sichtbar, und enthüllen sie gar politisch gesetzte Parameter? Diese Fragen werden theoretisch beleuchtet und konkret anhand ausgewählter Beispiele von Performances der hawaiianischen Butoh-Tänzerin Lori Ohtani und der chinesischen Performerin Wen Hui auseinander gesetzt. Ziel ist es, unter Ermittlung der Zusammenhänge ästhetischer und politischer Komponenten, ein integratives Profil der Auswirkungen von Transkulturalität und Globalisierung auf Körperbilder in performativen Künsten zu erstellen. Folglich gilt es, durch die Einbeziehung von Methoden differenter Wissenschaftsdisziplinen (z. B. Soziologie, Philosophie, Theater- und Tanzwissenschaft, Performance Studies, Anthropologie) und unterschiedlicher kultureller Denk- und Wissenschaftstraditionen (Europa, China) ein reflektiertes methodologisches Instrumentarium zu entwickeln, mit dem globale, transkulturelle performative Phänomene nicht-zentristisch analysiert und diskutiert werden können.

Globalisierung und mediale Vernetzung haben nicht nur unsere Wahrnehmung der Welt verändert, sondern auch unsere Lebensweisen und Kommunikationsformen. Ausgehend von der These, dass Prozesse und Dynamiken der Globalisierung freilich auch einen erheblichen Einfluss auf das künstlerische Schaffen haben, war es das Ziel des Projektes 'Mimesis' was a Greek Idea. Body Images in Performing Arts in the Age of Globalization, diese Auswirkungen auf die performativen Künste und die dort produzierten und konstruierten Körperbilder in den Blick zu nehmen. Dabei standen etwa die Fragen im Zentrum, über welche Mechanismen Prozesse der Globalisierung auf Bilder vom Körper wirken, ob der mit dem griechisch-europäischen Denken eng verknüpfte Theaterbegriff, dem die Idee einer Mimesis zugrunde liegt, in einem globalen Kontext noch angebracht ist, ob kultureller Pluralismus im 21. Jahrhundert zu einer zentralen kulturellen Praxis avanciert ist, der eine neue Ästhetik mit sich gebracht hat, und schließlich, in wie weit Körperbilder zweier ausgewählter Performerinnen ein weltweites Zirkulieren von Zeichen präsentieren, den Bedeutungsverlust von Raum und Distanz sichtbar machen, oder gar politisch gesetzte Parameter aufzeigen.Die Kommentare und Anmerkungen aus den beiden Gutachten berücksichtigend habe ich zunächst entschieden, die Beschränkung auf zwei ausgewählte Performerinnen aufzuheben, um den argumentativen Rahmen der Studie zu ästhetischen Effekten der Globalisierung zu erweitern. Zentral bei der Durchführung war auch der Hinweis aus einem Gutachten, mit einem postkolonialen Verständnis von 'Macht' zu arbeiten. Hierbei war etwa die Lektüre von Byung-Chul Hans Theorien zum Begriff der 'Hyperkulturalität' essentiell für die Entwicklung und schließlich auch für die Ergebnisse meines Forschungsprojekts: Unter Berücksichtigung gegenwärtiger philosophischer, soziologischer und postkolonialer Diskurse hat sich etwa gezeigt, dass sich eine Bewegung von der Bezeichnung 'interkulturelles Theater' hin zu einer Charakterisierung als 'hyperkulturelle Performances' für künstlerisch-performative Arbeiten im 21. Jahrhundert als produktiv erweist. Wie eine Besprechung 'hyperkultureller Performances' aussehen könnte, welche Analysewerkzeuge uns dafür zu Verfügung stehen, war Thema in diversen Vorträgen und Publikationen. Dies entspricht auch dem bereits im Forschungsantrag formulierten Anspruch dieser Studie, die Dynamiken von Globalisierung in künstlerisch-wissenschaftliche Methoden zu übersetzen und sich damit gegen eine Homogenisierung von Diskursen zu stellen. In einem in Planung befindlichen zweiten Teil des Forschungsprojektes, der im Rahmen einer Elise-Richter-Stelle umgesetzt werden soll, wird der Fokus verstärkt auf die Bilder vom Körper in der Performance gesetzt. Dabei werden die in diesem nunmehr abgeschlossenen ersten Teil gewonnenen Erkenntnisse eingebracht und entwickelte Methoden angewandt.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Markus Wessendorf, University of Hawaii - Manoa - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 5 Publikationen
Publikationen
  • 2015
    Titel Ästhetik in Anmut und Stille
    DOI 10.7767/muk-2015-3-423
    Typ Journal Article
    Autor Pillgrab D
    Journal Maske und Kothurn
    Seiten 145-150
  • 2016
    Titel Schreiben gegen das Unbehagen. Elfriede Jelinek und Susan Sontag.
    Typ Book Chapter
    Autor Jelinek[Jahr]Buch 2016
  • 2017
    Titel Globalization as Method. On the Analysis of Hypercultural Performances.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Pillgrab D
    Konferenz Current Issues in Performance Analysis, ed. by Andrea Jachmanová, Brno
  • 2014
    Titel ›Das Volk‹ im chinesischen Schauspiel zwischen den Revolutionen
    DOI 10.7767/muk-2014-0211
    Typ Journal Article
    Autor Pillgrab D
    Journal Maske und Kothurn
    Seiten 95-110
  • 2012
    Titel Subjekt und Objekt zugleich. Gedanken zum 'geteilten' Körper in der Peking Oper.
    Typ Book Chapter
    Autor Friedemann Kreuder

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