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Erzählte Geschichte im Bild

History told by Visual Narratives

Barbara Zimmermann (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/T78
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 03.01.2001
  • Projektende 31.01.2003
  • Bewilligungssumme 144.328 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (80%); Philosophie, Ethik, Religion (20%)

Keywords

    LATE ANTIQUITY (SPÄTANTIKE), REPRESENTATIVE MODE (DARSTELLUNGSWEISE), NARRATIVITY (NARRATIVITÄT), INTENTION OF MEANING (AUSSAGEINTENTION), HISTORICITY (HISTORIZITÄT)

Abstract Endbericht

Hertha-Firnberg-Stelle T 78Erzählte Geschichte im BildBarbara ZIMMERMANN27.06.2000 Der traditionelle ikonographische Zugang zu einem Kunstwerk wird über einen beschreibenden Interpretationsprozeß eröffnet. Bei der Analyse eines Monuments ist diese Vorgehensweise ein notwendiger erster Schritt; sie läßt jedoch wichtige Aspekte unberücksichtigt, die unterschiedliche Kommunikationsbedeutungen von Darstellungen betreffen. An diese Bildebenen wird man sich bei der Behandlung von Bilderzählungen nur über eine Analyse der Darstellungsweise annähern können. Im geplanten Forschungsvorhaben soll untersucht werden, ob die Wahl der narrativen Darstellungsweise in römischen und spätantiken Kunstwerken als Bedeutungsträger zu werten ist Entgegen der Forschungstendenz der letzten Jahrzehnte, Methoden aus anderen Wissenschaftsgebieten wie der Philologie oder der linguistischen Narrativitätstheorie zu entlehnen, wird ein Zugang über kunstwissenschaftliche Methoden gesucht. Gibt es bildimmanente formale Kriterien, die auf die Historizität von dargestellten Ereignissen hinweisen, bzw. kann man einen bildlichen `Chronikstil` fassen? So wie bestimmte Themen durch Figurentypen, Versatzelemente, Motive, Bildchiffren und Pictogramme ins Bild gesetzt werden, die v.a. in der spätantiken Kunst frei kombinierbar sind, so sollen auch formale Bildkriterien festgemacht werden, die einen fortlaufenden Erzählstil ausmachen. Als These sei vorangestellt, daß die Wahl eines bestimmten Modus der Bilderzählung ganz bewußt eingesetzt wurde, nämlich um `historische Wahrheit` zu vermitteln. Welche historischen Ereignisse werden in Erzählform welchem Publikum vorgetragen? Inwieweit ist der Begriff der `historischen Wahrheit` an Kunstwerken abzulesen? Ändert sich dieser durch den tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel in der Spätantike und wenn ja, in welcher Weise? Eine Begriffsklärung bzw. Definition der narrativen Darstellungsweise in Hinblick auf die Fragestellung ist Ausgangspunkt für die Untersuchung, denn Zyklen, die ausgewählte Momente einer Geschichte aneinanderreihen, bzw. Einzelszenen narrativen Inhalts scheinen ein anderes Kommunikationsziel zu verfolgen als kontinuierende Bildergeschichten. Unter diesem Aspekt werden sowohl kaiserzeitliche wie auch spätantike Monumente analysiert.

Das Projekt ging - in Tradition der römischen Kunstarchäologie, die sich mit dem Bild als Botschaftsträger auseinandersetzt - der Frage nach, ob die narrative d.h. erzählende Darstellungsweise in Kunstwerken der römischen Kaiserzeit und der Spätantike als Bedeutungsträger gewertet werden kann, ob ein bestimmter Darstellungsmodus zur Vermittlung "historischer Wahrheiten" bewusst eingesetzt wird, und ob sich schließlich der Umgang mit der Historizität dargestellter Ereignisse mit dem tiefgehenden gesellschaftlichen Veränderungen in der Spätantike geändert hat. Zu erwarten war, dass diese Bildkriterien bzw. Kompositionsmittel gesetzmäßig angewandt wurden, um eine bestimmte Aussageintention zu verbildlichen, d.h. dass es ein Art "Chronikstil" gab. Um zu einem schlüssigen Gesamtbild zu gelangen wurden einzelne Kunstwerke unter dem Blickwinkel der Fragestellung analysiert. V.a. die Diskussion um die Vorlagen narrativer Darstellungen und ihre vermeintliche Herkunft aus der Buchillustration wurde hinterfragt, was zu dem Ergebnis führte, dass sich kontinuierende - d.h. fortlaufende Bilderzählungen - nie mit literarischen Volltexten verbinden, sondern ausschließlich paraphrasierte Texte, sprich im Sinne des Erzählflusses stark gekürzte Texte begleiten. In der römischen Kunst der Kaiserzeit gibt es eine große Gruppe von Staatsreliefs, die unter dem Begriff historische Reliefs` zusammengefasst werden. Als Werke offizieller Staatskunst zeigen sie meist repräsentative, zeremonielle Vorgänge, in welche der jeweils herrschende Kaiser involviert ist. Ihre Bildsprache ist über Jahrhunderte statisch, wodurch das Verständnis der Szenen und ihrer politischen Aussagen durch den antiken Betrachter garantiert war. Man meinte daher, dass es in der offiziellen Kunst der römischen Kaiserzeit nur im geringen Maße um die Aufzeichnung historischer Realitäten ginge, sondern v.a. um den Ausdruck gedanklicher Wertvorstellungen. Auch die berühmte Trajanssäule mit der fortlaufenden Bilderzählung der Dakerkriege wurde dahingehend interpretiert. Doch sind ihre standardisierten Szenen weit vom chiffrenhaften Charakter ähnlicher Szenen auf besagten Reliefs oder Münzen entfernt: sie sind durch topografische Angaben in einen konkret definierten Raum gestellt, die Kontinuität der Erzählung, der chronologische Fortschritt der Ereignisse wird durch die Änderung des Raumes erreicht, in welchem der immer wiederkehrende Protagonist Trajan agiert. Die unglaubliche Fülle an beschreibenden Details betont noch einmal mehr den dokumentarischen `realen` Charakter der Erzählung. Im Vergleich mit erhaltenen Buchillustrationen kann man annehmen, dass die Reliefs der Trajanssäule auf einem illustrierten paraphrasierten Kriegskommentar beruhen. Dies widerspricht nicht der Auffassung, dass die Trajanssäule ein politisches Programm unter ideologischen Gesichtspunkten ins Bild setzt. Die ideologische Botschaft der Trajanssäule versteckt sich hinter dem Eindruck eines authentischen Berichtes. So kann man fragen, in welchem Maße und wie antike, aber auch aktuelle Bilder an der Konstituierung von kollektiven Wahrnehmungen bzw. Vorstellungen und in der Folge an kulturellen Entwicklungsprozessen beteiligt sind. Die Bilderflut unseres Medienzeitalters ist einer der Hauptträger der Konstruktion von Wirklichkeit im Sinne einer kollektiven symbolischen Sinn- und Lebenswelt. Auch der Mensch in der Antike war ständig mit Bildern konfrontiert. Durch ihre Allpräsenz in unterschiedlichen Medien trugen sie bei, kollektive Vorstellungen von Wirklichkeit zu vermitteln. Die Visualisierung aktueller politischer Ereignisse, insbesondere die Kriegsberichterstattung in Bildern hat(te) gesellschaftsprägenden Charakter. Mit anderen Medien aber durch `reale` Bilder wurde damals wie heute die Illusion einer objektiven Berichterstattung vermittelt. In den modernen Medien wird diese durch fotografische bzw. filmische Abbildung der Realität erreicht; in der Antike ist die kontinuierende Darstellungsweise mit der Situierung der Ereignisse in Raum und Zeit ihr Träger. Die in diesen `objektiven Berichten` implizierten ideologischen Botschaften waren und sind Teil der gesellschaftlichen Wirklichkeitskonstruktion.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Fritz Krinzinger, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in

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