Science Fiction, Fakt und Forecast
Science Fiction, Fact and Forecast
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (45%); Philosophie, Ethik, Religion (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (45%)
Keywords
-
Scenario,
Thought Experiments,
Science Fiction,
Comparative Literature,
Futurology,
Cultural Theory
Szenarios sind ein wichtiges Werkzeug in Philosophie und Wissenschaft, in Technikfolgeabschätzung, Design und Technologieentwicklung sowie Management. Fiktionale Texte, die alternativen Gesellschaften und mögliche Zukunftsentwicklungen skizzieren, werden systematisch geschrieben und gelesen, um Veränderungen zu antizipieren und Handlungsmöglichkeiten auszuloten. Diese Texte beruhen auf wissenschaftlichen Prämissen und gehen von realweltlichen Bedingungen aus. Das Forschungsprojekt Science Fiction, Fakt und Forecast fokussiert auf den Begriff des Szenarios und wird seine Geschichte, seine prekäre Definition sowie seine unterschiedlichen Konzeptionen und Anwendungen herausarbeiten. ZwischenLiteraturtheorie, Wissenschaftstheorieund Kulturwissenschaften angesiedelt, wird der Hauptteil des Projektes aus einer vergleichenden Textanalyse zwischen zeitgenössischen Szenarios und Science Fiction Literatur bestehen; betreffend ihrer Motive und Inhalte sowie ihrer narrativen Strategien und Methoden der Extrapolation. Die grundlegende These des Forschungsprojektes ist, dass Szenariotechnik zunehmend literarische Formen annimmt. Es kann ein wachsender Trend beobachtet werden, Wissenschaft und Literatur zu Zwecken der Zukunftsforschung zusammenzubringen. In diesem Kontext stellt sich die Frage, was der literarische Ausdruck zu Tage bringen soll, das traditionelle, schlichte Gedankenexperimente vermissen lassen. Vor diesem Hintergrund, gewinnt Literaturtheorie für die Anwendung und das Verständnis von zeitgenössischer Szenariotechnik an Bedeutung. Trotz der anhaltenden Wichtigkeit von Szenarios in unterschiedlichen Gebieten, gibt es sehr wenige Publikationen, die sich dem Thema in einer allgemeinen Perspektive annehmen. Ein systematischer Überblick über die Anwendungen und Methoden kann als Desideratum ausgemacht werden. Der erste Teil von Science Fiction, Fakt und Forecast ist daher einer Kulturgeschichte des Szenarios gewidmet. Das Forschungsfeld Epistemologie der Literatur und Genre-Theorien in Bezug auf Science Fiction sind Ausgangspunkt für den literaturtheoretischen Rahmen der vergleichenden Analyse. Auf dieser Basis wird die Textform und das Selbstverständnis von Szenarios und wissenschafts-basierter Literaturproduktion untersucht. Der Fokus liegt auf den Fallbeispielen: Science Fiction Prototyping, Design Fiction und zeitgenössische scientific novels. Das Projekt wird mit Vorschlägen zu einer kritischen Revision von zeitgenössischer Szenariotechnik abschließen. Basierend auf Positionen aus sozialkritischer Literatur- und Kulturwissenschaft, wird das naive Verständnis von Fiktionalität thematisiert, das hier oft vorherrschend ist. Außerdem wird die reine Zukunfts- und Fortschrittsorientierung der besagten Texte hinterfragt. Science Fiction, Fakt und Forecast wird damit zur kulturwissenschaftlichen Konzeptualisierung von Szenariotechnik beitragen sowie zur literaturwissenschaftlichen Untersuchung zeitgenössischer Science Fiction.
Science Fiction, Fact & Forecast untersuchte einen anwachsenden Trend: Das Zusammenbringen von Wissenschaft und Literatur - im Speziellen Science Fiction (SF) Literatur - für futurologische Zwecke; um sich Zukünfte vorzustellen und zu evaluieren. In einer allgemeineren Perspektive fragte das Projekt außerdem wie dieser Trend mit einer "spekulativen Wende" in zeitgenössischer Philosophie und Kulturwissenschaft verknüpft ist. Der Ausgangspunkt war die Analyse des Vokabulars und der Methodiken der Szenariotechnik. Im Rahmen des besagten Trends wird das "Szenario" - eine Textform, die für Futurist*innen und Zukunftsforscher*innen zentral ist - mit literarischen Kurzgeschichten verglichen beziehungsweise vermischt, die sich dem SF-Genre zuordnen lassen. Dieser Definition folgend wurde ein Textkorpus von einhundert Kurzgeschichten identifiziert und analysiert, die im Rahmen von Projekten mit futurologischer Ambition geschrieben und publiziert wurden; zum Beispiel mithilfe der Methode "Science Fiction Prototyping", in "Design Fiction" Prozessen oder in Workshops, in denen Spekulative Literatur über mögliche Zukünfte geschrieben wird. Das Ziel des Projektes war es, festzustellen wie hier Zukunftsdenken und literarischer Ausdruck zusammenkommen, welche Praktiken und Infrastrukturen für diesen Austausch nötig sind und ob bzw. in welchem Fall es Sinn macht, von SF-Kurzgeschichten als "Szenarios" zu sprechen. Diese Fragen führten über die reine Textanalyse hinaus und zu einem Austausch mit den Menschen und Institutionen, die besagte Texte schreiben und publizieren. Eine Forschungsreise ans Center for Science and the Imagination an der Arizona State University und zum Arthur C. Clarke Center for Human Imagination an der UC San Diego ermöglichte es, mehr über das Selbstverständnis, die Methoden und Ziele von Projekten wie dem Climate Fiction Kurzgeschichten-Wettbewerb "Everything Change" oder von "Project Hieroglyph: Stories & Visions for a Better Future" zu erfahren. Die Frage, wie Szenarios und literarisches Geschichtenerzählen zusammenhängen und die damit verbundene Frage, wie uns dies helfen kann über unterschiedliche Zukünfte nachzudenken und welche Rolle SF dabei spielt, traf einen Nerv - sehr oft wurde ich eingeladen über diese allgemeineren Fragen und den Charakter eines möglichen "speculative turn" zu sprechen und zu schreiben. Neben dem Fokus auf den Textkorpus und der Forschung an den besagten Institutionen, der meine Konferenzbeiträge und wissenschaftlichen Artikel bestimmte, flossen die Forschungsergebnisse von Science Fiction, Fact & Forecast daher vor allem in zahlreiche populärwissenschaftliche Artikel und Buch- und Katalogbeiträge, Workshops, Radiosendungen und Interviews ein. Was man an der Entwicklung des Forschungsprojektes klar ablesen kann - und was mich auch weiterhin beschäftigen wird - ist, dass das Genre Science Fiction nicht nur populärer, sondern, in Bezug auf ein Nachdenken über die Zukunft, auch zunehmend ernster genommen wird. Science Fiction, Fact & Forecast zeigt klar, dass es dabei nicht um Vorhersagen im strengen Sinn geht, sondern um ein vorsichtiges und kleinschrittiges Abtasten möglicher Zukünfte, das der literarische Ausdruck und speziell die notorische Exzentrik von Science Fiction eröffnet.
- Claus Pias, Leuphana Universität Lüneburg - Deutschland
Research Output
- 3 Publikationen
- 3 Künstlerischer Output
- 4 Disseminationen
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2021
Titel Ein revisionärer Realismus. Rezension zu "Die Kraft der Revision. Epistemologie, Politik und Ethik bei Donna Haraway" von Katharina Hoppe Typ Journal Article Autor Grillmayr Journal Soziopolis Link Publikation -
2020
Titel The Many-Layered Cake of Science Fiction. Audio Essay (And Some Written Notes) DOI 10.1515/9783839453223-017 Typ Book Chapter Autor Grillmayr J Verlag De Gruyter Seiten 140-145 -
2022
Titel VON ZEITACHSEN, DIE SICH VERZWEIGEN SPEKULATIONEN AUF EINE (NIEMALS) VOLLENDETE ZUKUNFT; In: VOLLENDETE ZUKUNFT Typ Book Chapter Autor Grillmayr Verlag Verlag für moderne Kunst Seiten 7-14 Link Publikation
-
2021
Link
Titel Podcast Interview "Worlding Podcast" Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2021
Link
Titel Moving across Thresholds - staying with the muddle (online workshop) Typ Participation in an activity, workshop or similar Link Link -
2018
Link
Titel Superscience Me - Wissenschaft, Fiktion, Spekulation (own radio broadcast for science communication) Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) Link Link -
2021
Link
Titel Science Fiction-Literatur und ihr Einfluss auf Zukunftsentwürfe [Podcast Interview] Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link