Erinnerung und Imaginäres: Demokratische Bürger*innenschaft
Citizens’ Memories and Imaginaries: Democratic Citizenship
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (15%); Kunstwissenschaften (35%); Politikwissenschaften (30%); Soziologie (20%)
Keywords
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Memory,
Imaginaries,
Political Empowerment,
Media Performativity,
Cultural Representation,
Democratic Citizenship
Das Citizen Science Forschungsprojekt Erinnerung und Imaginäres: Demokratische Bürger*innenschaft untersucht die Vorstellungen (imaginaries) jüdischer, queerer und migrantischer Gemeinschaften im postnazistischen Österreich von 1945 bis heute, insbesondere jene sozialen und politischen Vorstellungen, die durch Erinnerungen gemeinschaftlich geformt werden: Wie manifestieren sich Erinnerungen und Vorstellungen von jüdischen, queeren und migrantischen Gemeinschaften innerhalb der majoritären Narrative der österreichischen Gesellschaft? Wie positionieren sich die Mitglieder dieser Gemeinschaften in Bezug auf breitere hegemoniale Diskurse von Staat und Nation in Österreich heute? In welchem Ausmaß werden in diesen Gemeinschaften Gegendiskurse zu den dominanten historischen Narrativen geführt? Und wie stellen sie die vorherrschende Konstruktion von Staatsbürger*innenschaft in Frage? Demokratische Bürger*innenschaft ist das Ergebnis eines Prozesses politischer Performativität, z.B. durch Erinnern, Nacherzählen und Reimagination, und basiert auf einer ständigen Suche nach Dialog und Widerstand gegen die Unterscheidung zwischen Bürger*innen, die der Mehrheitsgesellschaft angehören und jenen, die aus verschiedenen Gründen nicht dazu zählen. Es ist die Durchführung dieses Prozesses demokratischer Bürger*innenschaft, die mit diesem Projekt ermöglicht werden soll. Das vorgeschlagene Projekt setzt neue Impulse im Feld der Citizen Science dar, da es Citizen Science mit kunstbasierter Forschung verbindet. Imaginäres Wissen ist eine kollektive und relationale Form des Wissens, die erfahrungsbasiert, räumlich und zeitlich vielschichtig ist. Citizen Science und kunstbasierte Forschung sind innovative Wege, um Einblicke in solche Vorstellungen und ihr Potenzial für demokratische Bürger*innenschaft zu gewinnen. Die Erforschung der Erinnerungen und Vorstellungen der drei marginalisierten Gemeinschaften ist zeitgemäß und birgt Potenzial für neue Erkenntnisse in den citizen humanities.
Im Rahmen des Projekts "Citizens' Memories and Imaginaries" (TCS 119; 2022-24) hat sich ein Team an Forscher:innen (Marina Gržinić, Jovita Pristovšek, Sophie Uitz) auf drei Arten von Gemeinschaften konzentriert: Migrant:innen, Queers und Jüd:innen im österreichischen Kontext. Das Projekt befasste sich mit hochsensiblen sozialen und gemeinschaftlichen Themen wie traumatischen und problematischen Prozessen der Ausgrenzung von Individuen und Gemeinschaften in Gesellschaften. In einer Reihe von Memory Labs - einem innovativen Format der Citizen Science-Forschung, das künstlerische Forschung einbezieht - untersuchten wir das, was wir das "Imaginäre" nennen: eine kollektive und relationale Form des Wissens. Künstler:innen und Forscher:innen arbeiteten mit Citizen Scientists zusammen, um kritisch zu untersuchen, was es bedeutet, Bürger:in zu sein. Durch gemischte künstlerische Praktiken - Fotografie, Rap, Poesie, Skizzen und grafische Aufzeichnungen - untersuchten wir, wie wir kollektive Strategien entwickeln können, um Bedingungen der Ausgrenzung und Marginalisierung zu begegnen. Wir haben das Projekt in bestehende Citizen-Science-Netzwerke in Österreich (Österreich forscht und OeAD) eingebettet, durch die wir Beziehungen zu drei verschiedenen Schulen aufgebaut haben, mit denen wir gemeinsam Themen entwickelt haben: Klasse 6B vom BORG Guntramsdorf, Klasse 2AHL von der HLW Biedermannsdorf, Klasse 7A vom BRG6 Marchettigasse. Wir haben auch mit Forscher:innen von österreichischen zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammengearbeitet: dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW), dem Wiener Wiesenthal-Institut für Holocaust-Studien (VWI), der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich (PHOÖ); und wir haben die Rap-Künstlerin Esra Özmen alias EsRAP, die bildende und Performance-Künstlerin Ndidi J. Iroh, den Zeichenkünstler Felix Deiters und Munar Khalid-Biiq (Schulpraktikantin) eingeladen. Das Projekt bot einen Rahmen, in dem Citizen Scientists, Wissenschaftler:innen und Künstler:innen in einem kunstbasierten, co-kreativen Raum zusammenkamen, um Fragen der (Nicht-)Bürger:innenschaft und Demokratie neu zu überdenken. Es konzeptualisierte die Idee der demokratischen Bürger:innenschaft als Ergebnis eines Prozesses der gemeinschaftlichen Performativität durch einen gemeinsamen Prozess des Erinnerns, Nacherzählens und Neuvorstellens. Mit den Memory Labs bot das Projekt eine Begegnung und eine Plattform, um die Unterscheidung zwischen Bürger:innen und Nicht-Bürger:innen zu überdenken und zu überwinden. Es bot der (jungen) Generation die Möglichkeit, die Idee der Zukunft neu zu imaginieren, zu überdenken und zu materialisieren. Innerhalb des Bereichs von Citizen Science in Österreich sticht das Projekt aus drei Gründen hervor: Erstens befasst es sich auf inhaltlicher Ebene mit sozialen Fragen zu Themen wie Demokratie und Gemeinschaft, Zugehörigkeit, Ausgrenzung und Beteiligung. Es hat daher auch zur Co-Kreation von neuem Wissen in diesem Bereich beigetragen. Zweitens wird auf methodischer Ebene die Verknüpfung von Citizen Science mit künstlerischer und kunstbasierter Forschung noch selten praktiziert. Das Projekt als solches zählt zum Bereich der Citizen Humanities. Drittens trug es in Bezug auf die soziale Ausrichtung zum Aufbau von Gemeinschaften und zur Stärkung der Eigenverantwortung bei, indem es Diversität, Klasse und Geschlecht berücksichtigte, die soziale Eingliederung förderte und Allianzen zwischen verschiedenen marginalisierten Gemeinschaften und Institutionen der Zivilgesellschaft schuf.
- Assimina Gouma, nationale:r Kooperationspartner:in
- Bernhard Weidinger, nationale:r Kooperationspartner:in
- Eva Kovács, nationale:r Kooperationspartner:in
Research Output
- 1 Publikationen
- 3 Policies
- 1 Künstlerischer Output
- 12 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2024
Titel CIVIL SOCIETY REIMAGINED. Citizens' Memories and Imaginaries: Democratic Citizenship Typ Book Autor Marina Gržinić editors Marina Gržinić, Sophie Uitz, Jovita Pristovšek Verlag kopaed
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2023
Titel Influence on high-school forms of education and class community building Typ Contribution to new or improved professional practice -
2022
Link
Titel Influence on OeAD practice Typ Contribution to new or improved professional practice Link Link -
2022
Link
Titel Influence on the civil society institutions' collaboration with schools Typ Contribution to new or improved professional practice Link Link
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2022
Titel Collection of Graphic Recordings Typ Artwork
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2022
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Titel Young Science Congress Vienna Typ A talk or presentation Link Link -
2022
Link
Titel Newsletter 1 Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2023
Link
Titel Civil Society Reimagined Typ A formal working group, expert panel or dialogue Link Link -
2022
Link
Titel General Assembly Typ Participation in an activity, workshop or similar Link Link -
2022
Link
Titel Memory Lab III Typ Participation in an activity, workshop or similar Link Link -
2023
Link
Titel Newsletter 3 Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2024
Link
Titel Book presentation Typ A talk or presentation Link Link -
2024
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Titel Online-Talk: Activism and Community Typ A talk or presentation Link Link -
2022
Link
Titel Memory Lab II Typ Participation in an activity, workshop or similar Link Link -
2022
Link
Titel Newsletter 2 Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2022
Link
Titel Memory Lab I Typ Participation in an activity, workshop or similar Link Link -
2022
Link
Titel Research Day 2022 Typ A talk or presentation Link Link
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2022
Titel OeAD's Citizen Science Award 2022 Typ Research prize Bekanntheitsgrad National (any country)