Biologische Marker in Myasthenia gravis
Biological markers in Myasthenia gravis
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (20%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (80%)
Keywords
-
Antigen Discovery,
Muscle,
Myasthenia gravis,
Autoimmunity,
Neuromuscular junction,
Autoantibody
Myasthenia gravis (MG) ist eine schwere Erkrankung die zur ermüdbaren Muskelschwäche führt. Dies führt zu einer starken Einschränkung im Alltag, da Patienten Probleme haben, sich zu bewegen, zu sprechen, kauen und schlucken. Wird die Krankheit nicht behandelt, kommt es zu progressivem Krankheitsverlauf inklusive einer sogenannten Myasthenen Krise, in der die Patienten künstlich beatmet werden müssen, da auch die Atemmuskulatur betroffen ist. MG wird durch Autoantikörper verursacht, die Proteine an der Synapse zwischen Nerv und Muskel attackieren. Dadurch wird die Signalübertragung und Funktion der Synapse gestört. Bei vielen Patienten weiß man, welche Autoantikörper sich im Serum befinden, aber bei einigen Patienten, darunter schwere, behandlungsresistente Fälle, sind die genauen Autoantikörper im Serum unbekannt. Daher nennt man diese Form der MG seronegative Myasthenia gravis (SNMG). Im Projekt Biologische Marker in Myasthenia gravis wollen wir Autoantikörper im Serum von SNMG Patienten identifizieren. Wir werden Patientenserum mit Muskelgewebe und Muskelzellen in Zellkulturen inkubieren und testen ob sich Muskelantikörper darin befinden. Falls wir Muskelantikörper finden, werden wir herausfinden, an welches Molekül sie genau binden, indem wir den Antikörper samt dem gebundenen Molekül isolieren und mittels Massenspektrometrie analysieren. Dann werden wir mit einem neuen Testverfahren weitere Patienten analysieren und diagnostizieren, und weitere Eigenschaften des Autoantikörpers bestimmen. Ein Molekül das von Antikörpern in SNMG erkannt wird, ist potentiell auch sehr interessant für die normale Funktion der neuromuskulären Synapse, daher werden wir es mit klassischen molekularbiologischen Methoden analysieren, um seine Funktion an der Synapse zu verstehen. Wir werden auch untersuchen, wie die Patienten mit den neu gefundenen Antikörpern auf Immuntherapie ansprechen, um in Zukunft die Therapiemöglichkeiten verbessern zu können. Wir werden neue Autoantikörper in Myasthenia gravis Patienten identifizieren, was zur Identifikation neuer Unterformen der Myasthenie führen wird. Autoantikörper können Krankheiten auslösen, und sind gleichzeitig auch wichtige Biomarker, die bei Diagnose und Therapieentscheidungen helfen, dadurch wird eine rasche und präzise Diagnose ermöglicht. Die funktionelle Analyse des Antigens wird zum Verständnis der neuromuskulären Synapse beitragen, während die Analyse der Antikörpereigenschaften zu einem grundlegenden Verständnis der Krankheitsmechanismen beitragen wird. Das Ansprechen der Patienten auf Therapien wird analysiert um zukünftige Therapieentscheidungen und somit die Lebensqualität dieser Patienten zu verbessern.
Autoantikörper sind Auslöser von vielen Autoimmunerkrankungen, da sie Moleküle im eigenen Körper erkennen und angreifen. Wenn in Patienten mit Myasthenia gravis (MG) wichtige Moleküle an der neuromuskulären Synapse (NMS) angegriffen werden, kann dies ihre Funktion beeinträchtigen und in Folge zu schwerer, ermüdbarer Muskelschwäche führen. Im Rahmen des Projekts T996-B30 haben wir bislang unbekannten Autoantikörper in MG Patienten erforscht. Dazu wurde ein neues Zellkultur-Modell des Muskels und der NMS aus Muskelstammzellen entwickelt, und mittels Patientenantikörpern wurden Moleküle der NMS isoliert und mittels Massenspektrometrie identifiziert. Das Projekt wurde aufgrund Beschränkungen durch die COVID-19 Pandemie, welche besonders die Zellkulturexperimente stark beeinträchtigten, modifiziert und erweitert um die Untersuchung von antineuronalen Autoantikörpern, die zur IgG4 Subklasse gehören, darunter Antikörper in einer Untergruppe von MG (MuSK MG). Im gesunden Körper hat IgG4 eine Schutzfunktion, aber in seltenen Ausnahmefällen können IgG4 Autoantikörper auch Autoimmunerkrankungen auslösen. Im Projekt T996-B30 wurden potentielle IgG4 Autoimmunerkrankungen untersucht, charakterisiert und klassifiziert. Dabei wurden Gemeinsamkeiten zwischen den Erkrankungen gefunden, sowie potentielle genetische Risikofaktoren, die auf eine gemeinsame Immunopathogenese schließen lassen. Eine serologische und histopathologische Analyse führte zur Schlussfolgerung, dass hingegen eine Verwandtschaft mit den IgG4-assoziierten Erkrankungen unwahrscheinlich ist, und es sich um zwei unterschiedliche Krankheitsgruppen handelt. Viele IgG4 Autoimmunerkrankungen sind noch wenig erforscht, es fehlt an prognostischen Markern und Behandlungsstrategien. Wir haben eine Kohorte an longitudinalen Serum- und/oder Liquorproben von PatientInnen mit IgG4 Autoantikörpern zusammengestellt, und mittels Durchflusszytometrie auf IgG Subklassen analysiert und mit klinischen Parametern verglichen. Dabei haben wir entdeckt, dass Autoantikörper im Liquor cerebrospinalis wertvolle prognostische Biomarker sein könnten. Diese Analyse könnte die Diagnostik und Prognostik von IgG4 Autoimmunerkrankungen in Zukunft verbessern. Zusätzlich zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn des Projekts T996-B30 wurden wertvolle neue nationale und internationale Kollaborationen aufgebaut, welche eine weiterführende Erforschung von IgG4 Autoimmunerkrankungen in Zukunft ermöglichen werden.
Research Output
- 538 Zitationen
- 22 Publikationen
- 2 Methoden & Materialien
- 4 Disseminationen
- 7 Wissenschaftliche Auszeichnungen
-
2024
Titel A retrospective multicenter study on clinical and serological parameters in patients with MuSK myasthenia gravis with and without general immunosuppression. DOI 10.3389/fimmu.2024.1325171 Typ Journal Article Autor Koneczny I Journal Frontiers in immunology Seiten 1325171 -
2024
Titel HLA dependency and possible clinical relevance of intrathecally synthesized anti-IgLON5 IgG4 in anti-IgLON5 disease. DOI 10.3389/fimmu.2024.1376456 Typ Journal Article Autor Koneczny I Journal Frontiers in immunology Seiten 1376456 -
2024
Titel Neuropathological spectrum of anti-IgLON5 disease and stages of brainstem tau pathology: updated neuropathological research criteria of the disease-related tauopathy. DOI 10.1007/s00401-024-02805-y Typ Journal Article Autor Gelpi E Journal Acta neuropathologica Seiten 53 -
2023
Titel Patients' IgLON5 autoantibodies interfere with IgLON5-protein interactions. DOI 10.3389/fimmu.2023.1151574 Typ Journal Article Autor Landa J Journal Frontiers in immunology Seiten 1151574 -
2023
Titel Corrigendum: Patients' IgLON5 autoantibodies interfere with IgLON5-protein interactions. DOI 10.3389/fimmu.2023.1233632 Typ Journal Article Autor Landa J Journal Frontiers in immunology Seiten 1233632 -
2023
Titel Analysis of inflammatory markers and tau deposits in an autopsy series of nine patients with anti-IgLON5 disease. DOI 10.1007/s00401-023-02625-6 Typ Journal Article Autor Berger-Sieczkowski E Journal Acta neuropathologica Seiten 631-645 Link Publikation -
2022
Titel Anti-Neuronal IgG4 Autoimmune Diseases and IgG4-Related Diseases May Not Be Part of the Same Spectrum: A Comparative Study DOI 10.3389/fimmu.2021.785247 Typ Journal Article Autor Endmayr V Journal Frontiers in Immunology Seiten 785247 Link Publikation -
2022
Titel A systematic review and meta-analysis of HLA class II associations in patients with IgG4 autoimmunity DOI 10.1038/s41598-022-13042-2 Typ Journal Article Autor Panhuber A Journal Scientific Reports Seiten 9229 Link Publikation -
2022
Titel IgG4 Autoantibodies in Organ-Specific Autoimmunopathies: Reviewing Class Switching, Antibody-Producing Cells, and Specific Immunotherapies DOI 10.3389/fimmu.2022.834342 Typ Journal Article Autor Koneczny I Journal Frontiers in Immunology Seiten 834342 Link Publikation -
2021
Titel Anti-neuronal IgG4 autoimmune diseases and IgG4-related diseases may not be part of the same spectrum: a comparative study DOI 10.1101/2021.09.30.21264258 Typ Preprint Autor Endmayr V Seiten 2021.09.30.21264258 Link Publikation -
2021
Titel Genetic risk factors for pathogenic IgG4 autoantibodies: a systematic review and meta-analysis of HLA class II associations in patients with IgG4 autoimmune diseases DOI 10.21203/rs.3.rs-638050/v1 Typ Preprint Autor Panhuber A Link Publikation -
2021
Titel Common Denominators in the Immunobiology of IgG4 Autoimmune Diseases: What Do Glomerulonephritis, Pemphigus Vulgaris, Myasthenia Gravis, Thrombotic Thrombocytopenic Purpura and Autoimmune Encephalitis Have in Common? DOI 10.3389/fimmu.2020.605214 Typ Journal Article Autor Koneczny I Journal Frontiers in Immunology Seiten 605214 Link Publikation -
2021
Titel Editorial: Molecular Mechanisms Underlying Assembly and Maintenance of the Neuromuscular Junction DOI 10.3389/fnmol.2021.797832 Typ Journal Article Autor Herbst R Journal Frontiers in Molecular Neuroscience Seiten 797832 Link Publikation -
2020
Titel Myasthenia Gravis With Antibodies Against Muscle Specific Kinase: An Update on Clinical Features, Pathophysiology and Treatment DOI 10.3389/fnmol.2020.00159 Typ Journal Article Autor Cao M Journal Frontiers in Molecular Neuroscience Seiten 159 Link Publikation -
2020
Titel Antibodies to nodal/paranodal proteins in paediatric immune-mediated neuropathy DOI 10.1212/nxi.0000000000000763 Typ Journal Article Autor De Simoni D Journal Neurology - Neuroimmunology Neuroinflammation Link Publikation -
2020
Titel Pathomechanisms and Clinical Implications of Myasthenic Syndromes Exacerbated and Induced by Medical Treatments DOI 10.3389/fnmol.2020.00156 Typ Journal Article Autor Krenn M Journal Frontiers in Molecular Neuroscience Seiten 156 Link Publikation -
2020
Titel Update on IgG4-mediated autoimmune diseases: New insights and new family members DOI 10.1016/j.autrev.2020.102646 Typ Journal Article Autor Koneczny I Journal Autoimmunity Reviews Seiten 102646 Link Publikation -
2020
Titel Myasthenia gravis AChR antibodies inhibit function of rapsyn-clustered AChRs DOI 10.1136/jnnp-2019-322640 Typ Journal Article Autor Cetin H Journal Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry Seiten 526-532 Link Publikation