Gesicht und Bild. Schminken und Malen in der Frühen Neuzeit
Face and Image. Painting and Cosmetics, 1500-1800
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Kunstwissenschaften (80%)
Keywords
-
History,
1500-1800,
Painting in literature,
Cosmetics,
History and criticism,
Color,
Beauty (Aesthetics)
Das geplante Projekt untersucht das Schminken als frühneuzeitliches Austragungsfeld künstlerischer, philosophischer und wissenschaftlicher Diskurse zum Status des Bildes und zum Verhältnis von Gesicht und Bild. Über das geschminkte Gesicht einer Frau schrieb der Londoner Kleriker Thomas Tuke in seinem ikonophoben Traktat Discourse against painting and ticturing of women zu Anfang des 17. Jahrhunderts exemplarisch: "Als Geschopf Gottes ist sie eine Frau, und doch ihre eigene Schopferin als ein Bild". Diese Kritik kunstlicher Schonheit unterstellte dem geschminkten Gesicht einer Frau ontologisch eine doppelte Natur: als Werk Gottes und als Produkt, das die Frau als Künstlerin ihrer selbst erschuf. Tukes Gottesbezug schließt auf das Verhaltnis von Kunst und Natur im kunstlerischen Schaffensprozess an die Tradition der Bildkritik seit der christlichen Spatantike an, die in England insbesondere wahrend der ikonoklastischen Phasen zwischen den 1530er und den 1640er Jahren wieder zur Diskussion stand, aber mit aktueller Kunsttheorie sowie Erfahrungen aus dem Theaterbetrieb und der künstlerischen Werkstattpraxis durchwirkt wurde. Ziel des Projekts ist es, diese Verflechtungen von Schminken und Malen erstmals in kunsttheoretischer, bildhistorischer und wissensgeschichtlicher Hinsicht zu untersuchen und für die Erforschung visueller Kultur fruchtbar zu machen. Anhand von ausgewählten Schriften zum Schminken wie Kosmetiktraktaten, Schmink- und Farbrezepten, Prosa und Theaterstücken in England, Italien, den Niederlanden und Frankreich zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert soll in einem ersten Schritt dazu eine terminologische und begriffsgeschichtliche Grundlage erarbeitet werden. Um diese ideengeschichtliche Ebene des Projekts mit der Ebene der kunstlerischen Praxis in Beziehung zu setzen, ist nach der kritischen Befragung der Kategorie des Schminkens in einem zweiten Schritt zu untersuchen, ob und auf welche Weise das kunsttheoretische und wissenschaftsgeschichtliche Potenzial des Schminkens in der Malerei selbst reflektiert worden ist. Die Porträtmalerei steht dabei im Zentrum der Untersuchung. Kunsttheorie und kunstlerische Praxis gleichermaßen berucksichtigend, wird die projektierte Studie zentrale Kategorien fruhneuzeitlicher Bild- und Kulturtheorie wie >Nachahmung<, >Körper<, >Natürlichkeit< und >Künstlichkeit<, >Kunst<, >Farbe<, sowie >Lebendigkeit< und nicht zuletzt >Bild< und >Gesicht< differenzieren und prazisieren helfen. Dadurch wird das Projekt der Erforschung der Geschichte des >Kunstwerks< im Zeitalter der Institutionalisierung der Kunste und ihrer gleichzeitigen Kommerzialisierung eine wichtige Grundlage bereit stellen. Darüber hinaus lässt der Ansatz das Schminken in einem weiteren Rahmen thematisch und methodologisch für die Frage neuzeitlicher Bild- und Körperinszenierung und Praxis relevant werden.
An der Schnittstelle zwischen Körper, Schönheit, Kunst und Medizin untersuchte das Projekt Kosmetik als frühneuzeitliches Austragungsfeld künstlerischer, philosophischer und wissenschaftlicher Diskurse zum Status des Bildes und zum Verhältnis von Körper und Bild. Über das geschminkte Gesicht einer Frau schrieb der Londoner Kleriker Thomas Tuke in seinem ikonophoben Traktat Discourse against painting and tincturing of women zu Anfang des 17. Jahrhunderts exemplarisch: Als Geschöpf Gottes ist sie eine Frau, und doch ihre eigene Schöpferin als ein Bild. Diese Kritik künstlicher Schönheit unterstellte dem geschminkten Gesicht einer Frau ontologisch eine doppelte Natur: als Werk Gottes und als Produkt, das die Frau als Künstlerin ihrer selbst erschuf. Tukes Gottesbezug schließt auf das Verhältnis von Kunst und Natur im künstlerischen Schaffensprozess an die Tradition der Bildkritik seit der christlichen Spätantike an, die in England insbesondere während der ikonoklastischen Phasen zwischen den 1530er und den 1640er Jahren wieder zur Diskussion stand, aber mit aktueller Kunsttheorie sowie Erfahrungen aus dem Theaterbetrieb und der künstlerischen Werkstattpraxis durchwirkt wurde. Ziel des Projekts war es, diese Verflechtungen von Kosmetik und Malen in kunsttheoretischer, bildhistorischer und wissensgeschichtlicher Hinsicht zu untersuchen und für die Erforschung visueller Kultur fruchtbar zu machen. Anhand von ausgewählten Schriften zu Verschönerungstechniken wie Kosmetiktraktaten, Schmink- und Farbrezepten, in England und Italien zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert wurde in einem ersten Schritt dazu eine terminologische und begriffsgeschichtliche Grundlage erarbeitet. Um diese ideengeschichtliche Ebene des Projekts mit der Ebene der künstlerischen Praxis in Beziehung zu setzen, wurde in einem zweiten Schritt untersucht, ob und auf welche Weise das kunsttheoretische und wissenschaftsgeschichtliche Potenzial der Kosmetik in der Malerei reflektiert worden ist. Kunsttheorie, medizinische und künstlerische Praxis gleichermaßen berücksichtigend, beleuchtete das Projekt zentrale Kategorien frühneuzeitlicher Bild- und Kulturtheorie wie Nachahmung, Körper, Natürlichkeit und Künstlichkeit, Kunst, Farbe, sowie Lebendigkeit. Dadurch stellt das Projekt der Erforschung der Geschichte des Kunstwerks im Zeitalter der Institutionalisierung der Künste und Wissenschaften und ihrer gleichzeitigen Kommerzialisierung eine wichtige Grundlage bereit. Darüber hinaus lässt der Ansatz Kosmetik in einem weiteren Rahmen thematisch und methodologisch für die Frage neuzeitlicher Bild- und Körperinszenierung und Praxis relevant werden.
- Universität Salzburg - 100%
- Wolf-Dietrich Löhr, Freie Universität Berlin - Deutschland
- Karin Leonhard, Universität Konstanz - Deutschland
- Gerhard Wolf, MPI Florenz - Italien
Research Output
- 3 Zitationen
- 1 Publikationen
-
2015
Titel Red, White and Black: Colors of Beauty, Tints of Health and Cosmetic Materials in Early Modern English Art Writing DOI 10.1163/15733823-02046p05 Typ Journal Article Autor Sammern R Journal Early Science and Medicine Seiten 397-427 Link Publikation