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Benthische Ökosystem Funktionen arktischer Schelfs, Hänge und Tiefseebecken

Benthic Ecosystem Functioning across Arctic Shelves, Slopes and Basins

Renate Degen (ORCID: 0000-0001-7380-9378)
  • Grant-DOI 10.55776/T801
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2016
  • Projektende 28.02.2019
  • Bewilligungssumme 226.530 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Arctic Ocean, Macrozoobenthos, Ecosystem Functioning, BTA, Climate Change

Abstract Endbericht

Arktische Schelfs wie die südliche Chukchi See, das Bering Schelf und die Barentssee gehören zu den produktivsten Ozeangebieten der Welt. Die hohe Biomasse und Vielfalt benthischer Lebewesen, also der Organismen die mit dem Meeresboden assoziiert sind, spielt hierbei eine besondere Rolle. Durch sie wird eine Vielzahl an Konsumenten in den oberen Ebenen des marinen Nahrungsnetzes aufrechterhalten, die von kommerziell genutzten Fischbeständen bis hin zu Meeressäugern reicht. Der Motor dieses produktiven Systems ist die mit der saisonal wandernden Eisgrenze verknüpfte Phytoplanktonblüte. Heute verkleinert sich die arktische Eiskappe jedoch in einer noch nie dagewesenen Geschwindigkeit, und ein im Sommer eisfreier arktischer Ozean wird bereits vor Mitte dieses Jahrhunderts vorhergesagt. Da das Meereis die Primärproduktion reguliert und somit den zentralen Faktor im arktischen Ozean darstellt, wird ein Rückgang in der arktischen Eisbedeckung das gesamte arktische Ökosystem beeinflussen. Auf Basis unseres derzeitigen Wissenstandes sind wir noch nicht in der Lage, Änderungen in Ökosystemleistungen und Funktionen zuverlässig vorherzusagen. Ein Grund dafür ist der Mangel an Basisdaten über die Muster von benthischen Gemeinschaften, zu denen Veränderungen in Bezug gesetzt werden könnten. Obwohl in den letzten Jahren einige Informationen über die strukturelle Variabilität des Benthos gesammelt wurden, fehlen Informationen über die funktionelle Variabilität noch fast zur Gänze. Dieses Projekt setzt sich zum Ziel diese Wissenslücken mittels eines integrativen, pan-arktischen Ansatzes zu füllen. Die erste Projektphase umfasst die Konsolidierung aller erhältlichen Daten über arktisches Makrobenthos (>1 mm) und Megabenhos (>2 cm) in einer Datenbank. Aufbauend auf dieser ersten Datensammlung wird eine Datenbank der Merkmale und Funktionen aller inkludierten Arten erstellt, welche Informationen über Entwicklung, Morphologie und Verhalten enthält. Diese MerkmalsDatenbank wird in Form eines dynamischen Werkzeugs gestaltet sein, auf das ausgewiesene Experten zugreifen können und das in weiterer Folge mit anderen arktisch spezifischen Plattformen vernetzt werden soll (e.g. PANABIO, WoRMS). Die zweite Projektphase ist der Auswertung der gesammelten Daten mittels einer biologischen Merkmalsanalyse (BTA, aus dem Englischen biological trait analysis) gewidmet. Dieses Verfahren ist geeignet, ökologische Funktionen benthischer Gemeinschaften zu beschreiben, sowie aus Umweltveränderungen resultierende Funktionsänderungen aufzuzeigen. Degen (2015) wendete diesen Ansatz erstmals an Datensätzen aus der arktischen Tiefsee an, und konnte feststellen, dass seit den 1990er Jahren bereits funktionelle Veränderungen stattgefunden haben. Die grundlegenden Ziele dieses Projektes sind i) die Funktionsanalyse von benthischen Gemeinschaften arktischer Schelfs, Hänge und Tiefseebecken sowie entlang eines Schelf-Hang-Becken Gradienten in der eurasischen und der amerasischen Arktis, ii) die Identifikation von benthischen Funktionen und geographischen Regionen die am anfälligsten für Veränderungen sind, sowie iii) die Vorhersage benthischer Funktionen in einem zukünftigen, saisonal eisfreien arktischen Ozean.

Eine umfassende ökologische Merkmalsdatenbank für den arktischen Meeresboden verbessert unseren Einblick in dieses faszinierende Ökosystem und die rapiden Veränderungen denen es unterworfen ist. Arktische Schelfmeere wie die Tschuktschen See, das nördliche Bering Meer und die Barentssee gehören zu den von mariner Bodenfauna am dichtest besiedelten Ozeangebieten der Welt. Die Dichte und Vielfalt des Bodenlebens ernährt eine Vielzahl an Konsumenten in den oberen Ebenen des marinen Nahrungsnetzes, von kommerziell genutzten Fischbeständen bis hin zu den großen Meeressäugern wie Walross und Grauwal. Doch dieses Nahrungsnetz verändert sich rapide. Die Arktis erwärmt sich im Vergleich zum globalen Durchschnitt doppelt so schnell, und ein eisfreier arktischer Ozean im Sommer wird bereits Mitte dieses Jahrhunderts vorhergesagt. Bisher war es uns noch nicht möglich, diese ökologischen Entwicklungen in einem Maß zur erfassen, das die Vorhersage von sich ändernden Ökosystemfunktionen und Leistungen gestatten würde. Ein Grund dafür war der Mangel an ökologischen Basisdaten, zu denen die aktuellen (oder in Modellen prognostizierten) Veränderungen in Bezug gesetzt werden können. Unser Projekt konnte diese Wissenslücke für eine wichtige Komponente des arktischen Nahrungsnetzes, die marinen Bodenlebewesen (Zoobenthos), schließen. Im ersten Arbeitsschritt wurde in Kooperation mit internationalen Expertinnen und Experten ein Datensatz von an die 1000 Probenstationen und den zugehörigen Metadaten erstellt, der weite Teile der pazifischen und atlantischen Seite des arktischen Ozeans abdeckt. Im nächsten Schritt wurden über Literaturrecherche und Kommunikation mit Expertinnen und Experten umfassende ökologische Informationen über alle an diesen Stationen verzeichneten Tierarten gesammelt. Um diese Fülle an ökologischen Informationen der wissenschaftlichen Gemeinschaft zugänglich zu machen, wurde eine interaktive, web-basierte Datenbank entwickelt (The Arctic Traits Database: www.univie.ac.at/arctictraits). Diese Datenbank ermöglicht nicht nur den raschen Download der ökologischen Informationen, sondern auch den interaktiven Austausch zwischen den Nutzern. Ein weiteres besonderes Feature ist die Konvertierung der ökologischen Informationen in ein Code-System. Diese Codes können ebenfalls heruntergeladen und direkt in statistische Software importiert und zu Analysezwecken herangezogen werden. Um auch anderen Arbeitsgruppen oder Fachbereichen den Aufbau einer vergleichbaren Datenbank zu erleichtern, wurde der zugrundeliegende Code der Datenbank ebenfalls veröffentlicht und mit hilfreichen Instruktionen ergänzt. Im dritten Arbeitsschritt wurde der Stationsdatensatz mit dem ökologischen Datensatz kombiniert und mittels der ökologischer Merkmalsanalyse ausgewertet. So können wir in Erfahrung bringen in wie weit sich die ökologischen Muster zwischen dem pazifischen und dem atlantischen Teil der Arktis, oder zwischen seichteren und tieferen Meeresregionen unterscheiden. Weiters können wir herausfinden, welche Regionen besonders robust oder anfällig gegenüber den derzeitigen (oder prognostizierten) Veränderungen sind. Dieser letzte Arbeitsschritt ist zur Zeit noch nicht zur Gänze abgeschlossen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Dieter Piepenburg, Alfred Wegener Institute - Deutschland
  • Tom Brey, Alfred Wegener Institute - Deutschland
  • Lis Lindal Jorgensen, Institute of Marine Research - Norwegen

Research Output

  • 318 Zitationen
  • 6 Publikationen
  • 1 Datasets & Models
  • 1 Software
  • 5 Disseminationen
  • 1 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2021
    Titel Functional Pattern of Benthic Epifauna in the Chukchi Borderland, Arctic Deep Sea
    DOI 10.3389/fmars.2021.609956
    Typ Journal Article
    Autor Zhulay I
    Journal Frontiers in Marine Science
    Seiten 609956
    Link Publikation
  • 2019
    Titel The Natural History of the Crustacea, Volume 5: Life Histories G. A. Wellborn M. Thiel (Eds) Oxford: Oxford University Press, 2018. 438 pp. ISBN 9780190620271. Hardback: UK£115.
    DOI 10.1111/maec.12536
    Typ Journal Article
    Autor Degen R
    Journal Marine Ecology
  • 2019
    Titel The Arctic Traits Database – a repository of Arctic benthic invertebrate traits
    DOI 10.5194/essd-11-301-2019
    Typ Journal Article
    Autor Degen R
    Journal Earth System Science Data
    Seiten 301-322
    Link Publikation
  • 2018
    Titel The Arctic Traits Database – A repository of arctic benthic invertebrate traits
    DOI 10.5194/essd-2018-97
    Typ Preprint
    Autor Degen R
    Seiten 1-25
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Trait-based approaches in rapidly changing ecosystems: A roadmap to the future polar oceans
    DOI 10.1016/j.ecolind.2018.04.050
    Typ Journal Article
    Autor Degen R
    Journal Ecological Indicators
    Seiten 722-736
    Link Publikation
  • 2017
    Titel A risk-based approach to cumulative effect assessments for marine management
    DOI 10.1016/j.scitotenv.2017.08.289
    Typ Journal Article
    Autor Stelzenmüller V
    Journal Science of The Total Environment
    Seiten 1132-1140
    Link Publikation
Datasets & Models
  • 2018 Link
    Titel Arctic Traits Database
    DOI 10.25365/phaidra.49
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Software
  • 2019 Link
    Titel Code for a web-based biological traits database
    DOI 10.6084/m9.figshare.7491869
    Link Link
Disseminationen
  • 2012 Link
    Titel Ö1 - climate change
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2012
    Titel Talk at NHM
    Typ A talk or presentation
  • 2019 Link
    Titel Blog
    Typ Engagement focused website, blog or social media channel
    Link Link
  • 2018 Link
    Titel STANDARD article
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2018 Link
    Titel Ö1 penguins
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
Weitere Förderungen
  • 2017
    Titel Scientific & Technological Cooperation with Poland 2017-19
    Typ Travel/small personal
    Förderbeginn 2017
    Geldgeber Austrian Agency for International Cooperation in Education and Research

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