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Erinnerungen verorten: Ältere Arbeitsmigranten in Wien

Placing Memories: Ageing Labour Migrants in Vienna

Monika Palmberger (ORCID: 0000-0002-0280-3769)
  • Grant-DOI 10.55776/T702
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.08.2015
  • Projektende 31.07.2018
  • Bewilligungssumme 223.500 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (20%); Soziologie (80%)

Keywords

    Memory Places, Ageing Labour Migrants, Memory And Migration, Migration Vienna

Abstract Endbericht

Viele der sogenannten Gastarbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei, die in den 1960ern und 1970ern nach Österreich kamen, sind im Land geblieben und stellen heute einen wesentlichen Teil der österreichischen älteren Bevölkerung dar. In Wien, wo sich die Mehrheit der Arbeitsmigranten und -migrantinnen niederließ, ist fast jeder dritte über 55-Jährige außerhalb Österreichs geboren. Auch wenn diese ehemaligen Gastarbeiter Österreich und im speziellen Wien seit mehr als einem halben Jahrhundert signifikant geprägt haben, werden ihre Geschichten und ihre zentrale Bedeutung für Nachkriegs-Österreich kaum erfasst und erinnert (in Museen oder in Form von Gedenktafeln, Straßennamen etc.). Sie bilden auch keinen integralen Teil des nationalen kollektiven Gedächtnisses. Die vorliegende Arbeit erforscht und analysiert noch weitgehend unentdecke Erinnerungsorte der älteren Arbeitsmigranten in Wien, wobei drei Fragen im Mittelpunkt stehen: Wie werden die Geschichten der Arbeitsmigranten und Arbeitsmigrantinnen außerhalb der nationalen Erinnerungskultur erinnert? Welche Orte dienen älteren Migranten als Erinnerungsorte/-räume, wenn sie sich zu ihrer multilokalen Vergangenheit positionieren und sich in Wien lokalisieren? Welche Bedeutung haben Erinnerungsorte als Erinnerungsinstrumente im Kontext von Migration und Multilokalität und inwiefern stärken sie transnationale Identitäten? Erinnerungsorte wurden bisher fast ausschließlich in einem nationalen Rahmen untersucht und nicht im Zusammenhang von Migration und Multilokalität. Mit der systematischen Untersuchung der Verflechtung von Erinnerung,Migration und(Erinnerungs-)Orten, am Beispiel älterer Arbeitsmigranten in Wien wird eine bestehende Forschungslücke geschlossen. Der methodische Zugang, basierend auf einem qualitativen Methodenmix, ist innovativ und verbindet einen narrativen mit einem sozialräumlichen Ansatz. Um die transnationale Dimension der Erinnerungspraktiken in ihrem vollen Ausmaß zu beleuchten, wird eine mobile Ethnographie angestrebt, die es ermöglicht einige Schlüsselinformanten in ihr Herkunftsland zu begleiten. Diese Studie trägt wesentlich zur Wissenserweiterung in den interdisziplinären Forschungsfeldern Migrationsforschung, Gedächtnis- und Erinnerungsforschung bei und leistet einen wichtigen Beitrag zur Anthropologie des Alterns. Darüberhinaus bietet sie politischen Entscheidungsträgern eine neue Perspektive auf ältere Arbeitsmigranten, die beitragen kann, die gängige Beschreibung dieser Gruppe als soziales Problem abzulösen. Außerdem trägt diese Forschung dazu bei, die Geschichte der Arbeitsmigration nach Österreich und die Erinnerungen der älteren Arbeitsmigranten der Mehrheitsbevölkerung näher zu bringen.

Viele der sogenannten GastarbeiterInnen aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei, die in den 1960ern und 1970ern nach Österreich kamen, sind im Land geblieben und stellen heute einen wesentlichen Teil der älteren Bevölkerung Österreichs dar. Auch wenn diese ehemaligen GastarbeiterInnen Österreich und im speziellen Wien seit mehr als einem halben Jahrhundert signifikant prägen, werden ihre Geschichten und ihre zentrale Bedeutung für Nachkriegs-Österreich kaum erfasst und erinnert. Sie bilden keinen integralen Teil des nationalen kollektiven Gedächtnisses. Zwischen 2015 und 2018 erforschte und analysierte die Studie Erinnerungen verorten zentrale Erinnerungsorte dieser älteren ArbeitsmigrantInnen in Wien. Dafür wurde ein innovativer qualitativer Methodenmix gewählt, welcher einen narrativen mit einem sozialräumlichen Ansatz verband. Im Zentrum standen narrative Interviews und Erinnerungsspaziergänge, die mit verschiedenen visuellen Methoden verbunden wurden. Zentrale Erkenntnisse, die aus dem Projekt hervorgehen zeigen, dass Erinnerung und Place-making (im Sinne von Raumaneignung) zwei eng miteinander verbundene Praktiken sind. Erinnerungen sind an bestimmte Räume gebunden. Durch die Verknüpfung von Orten mit bestimmten Erinnerungen erschließen sich MigrantInnen die Stadt. Die sogenannten GastarbeiterInnen haben einen wesentlichen Beitrag zum physischen Aufbau der Stadt geleistet. Aber die Stadtaneignung geschah und geschieht nicht nur durch diese physische Errichtung bestimmter Orte. Wie aus meiner Forschung deutlich hervorgeht, baut Raumaneignung auf Erinnerung auf und stellt so Kontinuitäten her. Orte fungieren als Brücken um die multilokale Vergangenheit einzufangen. Allerdings ist Place-making nicht nur ein auf die Vergangenheit aufbauender Prozess, er ist (im Sinne von Home-making) auch zukunftsorientiert. Außerdem zeigt meine Forschung, dass die räumliche Identität (spatial identity) an bestimmte Lebensphasen geknüpft ist. Erinnerungsorte wurden bisher fast ausschließlich in einem nationalen Rahmen untersucht und nicht im Zusammenhang von Migration und Multilokalität. Mit der systematischen Untersuchung der Verflechtung von Erinnerung, Migration und (Erinnerungs-)Orten, konnte am Beispiel älterer ArbeitsmigrantInnen in Wien eine bestehende Forschungslücke geschlossen werden. Diese Studie trägt wesentlich zur Wissenserweiterungin deninterdisziplinärenForschungsfeldern Migrationsforschung, Gedächtnis- und Erinnerungsforschung bei und leistet einen wichtigen Beitrag zur Anthropologie des Alterns.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Steven Vertovec, Max-Planck-Gesellschaft - Deutschland
  • Brenda S.A. Yeoh, National University of Singapore - Singapur
  • Nancy Foner, City University of New York - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Katy Gardner, London School of Economics and Political Science - Vereinigtes Königreich
  • Mette Louise Berg, University College London - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 112 Zitationen
  • 3 Publikationen
Publikationen
  • 2016
    Titel Social ties and embeddedness in old age: older Turkish labour migrants in Vienna
    DOI 10.1080/1369183x.2016.1238907
    Typ Journal Article
    Autor Palmberger M
    Journal Journal of Ethnic and Migration Studies
    Seiten 235-249
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Introduction: Memories on the Move—Experiencing Mobility, Rethinking the Past
    DOI 10.1057/978-1-137-57549-4_1
    Typ Book Chapter
    Autor Tošic J
    Verlag Springer Nature
    Seiten 1-16
  • 2016
    Titel How Generations Remember, Conflicting Histories and Shared Memories in Post-War Bosnia and Herzegovina
    DOI 10.1057/978-1-137-45063-0
    Typ Book
    Autor Palmberger M
    Verlag Springer Nature
    Link Publikation

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