Multidimensaionale Ungleichheit: eine ökonometrische Analyse
Analyzing intersectional inequality with microeconometrics
Wissenschaftsdisziplinen
Soziologie (40%); Wirtschaftswissenschaften (60%)
Keywords
-
Inequality,
Applied Microeconometrics,
Intersectionality,
Labor economics,
Economic Policy,
Social economy
Multidimensionale Ungleichheit: eine ökonometrische Analyse ist ein Forschungsprojekt bestehend aus vier Artikeln, die in akademischen Fachzeitschriften publiziert werden sollen. Jeder einzelne der vier Beiträge wendet state-of-the-art Methoden aus der Mikroökonometrie an um verschiedene Aspekte sozialer und ökonomischer Ungleichheit zu untersuchen. Eine zentrale Innovation des Forschungsprojekts besteht darin, dass die Ungleichheit jeweils multidimensional, entlang verschiedener Aspekte der Identität analysiert wird. Das bedeutet, dass diese Forschung über die klassischen dichotomen Analysen wie etwa Männer versus Frauen, Migrant versus Nicht-Migrant hinausgeht und sich mit multidimensionalen Interaktionen dieser identitätsstiftenden Merkmale beschäftigt. Das Konzept der Intersektionalität aus der feministischen Theorie beschreibt diesen Ansatz. Menschen mit verschiedenen Charakteristika (etwa Männer vs. Frauen) erleben auch andere Elemente ihrer Identität (Migrationshintergrund) unterschiedlich beziehungsweise wirken sich diese unterschiedlich auf sie aus. Um die sozialen und ökonomischen Bedingungen einer Frau mit Migrationshintergrund zu verstehen reicht es eben nicht aus Effekte auf Frauen und Effekte auf MigrantInnen einfach zu kombinieren. Je mehr unterschiedliche Charakteristika betrachtet werden, desto komplexer wird dieses Problem. Aktuelle mikroökonometrische Methoden erlauben diese komplexen multidimensionalen Interaktionen zu analysieren. Alle vier Artikel kombinieren Theorien der Intersektionalität mit state-of-the-art Methoden der Mikroökonometrie die auf international anerkannte Mikrodatensätze wie etwa den European Union Statistics on Income and Living Conditions (EU-SILC) oder den European Social Survey (ESS) angewendet werden. Der erste Artikel beschäftigt sich mit intergenerationeller Persistenz von Bildung, die in Bezug auf den multidimensionalen Einfluss von Geschlecht und Migration in 20 europäischen Ländern untersucht wird. Die Tatsache, dass diese Studie einen derart umfassenden Ländervergleich liefert ist insbesondere für entsprechende Politikberatung zur Erhöhung der Chancengleichheit von großer Bedeutung. Der zweite Artikel verwendet ähnliche ökonometrische Methoden um der Frage nachzugehen warum homosexuelle Personen im Durchschnitt höhere Bildungsabschlüsse aufweisen als heterosexuelle Personen einem ungelösten Rätsel in der ökonomischen Analyse der sexuellen Orientierung. Entlang der multidimensionalen Bedeutung von Elternbildung und Geschlecht wird analysiert ob bei homosexuellen Frauen und Männern höhere Mobilität, also stärkere Selbstselektion zur höheren Bildung vorliegt um sich etwa vor erwarteter Diskriminierung besser abzusichern oder ob bei gleicher oder niedriger Mobilität bereits höhere Elternbildung vorliegt, was die Selbstselektionsthese verwerfen würde. Der dritte Artikel verwendet Ansätze aus der rezenten mikroökonometrischen Literatur zur Policy Evaluation um den kausalen Effekt der vorschulischen Bildung auf das später erreichte Bildungsniveau zu messen. Obwohl es bekannt ist, dass gerade der vorschulische Bildungsbereich entscheidend für den Bildungserfolg ist, gibt es bis heute noch relativ wenige Schätzungen für den quantitativen Effekt und keine für Österreich. Der vierte Artikel verwendet aktuelle mikroökonometrsiche Methoden des Matchings um die unterschiedliche Bedeutung der Mutterschaft für die Einkommen bei homo- und heterosexuellen Frauen anhand eines umfassenden Mikrodatensatzes aus den USA zu untersuchen. Er beleuchtet nicht nur den Effekt auf den Mittelwert sondern auf die gesamte Einkommensverteilung und erlaubt eine viel genauere Analyse dieser Zusammenhänge als in der bisherigen Literatur zum bekannten motherhood-wage-penalty.
Das Projekt Multidimensionale Ungleichheit: eine ökonometrische Analyse zeigt, dass Menschen in verschiedenen Aspekten des Wirtschaftslebens mit Ungleichheiten konfrontiert sind, die von einer Vielzahl an Dimensionen ihrer Identität ausgehen. Das Projekt untersuchte, wie Elemente der Identität, wie Geschlecht, Wohnort, Migrationshintergrund, Familienstand und sexuelle Orientierung miteinander interagieren, und somit Bildungsergebnisse und Löhne einer Person bestimmen. Während Personen einer Gruppe in einem Bereich des Wirtschaftslebens relativ erfolgreich sein können, können andere in einer zweiten Gruppe, die der ersten in nur einer Dimension ähnlich ist, weniger erfolgreich sein. Das Projekt zeigt somit, wie vielschichtig Identität ausgestaltet ist: Jede Gruppe umfasst mehrere Subgruppen, die als Entitäten mit ihren eigenen spezifischen Erfahrungen untersucht werden müssen. Eine Studie des Projekts zeigte, dass ImmigrantInnen der zweiten Generation in ganz Europa häufiger als die Kinder von einheimischen Eltern mehr Bildung haben als ihre Eltern, allerdings unterscheidet sich dieses Ergebnis signifikant in den einzelnen Ländern. Die Mobilitätslücke zwischen MigrantInnen der zweiten Generation und Einheimischen ist in Großbritannien am höchsten und in einigen osteuropäischen Ländern sogar negativ. Eine zweite Studie zeigte, dass alle Gruppen in Österreich davon profitieren, als Kind den Kindergarten besucht zu haben. Diejenigen, die als Kinder in den Kindergarten gingen, haben als Erwachsene höhere Löhne, mehr Bildungsjahre und eine höhere Abschlussquote im tertiären Bildungsbereich. Allerdings profitieren einige Gruppen mehr vom Besuch des Kindergartens als andere. ImmigrantInnen der zweiten Generation und Kinder von weniger gebildeten Eltern profitieren am meisten. Männer erfahren die größten Erträge des Vorschulbesuchs hinsichtlich ihrer Löhne, während Frauen hauptsächlich bezüglich ihres Bildungsniveaus profitieren. Die dritte Studie des Projekts zeigte, dass sowohl Lesben als auch Schwule ein höheres Bildungsniveau haben als Heterosexuelle des gleichen Geschlechts, die Gründe dafür sind jedoch von Geschlecht zu Geschlecht verschieden. Schwule und Lesben scheinen sich beide für mehr Bildung zu entscheiden, da mehr Bildung Zugang zu Jobs mit toleranteren ArbeitskollegInnen eröffnet; aufgrund von Erwartungen über das spätere Haushaltseinkommen investieren allerdings nur Lesben mehr in ihre eigene Ausbildung. Abschließend analysierte die vierte Studie des Projekts die Lohnlücke nach sexueller Orientierung und Familienstand. Lesben verdienen mehr als heterosexuelle Frauen, während Schwule weniger verdienen als heterosexuelle Männer, diese Ergebnisse unterscheiden sich jedoch nach Familienstand. Die Lohnbenachteiligung für Schwule ist für die Gruppe der verheirateten homosexuellen Männer größer als für die Gruppe der unverheirateten, während die Lohnprämie für Lesben für die verheiratete Gruppe geringer ist. Insgesamt deuten die Ergebnisse des Projekts darauf hin, dass wirtschafts- und sozialpolitische Maßnahmen, die versuchen eine bestimmten Gruppe (z.B. Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund) zu unterstützen, spezifischer ausgestaltet sein sollten, angesichts der Tatsache, dass nicht alle Menschen innerhalb einer breiten Gruppe ähnliche Erfahrungen haben, da sie alle einer Vielzahl an kleineren Subgruppen angehören.
- Wirtschaftsuniversität Wien - 100%
- Samuel Bowles, Santa Fe Institute - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 94 Zitationen
- 3 Publikationen
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2022
Titel Novel App knock-in mouse model shows key features of amyloid pathology and reveals profound metabolic dysregulation of microglia DOI 10.1186/s13024-022-00547-7 Typ Journal Article Autor Xia D Journal Molecular Neurodegeneration Seiten 41 Link Publikation -
2014
Titel Subsequences of automatic sequences and uniform distribution DOI 10.1515/9783110317930.87 Typ Book Chapter Autor Drmota M Verlag De Gruyter Seiten 87-104 Link Publikation -
2016
Titel Catching up? The educational mobility of migrants’ and natives’ children in Europe DOI 10.1080/00036846.2016.1267843 Typ Journal Article Autor Oberdabernig D Journal Applied Economics Seiten 3701-3728 Link Publikation