Das Psychologische ist partizipativ
The psychological is participatory
Wissenschaftsdisziplinen
Psychologie (40%); Soziologie (60%)
Keywords
-
Critical Participatory Action Research,
Women'S Counseling,
Oral History,
History Of Feminist Psychology
Beratungsstellen für Frauen sind wichtige Einrichtungen, die von der zweiten Frauenbewegung gegründet wurden. In dem Projekt Das Psychologische ist partizipativ forschen Wissenschaftlerinnen gemeinsam mitBeraterinnen und Klientinnen von Frauenberatungsstellen. Uns interessieren die Lebensgeschichten von Frauen, die sich an Beratungsstellen Hilfe holen. Deshalb stehen in dem Projekt unter Bürgerinnen-Beteiligung biografische Interviews im Zentrum der Forschung. Die Eckdaten der Interviews werden anschließend zu biografischen Profilen verdichtet und in einem Online-Archiv öffentlich zugänglich gemacht (feministvoices.com). Die Perspektive von Klientinnen ist bislang nur sehr selten in der Geschichte der Psychologie berücksichtigt worden. Vor allem benachteiligte Frauen werden oft wenig gehört, bspw. Migrantinnen oder armutsbetroffene Alleinerzieherinnen. Unsere Forschung mit Klientinnen möchte die Frauen stärken und mit ihnen gemeinsam untersuchen, wie gesellschaftliche Umstände ihren Lebensweg geprägt haben. Dazu werden in Workshops die Frauen darin angeleitet, ihr Wissen in Form von erzählten Geschichten zu dokumentieren. Diese Methode der Oral History Forschung kann und soll auch nach Abschluss des Projekts in den sozialen Gemeinschaften der Frauen und den Beratungsstellen weitergetragen werden. Die Wissenschaftlerinnen werden die Interviews der Frauen anschließend mit Interviews vergleichend analysieren, die in einem früheren Forschungsprojekt geführt wurden. In dem Vorgänger-Projekt ging es um feministische Psychologie und Geschlechtergerechtigkeit an Frauenberatungsstellen in Wien. An dem Projekt beteiligen sich die Wiener Beratungsstellen Frauen* beraten Frauen* und Peregrina. Geleitet wird das Projekt an der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien von Ass.-Prof. Dr. Nora Ruck, Projektmitarbeiterin ist Dr. Barbara Rothmüller.
In diesem Forschungsprojekt arbeiteten Universitätsforscherinnen, Praxisforscherinnen und Citizen-Forscherinnen zusammen, um zu untersuchen, wie Frauen schwierige Lebenssituationen überwinden und wie Frauenberaterinnen mit emotionalen Widersprüchen in ihrer Arbeit umgehen. Die verwendete Methode, die "Kritische partizipative Aktionsforschung", fördert die Zusammenarbeit unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen, um gemeinsam Wissen zu schaffen und Veränderungen anzustoßen. Ziel war es, die Probleme und Ressourcen von Frauen in der Gesellschaft zu erforschen und zu verbessern. Frauen wurden dabei als Expertinnen ihrer eigenen Lebensrealität betrachtet und hatten die Rolle von Co-Forscherinnen. Das Projekt war in zwei Workshopschienen unterteilt: Eine Schiene für Praxisforscherinnen (Frauenberaterinnen) und Universitätsforscherinnen, und eine zweite Schiene für Citizen-Forscherinnen (ehemalige Klientinnen von Frauenberatungsstellen) und Universitätsforscherinnen. Die Forschungsmethoden umfassten qualitative Ansätze wie Interviews, Gruppendiskussionen, das Erstellen von Collagen und Erinnerungsarbeit. Die gesammelten Daten wurden teilweise gemeinsam und teilweise durch Universitätsforscherinnen ausgewertet und anschließend in der Gruppe diskutiert. Die Ergebnisse sollen nicht nur in wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht werden, sondern auch durch Workshops, bei denen die Arbeiterkammer Österreich, Behördenvertreterinnen, Frauenberaterinnen und Klientinnen zusammenkamen, um Best-Practice-Beispiele zur Unterstützung insbesondere von Migrantinnen in Österreich zu sammeln. Die zentralen Forschungsfragen lauteten: Wie bewältigen Frauen schwierige Lebenssituationen? Wer oder was unterstützt sie dabei? Welche Rolle spielen Frauenberatungsstellen? Und wie erleben und bewältigen Frauenberaterinnen selbst die emotionalen Widersprüche ihrer Arbeit? Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen wie auch Frauenberatungsstellen an ihre Grenzen stoßen, wenn es um strukturelle Probleme wie Diskriminierung, mangelnde Arbeitsmöglichkeiten und Hindernisse bei der Anerkennung von Ausbildungen oder beim Zugang zu Kinderbetreuung geht. Vor allem gut ausgebildete Migrantinnen fanden oft keinen Zugang zum Arbeitsmarkt und waren gezwungen, schlecht bezahlte Jobs anzunehmen oder gar nicht zu arbeiten. Es zeigte sich auch, dass Frauen Wahlfreiheit, Gleichberechtigung, Sicherheit und psychische Gesundheit als Grundvoraussetzungen erleben, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Frauenberatungsstellen wurden als wertvolle Unterstützung hervorgehoben, da sie Orientierung und Informationen bieten. Jedoch wurden auch strukturelle Grenzen sichtbar, die Beraterinnen und Klientinnen gleichermaßen frustrieren, da Beratung allein nicht ausreicht, um tiefgreifende gesellschaftliche Probleme zu lösen. Schließlich sind auch Frauenberaterinnen Schwierigkeiten ausgesetzt, die mit ihrer Rolle als Beraterinnen wenig zu tun haben: Dazu gehören die zunehmenden Erfordernisse von Fördergebern, weniger Basisfinanzierung und vermehrte Projektfinanzierung, die auch Konflikte in den Teams auslösen. Emotionen im Team werden als belastender erlebt als Beratungen mit Frauen, selbst wenn diese mit Gewalterfahrungen oder anderen schwierigen Themen in die Beratung kommen. Die Co-Forscherinnen forderten eine bessere Vernetzung von unterschiedlichen Behörden und Beratungsstellen, Änderungen der Rechte für Drittstaatenangehörige, mehr Frauenbegegnungsräume sowie eine bessere Finanzierung von Frauenberatungsstellen. Sie betonten, dass bestehendes Wissen aus den Beratungsstellen besser genutzt werden sollte, um politische Entscheidungen zu beeinflussen und strukturelle Probleme zu bekämpfen.
- Sigmund Freud Priv. Univ. - 100%
Research Output
- 5 Publikationen
- 3 Disseminationen
- 3 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 2 Weitere Förderungen
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2023
Titel Psychologisierung von Ungleichheiten; In: Aktuelle Ungleichheitsforschung. Befunde - Theorien - Praxen Typ Book Chapter Autor Rothmüller B Verlag Beltz Seiten 188-201 Link Publikation -
2024
Titel Feminist psychologies in Austria betwen NGOization and private practice: A historical and critical participatory action study Typ Conference Proceeding Abstract Autor Rack E. Konferenz 53. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie -
2024
Titel Das Psychologische ist politisch. Geschichte und Theorie feministischer Psychologien im deutschsprachigen Raum und Nordamerika Typ Postdoctoral Thesis Autor Nora Ruck -
2022
Titel The Psychological is Participatory. Feminist critical participatory action research with women's counseling centers and their clients Typ Conference Proceeding Abstract Autor Ruck N. Konferenz 41st conference of the European Society for the History of the Human Sciences (ESHHS) 2022 -
2022
Titel Zur Geschichte feministischer Psychologien in Österreich Typ Conference Proceeding Abstract Autor Rothmüller B. Konferenz 52. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie
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2024
Titel Workshop 2 with Chamber of Labor Typ Participation in an activity, workshop or similar -
2023
Titel Workshop 1 with Chamber of Labor Typ Participation in an activity, workshop or similar -
2023
Link
Titel Radio interview Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) Link Link
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2024
Titel Associate Editor of Palgrave McMillan Encyclopedia of Theoretical and Philosophical Psychology Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series Bekanntheitsgrad Continental/International -
2023
Titel Invitation as keynote speaker to workshop "PSYCHISCHE GESUNDHEIT UND GESCHLECHT IN DER ZWEITEN HÄLFTE DES 20. JAHRHUNDERTS" Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2022
Titel Associate Editor Theory & Psychology Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series Bekanntheitsgrad Continental/International
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2024
Titel Seed funding of the Faculty of Psychology Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2024 Geldgeber Sigmund Freud University Vienna -
2022
Titel Arbeiterkammer Österreich Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2022 Geldgeber Arbeiterkammer Österreich Sektion Familie und Frauen