Wahrnehmungs-basierte Mensch-Roboter-Kooperation
Vision-based Human-Robot Cooperation: Perspective Sharing
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Technische Wissenschaften (10%); Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (5%); Informatik (65%); Soziologie (20%)
Keywords
-
Human-Robot Interaction,
User-Centerd Design,
Technology Assessment,
Social Acceptance,
Usability Engineering
Stellen Sie sich vor, ein Mensch und ein Roboter sollen gemeinsam eine Aufgabe erledigen wie zum Beispiel ein Regal zusammenzubauen. Für diese Aufgabe brauchen beide Partner visuelle Kontextinformationen, um erfolgreich zum Ziel zu kommen. Allerdings unterscheidet sich die menschliche von der maschinellen Wahrnehmung: Computer-Vision-Systeme sind präzise, erzielen wiederholbare Ergebnisse und sind in der Lage, Wellenlängen, die für den Menschen unsichtbar sind, wahrzunehmen. Eine typische menschliche Fähigkeit dagegen ist es, visuelle Information mit einer Bedeutung zu versehen (z.B. den Inhalt eines Bildes interpretieren). Daher stellt sich die Frage wie die Zusammenarbeit für Mensch-Roboter-Teams gestaltet werden soll, um Wahrnehmungs-basierte Aufgaben (z.B. gemeinsam etwas aus Lego-Steinen zusammenbauen) zu erledigen. Es besteht daher ein Bedarf an "grounding" in der Mensch-Roboter-Kooperation (der Mensch erhält zusätzliche visuelle Information aus der Perspektive des Roboters). Um dies zu erreichen, müssen wir die Stärken der Menschen (z.B. Problemlösung, Bedeutungsbestimmung, und die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen) mit den Stärken der Robotik (z.B. omnivision Kameras, die Konsistenz der Messung, Speicherung von Wahrnehmungsdaten) kombinieren. Daher ist es das Ziel zu erforschen, wie Menschen in einer Zweiergruppe bei wahrnehmungsbasierten Aufgaben zusammenarbeiten und wie sie das nötige "grounding" erzielen. Die Ergebnisse aus den Studien von Zweiergruppen werden dann in einer adaptierten Weise auf Mensch-Roboter-Interaktionsszenarien übertragen und die Verhaltensweise des Roboters danach programmiert. Das Informationsdefizit zwischen menschlicher und maschineller Wahrnehmung wird überbrückt, indem der Mensch in identifizierten Momenten "durch die Augen des Roboters sieht", um den Erfolg in der Zusammenarbeit zu erhöhen. Danach werden Nutzer-Studien nach der Wizard-of-Oz-Technik (der Roboter agiert nicht autonom, sondern wird hinter den Kulissen von einem "Wizard" ferngesteuert) durchgeführt und im Hinblick auf die Zufriedenheit der Nutzer beurteilt werden. Die Ergebnisse der Studien werden folglich im Bezug auf Leistungs- und Qualitätskriterien (Usability, User Experience, und soziale Akzeptanz) verglichen, um ein Verständnis dessen zu erlangen, was zufriedenstellende Mensch-Roboter- Kooperation für den Nutzer ausmacht. Da es erste Erkenntnisse in der Mensch-Roboter-Interaktionsforschung gibt, dass zum Beispiel der kulturelle Hintergrund der Teilnehmer und die Gestalt des Roboters die Nutzer-Zufriedenheit von Mensch-Roboter-Kooperation beeinflussen kann, sollen schließlich Vergleichsstudien in den USA und in Japan durchgeführt werden, um diese Annahme im Zusammenhang mit wahrnehmungs-basierten Aufgaben zu überprüfen. Mit diesem Ansatz lässt sich systematisch erforschen, wie "grounding" in der Mensch-Roboter- Kooperation erreicht werden kann. Diese Forschung ist daher von großer Bedeutung für zukünftige Robotik- Vision-Projekte, in welchen Roboter wahrnehmungs-basierte Aufgaben gemeinsam mit Nutzern lösen sollen. Das Projekt verfolgt einen stark interdisziplinären Ansatz und vereint Aspekte der Forschung aus Soziologie, Informatik, Kognitionswissenschaft und Robotik.
Menschen sind bereit, einem Roboter in Not zu helfen, um die Zusammenarbeit mit ihm im Fluss zu halten. In ihrem Hertha-Firnberg-Projekt "Wahrnehmungsbasierte Mensch-Roboter Kooperation", untersuchte Astrid Weiss vom Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik (ACIN) der technischen Universität Wien, wie die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter verbessert werden kann. Auf den ersten Blick könnte man sich fragen, warum eine Maschine, die eigentlich dazu da sein sollte den Menschen zu unterstützen, diesen um Hilfe fragen sollte. Sollte es nicht genau umgekehrt sein? Ja, sollte es. Es ist jedoch noch ein langer Weg bis Serviceroboter autonom und fehlerfrei die Vielzahl von Haushaltsaufgaben ausführen können, die wir von ihnen erwarten. Wie jeder andere Dienstleister können auch Roboter Fehler produzieren, und es bedarf Recovery- Strategien, damit der Benutzer die Zusammenarbeit im Fluss halten kann. Wenn wir mit anderen Menschen zusammenarbeiten, können wir uns in ihre Lage versetzen. Wenn wir jedoch mit Robotern arbeiten, bleibt uns während der Zusammenarbeit der Systemstatus oftmals verborgen. Es ist eine der größten technologischen Herausforderungen, einen Serviceroboter autonom erkennen zu lassen, dass er sich in einer Fehlersituation befindet, die er nur mit Hilfe des Benutzers beheben kann (beispielsweise wenn der Roboter aufgrund eines Hindernisses stecken bleibt, das vom Menschen entfernt werden muss, damit er sich weiter bewegen kann). In diesem Projekt wurden zwei Studien zu menschlicher Zusammenarbeit durchgeführt, in welchen die Teilnehmer absichtlich mit unlösbaren Aufgaben konfrontiert wurden, um ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie Menschen solche Situationen bewältigen. In zwei anschließenden Studien haben zwei Menschen mit einem Roboter zusammengearbeitet, der vorprogrammierte Fehlersituationen erzeugte. Ziel war es zu untersuchen, wie Menschen darauf reagieren, und auf Basis der gewonnenen empirischen Daten einen Algorithmus zu implementieren, der es einem Roboter ermöglicht, in vergleichbaren Situationen autonom zu entscheiden, welchen Benutzer er um Hilfe bitten sollte. Schließlich sind Formen der Zusammenarbeit durch kulturelle Unterschiede geprägt. Daher wurde basierend auf den Ergebnissen der Vorstudien eine videobasierte Vergleichsstudie durchgeführt, um zu erforschen, ob japanische, amerikanische oder österreichische Teilnehmer unterschiedlich auf Hilfsanfragen reagieren. Die Ergebnisse zeigten, dass die japanischen Teilnehmer generell Schwierigkeiten mit dem Konzept hatten, dass der Mensch der Maschine helfen sollte; ihrer Vorstellung nach sollte die Maschine einwandfrei funktionieren oder spezialisierte Instandhalter sollten helfen. US amerikanische und österreichische Teilnehmer reagierten hingegen eher erwartungskonform: der letzte Benutzer, der einen Befehl gab oder derjenige, der einem Roboter in der Fehlersituation örtlich am nächsten war, sollte helfen. Zusammenfassend brachte uns die Forschung in diesem Hertha-Firnberg Projekt einen Schritt näher, in Zukunft autonome Serviceroboter in häuslichen Umgebungen zu haben. Jetzt wissen wir, dass Menschen prinzipiell bereit wären zu akzeptieren, dass ihre Roboter von Zeit zu Zeit ein wenig Hilfestellung brauchen, und wir können vorbeugende Maßnahmen in der Robotik in Betracht ziehen, die die aktive Beteiligung eines Benutzers berücksichtigen.
- Technische Universität Wien - 100%
- Pamela Hinds, Stanford University - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 555 Zitationen
- 26 Publikationen
-
2016
Titel Help, Anyone? A user study for modelling robotic behaviour to mitigate malfunctions with the help of the user. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Bajones M Konferenz AISB2016: Proceedings of the 5th International Symposium on New Frontiers in Human-Robot Interaction (2016) -
2016
Titel Service Robots for and with People: A User-centered Reflection on the Interdisciplinary Research Field of Human-Robot Interaction. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Weiss A Konferenz STS2015: Proceedings of the 15th annual conference on critical issues in Science, Technology, and Society Studies (2016) -
2015
Titel The 5-Step Plan: A holistic approach to investigate children's ideas on future robotic products. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Lammer L Konferenz HRI'15 Extended Abstracts, Mar 02-05 2015, Portland, OR, USA -
2015
Titel The uncanny valley phenomenon DOI 10.1075/is.16.2.07ros Typ Journal Article Autor Rosenthal-Von Der Pütten A Journal Interaction Studies. Social Behaviour and Communication in Biological and Artificial Systems Seiten 206-214 -
2015
Titel Meta Analysis of the Usage of the Godspeed Questionnaire Series DOI 10.1109/roman.2015.7333568 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Weiss A Seiten 381-388 -
2016
Titel Help, Anyone? A User Study For Modeling Robotic Behavior To Mitigate Malfunctions With The Help Of The User DOI 10.48550/arxiv.1606.02547 Typ Preprint Autor Bajones M -
2014
Titel Don't bother me DOI 10.1145/2559636.2563689 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Weiss A Seiten 320-321 -
2014
Titel Mutual Care: How older adults react when they should help their care robot. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Lammer L Konferenz AISB2014: Proceedings of the 3rd international symposium on New Frontiers in Human-Robot interaction (2014) -
2014
Titel Designing adaptive roles for socially assistive robots DOI 10.5898/jhri.3.2.huber Typ Journal Article Autor Huber A Journal Journal of Human-Robot Interaction Seiten 100-115 Link Publikation -
2014
Titel Towards a Robot for Supporting Older People to Stay Longer Independent at Home. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Gisinger C Et Al Konferenz ISR/Robotik 2014: Proceedings of the 41st International Symposium on Robotics (2014) -
2014
Titel Do Emotions Matter in the Ethics of Human-Robot Interaction? - Artificial Empathy and Companion Robots. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Baumgaertner B Konferenz AISB2014: Proceedings of the 3rd international symposium on New Frontiers in Human-Robot interaction (2014) -
2014
Titel Don't Bother Me: Users' Reactions to Different Robot Disturbing Behaviours. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Mayer P Et Al Konferenz HRI '14: Proceedings of the 9th ACM/IEEE International Conference on Human Robot Interaction (2014) -
2014
Titel Designing a Service Robot for Public Space: An "Action and Experiences" - Approach. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Moritsch S Et Al Konferenz HRI '14: Proceedings of the 9th ACM/IEEE International Conference on Human Robot Interaction (2014) -
2014
Titel Hobbit, a care robot supporting independent living at home: First prototype and lessons learned. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Fischinger D Konferenz Robotics and Autonomous Systems, (2014) -
2014
Titel On the Discrepancy between Present Service Robots and Older Persons' Needs. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Gatterer G Et Al Konferenz Workshop position paper at New frontiers of service robotics for the elderly, at RO-MAN2014 conference (2014) -
2014
Titel Towards more Flexible HRI: How to Adapt to the User? Typ Conference Proceeding Abstract Autor Bajones M Konferenz Workshop position paper at Cognitive Architectures for Human-Robot Interaction, at HRI2014 conference (2014) -
2014
Titel I Trained this Robot: The Impact of Pre-Experience and Execution Behavior on Robot Teachers**We greatly acknowledge the financial support by the Federal Ministry of Economy, Family and Youth and the National Foundation for Research, Technology and De DOI 10.1109/roman.2014.6926388 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Stadler S Seiten 1030-1036 Link Publikation -
2014
Titel Designing a service robot for public space DOI 10.1145/2559636.2559791 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Weiss A Seiten 318-319 -
2014
Titel Roboter-Unterstützung zu Hause-Das Projekt HOBBIT (Robotic Support at home-The HOBBIT project). Typ Conference Proceeding Abstract Autor Fischinger D Et Al Konferenz Proceedings of 7th German AAL Congress, Berlin, Germany (2014) -
2014
Titel Exploring Joint Action for Alternative Finding: Proposal of a Human-Human Study to Inform Human-Robot Collaboration. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Vincze M Konferenz Workshop position paper at Fja2014: Towards a Framework for Joint Action, at RO-MAN2014 conference (2014) -
2016
Titel Hobbit, a care robot supporting independent living at home: First prototype and lessons learned DOI 10.1016/j.robot.2014.09.029 Typ Journal Article Autor Fischinger D Journal Robotics and Autonomous Systems Seiten 60-78 -
2015
Titel Synchrony and Reciprocity: Key Mechanisms for Social Companion Robots in Therapy and Care DOI 10.1007/s12369-015-0325-8 Typ Journal Article Autor Lorenz T Journal International Journal of Social Robotics Seiten 125-143 -
2015
Titel The 5-Step Plan DOI 10.1145/2701973.2702005 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Lammer L Seiten 69-70 -
2013
Titel HOBBIT - The Mutual Care Robot. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Fischinger D Konferenz Workshop position paper at ASROB-2013, at IROS2013 conference (2013) -
2013
Titel A Pilot Study on Eye-tracking in 3D Search Tasks. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Pirri F Et Al Konferenz Bielefeld, 2013 -
2015
Titel The 5-Step Plan DOI 10.1007/978-3-319-22668-2_43 Typ Book Chapter Autor Lammer L Verlag Springer Nature Seiten 557-564 Link Publikation