Nord/Süd - Ein Konflikt der nie existierte?
North/South - A Conflict that Did not Exist?
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (25%); Geschichte, Archäologie (50%); Politikwissenschaften (25%)
Keywords
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Global/International History,
North-South Conflict,
United Nations,
Digital Humanities,
International Relations,
UN Voting and Co-Sponsorship of Resolutions
Seit den 1960er Jahren prägen die Begriffe Nord" und Süd" die Diskussion internationaler Beziehungen. Historiker*innen haben die Entstehung dieser Begriffe mit einem Nord-Süd- Konflikt" in Verbindung gebracht, der in den 1970er Jahren seinen Höhepunkt erreichte. Dabei standen sich zwei Blöcke gegenüber: Auf der einen Seite standen selbsternannte Entwicklungsländer", die sich in der Gruppe der 77" innerhalb der Vereinten Nationen (UN) zusammenschlossen, um globale Ungleichheiten zu überwinden. Auf der anderen Seite standen reiche westlichen Staaten. Viele Wissenschaftler*innen sehen diesen Konflikt als zentrales Thema der internationalen Politik damals wie heute. Andere jedoch bezweifeln, dass es einen Nord-Süd-Konflikt je gegeben hat und argumentieren, dass es lediglich die Erwartung eines solchen gab. Der Konflikt kam nie zustande, so das Argument, weil beide vermeintlichen Staatengruppen Nord" und Süd" zu gespalten waren, um sich gemeinsam für Ihre politischen und wirtschaftlichen Interessen einzusetzen. Das 1000 Ideen"-Projekt möchte die konkreten Konturen des Nord-Süd-Konflikts" in Vergangenheit und Gegenwart erforschen. Das Projekt fragt: In welchen Zeiträumen und in Bezug auf welche Themen haben Länder des Globalen Südens" (die Gruppe der 77") gemeinsame Ziele innerhalb der UN verfolgt? Mit quantitativen Methoden wird das Projekt Abstimmungsverhalten und die gemeinsame Unterstützung von Vorschlägen in der UN-Generalversammlung dem sogenannten Weltparlament" untersuchen. Dabei analysieren wir, welche Staaten aus Nord" und Süd" bei welchen Themen zusammengearbeitet haben insbesondere in Bezug auf Wirtschaftsfragen und wie sich diese Kooperation im Laufe der Zeit verändert hat. Eine solche grundlegende digital humanities-Forschung an der Schnittstelle von Geschichte und internationalen Beziehungen, kann den Weg für ähnliche Studien ebnen, die das Verhalten von Staaten in der UN untersuchen. Solche Studien in Kombination mit qualitativer historischer Forschung könnten neue Erkenntnisse für unzählige Themen in der zeitgenössischen internationalen und globalen Geschichte liefern.
- Universität Wien - 100%