Untersuchung der Hydratbildung organischer Verbindungen
Understanding Hydrate Formation in Molecular Compounds
Wissenschaftsdisziplinen
Chemie (90%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (10%)
Keywords
-
Hydrates,
Polymorphism,
Crystallization,
Crystal Structure Prediction,
Thermodynamics,
Phase Transformation
Wasser spielt eine bedeutende Rolle in den pharmazeutischen Wissenschaften. Dieses in seiner molekularen Struktur einfache und ubiquitäre Molekül kann mit (Wirk)Stoffen und Arzneimitteln auf vielfältigste Weise interagieren und folglich die Qualität eines Produktes beeinflussen. Eines der faszinierendsten Phänomene in der Festkörperchemie, aber auch gleichzeitig eine der größten Herausforderungen ist, dass Wasser in das Kristallgitter von Stoffen eingebaut werden kann. Diese Molekülverbindungen werden als Hydrate bezeichnet. Dass dieses Phänomen weit verbreitet ist haben eigene statistische Auswertungen gezeigt. Etwa ein Drittel der Arzneistoffe kann in einer oder mehreren Hydratform/en existieren und über 40% der hydratbildenden Arzneistoffe werden auch als Hydrat eingesetzt. Trotz massiver Bemühungen auf diesem Gebiet, sind wir bis dato aber nicht in der Lage Vorhersagen über die Existenz und Stabilität von Hydraten zu treffen. Die Kenntnis der verschiedenen Festphasen (Anhydrat: lösungsmittelfreie Form, Solvat: lösungsmittelhältige Form) ist ein zentrales Thema in der modernen chemischen Industrie und ist wichtig für die Gewährleistung einer hohen Qualität und Sicherheit von Arzneimitteln und anderer chemischer Produkte. Dies ist durch den Umstand begründet, dass verschiedene Festformen unterschiedliche physikalische Eigenschaften aufweisen (z.B. Löslichkeit, Dichte, Härte, Schmelzpunkt, etc.), welche sich auf Verarbeitbarkeit, Stabilität und letztlich die Wirksamkeit von Arzneistoffen auswirken können. Folglich ist die Kenntnis der Existenz und der Stabilität von Wasseraddukten sehr wichtig, da der Kontakt mit Wasser/Feuchte und folglich die Bildung von Hydraten oft nicht vermieden werden kann. Im Rahmen dieses Forschungsprojektes soll ein umfassendes Verständnis der für die Hydratbildung verantwortlichen Faktoren und der Stabilität dieser Addukte erarbeitet werden. Dieses Verständnis soll zu einem neuen Hydrat-Klassifizierungssystem führen, welches uns dem Ziel näherbringen soll Bildung, Struktur und Stabilität von Hydraten vorhersagbarer zu machen. Die Etablierung eines solchen Klassifizierungssystems erfordert einen Pool an verlässlichen experimentellen Daten, der derzeit von organischen Hydratsystemen noch nicht existiert. Deshalb sollen im Rahmen des Projekts auch innovative Konzepte zur experimentellen Erfassung von strukturellen, thermodynamischen und kinetischen Daten von Hydraten entwickelt werden. Dieser Ansatz wird mit computerunterstützten Berechnungen (Hohlraum, Gitterenergien, Kristallenergie Landschaften) ergänzt um systematisch experimentelle und theoretische Daten repräsentativer Modellsysteme (z.B. Opioid-Alkaloide) zu generieren. Mit Hilfe dieser einzigartigen Kombination aus Experiment und Theorie soll es möglich sein ein besseres Verständnis über diese wichtigen Lösungsmitteladdukte zu etablieren. Darüber hinaus sollen innovative Screening Strategien für die Erfassung von Hydraten entwickelt werden. Die generierten experimentellen Daten sollen eine wertvolle Basis für die Verbesserung von Algorithmen für ab-initio Strukturvorhersagen liefern. Die Forschung ist von hoher Aktualität und industrieller Bedeutung, da die Ergebnisse dazu beitragen werden, Qualität und Entwicklungsdauer wichtiger chemischer Produkte zu sichern bzw. zu verkürzen.
Wasser spielt eine bedeutende Rolle in den pharmazeutischen Wissenschaften. Das ubiquitär vorkommende Molekül kann mit Arzneimitteln auf vielfältigste Weise interagieren und folglich die Qualität (physikalische und chemische Stabilität) und Produktion eines Produktes beeinflussen. Da Kontakt mit Wasser/Feuchte bei vielen Verarbeitungsprozessen und bei der Lagerung oft nur schwer vermieden werden kann, ist das Wissen über mögliche Interaktionen sehr wichtig um die hohen Qualitätsstandards von Arzneimitteln sicher zu stellen. Die Bildung von Molekülverbindungen (Hydrate) durch Einbau von Wasser in die Kristallstruktur von Stoffen ist eines der faszinierendsten Phänomene in der Festkörperchemie, aber auch gleichzeitig ein große Herausforderung. Etwa ein Drittel der Arzneistoffe kann in einer oder mehreren Hydratform existieren und über 40% der hydratbildenden Arzneistoffe werden auch als Hydrat eingesetzt.Um ein besseres Verständnis der für die Hydratbildung bei organischen Moleküle verantwortlichen Faktoren zu erhalten wurden 30 organische Modellsysteme ausgewählt und umfassend untersucht. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen bilden die Basis für ein neues auf Stabilität basierendem Hydrat-Klassifizierungssystem. Des Weiteren sind die generierten experimentellen Daten eine hervorragende Voraussetzung für theoretische Chemiker um Algorithmen für ab initio Strukturvorhersagen und Energieberechnung zu verbessern.Für Morphinane, eine wichtige Klasse von Arzneistoffen welche eine hohe Tendenz zur Hydratbildung aufweist, konnten sowohl die molekularen und strukturellen Ursachen der Hydratbildung, als auch der Grund für die hohe Stabilität der Hydrate aufgeklärt werden. Es konnte gezeigt werden, dass es nicht nur möglich ist Hydratstrukturen, Hydratbildung und Hydrat-Stöchiometrie vorherzusagen, sondern auch die (thermodynamische) Stabilität dieser Wasseraddukte zu berechnen. Weitere Highlights, des Projekts betreffen Creatin und 4-Aminquinaldine. Für Creatin, seit 180 Jahren bekannt und eines der beliebtesten Nahrungsergänzungsmittel, wurden neue Formen gefunden. Des Weiteren konnte anhand dieses Systems gezeigt werden, dass abhängig von den Dehydratisierungsbedingungen unterschiedliche Festphasen erhalten werden können. 4-Aminoquinaldin kann als erstes Beispiel angesehen werden bei welchem die Ergebnisse von Kristallstrukturvorhersagen zu einer stabileren Hydratphase geführt haben.Die durchgeführte Forschung ist von hoher Aktualität und industrieller Bedeutung, da die Ergebnisse dazu beitragen Qualität und Entwicklungsdauer wichtiger chemischer Produkte zu sichern bzw. zu verkürzen. Die ausgearbeiteten Konzepte können nicht nur für Hydrate, sondern auch für andere Festkörperklassen (Solvate, Co-Kristalle) angewendet werden.
- Universität Innsbruck - 100%
Research Output
- 533 Zitationen
- 16 Publikationen
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2012
Titel Stable polymorph of morphineCAS number: 57–27–2. DOI 10.1107/s1600536812048945 Typ Journal Article Autor Gelbrich T Journal Acta Crystallographica Section E: Structure Reports Online Link Publikation -
2012
Titel Complex Polymorphic System of Gallic Acid?Five Monohydrates, Three Anhydrates, and over 20 Solvates DOI 10.1021/cg301506x Typ Journal Article Autor Braun D Journal Crystal Growth & Design Seiten 19-23 Link Publikation -
2023
Titel Predicting crystal form stability under real-world conditions DOI 10.1038/s41586-023-06587-3 Typ Journal Article Autor Firaha D Journal Nature Seiten 324-328 Link Publikation -
2016
Titel 4-Aminoquinaldine monohydrate polymorphism: prediction and impurity aided discovery of a difficult to access stable form DOI 10.1039/c5ce01758k Typ Journal Article Autor Braun D Journal CrystEngComm Seiten 4053-4067 Link Publikation -
2015
Titel New crystal structures in the realm of 5,5'-azotetrazolates DOI 10.1515/znb-2014-0222 Typ Journal Article Autor Lampl M Journal Zeitschrift für Naturforschung B Seiten 125-134 Link Publikation -
2015
Titel Investigations on alunogen under Mars-relevant temperature conditions: An example for a single-crystal-to-single-crystal phase transition DOI 10.2138/am-2015-5342 Typ Journal Article Autor Kahlenberg V Journal American Mineralogist Seiten 2548-2558 -
2014
Titel Crystal Structures of New Ammonium 5-Aminotetrazolates DOI 10.3390/cryst4040439 Typ Journal Article Autor Lampl M Journal Crystals Seiten 439-449 Link Publikation -
2014
Titel Creatine: Polymorphs Predicted and Found DOI 10.1021/cg501159c Typ Journal Article Autor Braun D Journal Crystal Growth & Design Seiten 4895-4900 Link Publikation -
2012
Titel Morphine hydrochloride anhydrateCAS number: 52–26–6. DOI 10.1107/s1600536812046405 Typ Journal Article Autor Gelbrich T Journal Acta Crystallographica Section E: Structure Reports Online Link Publikation -
2016
Titel Structural Properties, Order–Disorder Phenomena, and Phase Stability of Orotic Acid Crystal Forms DOI 10.1021/acs.molpharmaceut.5b00856 Typ Journal Article Autor Braun D Journal Molecular Pharmaceutics Seiten 1012-1029 Link Publikation -
2015
Titel Structural and Ecotoxicological Profile of N-Alkoxymorpholinium-Based Ionic Liquids DOI 10.3987/com-14-s(k)73 Typ Journal Article Autor Schottenberger H Journal HETEROCYCLES Seiten 1018 Link Publikation -
2015
Titel Navigating the Waters of Unconventional Crystalline Hydrates DOI 10.1021/acs.molpharmaceut.5b00357 Typ Journal Article Autor Braun D Journal Molecular Pharmaceutics Seiten 3069-3088 Link Publikation -
2015
Titel Solid state forms of 4-aminoquinaldine – from void structures with and without solvent inclusion to close packing DOI 10.1039/c5ce00118h Typ Journal Article Autor Braun D Journal CrystEngComm Seiten 2504-2516 Link Publikation -
2013
Titel Four Polymorphs of Methyl Paraben: Structural Relationships and Relative Energy Differences DOI 10.1021/cg301639r Typ Journal Article Autor Gelbrich T Journal Crystal Growth & Design Seiten 1206-1217 Link Publikation -
2013
Titel Absorbing a Little Water: The Structural, Thermodynamic, and Kinetic Relationship between Pyrogallol and Its Tetarto-Hydrate DOI 10.1021/cg4009015 Typ Journal Article Autor Braun D Journal Crystal Growth & Design Seiten 4071-4083 Link Publikation -
2014
Titel Insights into Hydrate Formation and Stability of Morphinanes from a Combination of Experimental and Computational Approaches DOI 10.1021/mp500334z Typ Journal Article Autor Braun D Journal Molecular Pharmaceutics Seiten 3145-3163 Link Publikation