Texture Matters: Das Optische und Haptische in den Medien.
Texture Matters: The Optical and Haptical in Media.
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Kunstwissenschaften (40%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (30%)
Keywords
-
Tactility in Visual Media,
Opticality/Hapticality,
Aesthetic Theory,
Visual and Meterial Texture,
Cultural History,
Interface Design
Dieses Projekt untersucht Geschichte und Konsequenzen einer Theorielandschaft, die uns bereits seit über einem Jahrhundert begleitet: das Paradigma des Haptischen und des Optischen. Diese Konzeption fasst den Sehakt als eine Kombination von Tastsinn und Sehsinn und begreift das Kunstwerk als um diese Dynamik konstruiert. Das vorliegende 3-Jahres-Projekt betont die Bedeutung der taktilen Sinne und ihres Korrelates, der Textur, in den visuellen Medien. Das Projekt untersucht Filmsets, Kostüme und Zuschauerräume, den Einfluss von Textilkollektionen und die Entwicklung neuer Materialien in Bezug auf Wahrnehmungsvorstellungen in den visuellen Künsten, die Erfindung der TV-Fernbedienung, sowie das Konzept des Interfaces, gerade auch in der vordigitalen Kultur. Schließlich wendet das Projekt diese Unterscheidung zwischen taktiler und optischer Fähigkeit zurück auf derzeit beobachtbare, nachdrückliche Bemühungen, Texturen in digitalen Medien zu erzeugen. Das Projekt untersucht die wechselhafte Laufbahn dieser veschwisterten Ideen (in den Arbeiten von Alois Riegl, Walter Benjamin, Marshall McLuhan, im Bauhaus-Vorkurs, bei Vladimir Tatlin und anderen) und ihrer andauernden Bedeutung im Rahmen einer Archäologie unserer gegenwärtigen Faszination für mediale Tastereignisse. Der Forschungsansatz ist in zwei Teile gegliedert: die Historiographie und Genealogie der optischen/haptischen Entwicklungslinien einerseits, und eine Untersuchung von Schlüsselmomenten andererseits, in denen sich Textur als ein integraler Teil der Medienproduktion erwiesen hat, etwa der taktile Zuschauerraum des Kinos, bewegte Texturen im Film, sowie der Tastsinn im Interface neuer Medien. Entlang dieser Forschungsstränge untersucht das Projekt, wie sich die beiden Begriffe von ihren Anfängen als visuell-kulturelle Kategorien, die zunächst an Architektur, Skulptur und Malerei gebunden waren, in den Vorstellungen unserer neuen Medienwelten wandelten. Das Projektteam unter der Leitung von Prof. Klemens Gruber wird dabei wichtige Archive konsultieren und sich auf die intellektuellen Ressourcen an der Universität Wien ebenso stützen wie auf die Erfahrung und das Fachwissen der internationalen Projektpartnerin, Prof. Antonia Lant. Die im Verlauf des Projekts gewonnenen Erkenntnisse werden in Workshops und in einem Seminar an der NYU überprüft, die Ergebnisse über Publikationen, eine mid-term Konferenz und eine Projektwebsite veröffentlicht werden.
Das Forschungsprojekt Texture Matters: The Optical and Haptical in Media untersuchte Theorie und Geschichte der visuellen/haptischen Wahrnehmung und die Rolle ihres Zusammenspiel in Kunst, Medien und materieller Kultur vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart der digitalen Gadgets. Den theoretischen Ausgangspunkt des Projekts bildeten die Arbeiten des Wiener Kunsthistorikers Alois Riegl (18581905), der auch Kurator der Teppichsammlung am Museum für Kunst und Industrie, dem heutigen Museum für Angewandte Kunst (MAK) in Wien war. Riegl schlug vor, dass das Auge beim Sehen bestimmte Funktionen eines Tastorgans übernimmt und Kunstwerke in Beziehung zu dieser Dynamik entstehen. In der Folge wandten sich obwohl die visuellen Medien Fotografie, Film und Fernsehen im 20. Jahrhundert die zentralen Massenmedien der westlichen Gesellschaften wurden die avanciertesten Medientheoretiker dem Tastsinn zu, um das Potential dieser Medien besser fassen zu können. Texture Matters untersuchte drei Perioden in der Geschichte der Beziehung des Optischen und Haptischen. Die erste war jene von Riegl bis in die 1920/30er Jahre, mit den Tastleisten, wie sie im Bauhaus-Vorkurs entwickelt wurden, und Walter Benjamins Auffassung des Films als taktiles Medium. Die Filmtheorie ist in vielfacher Weise von dessen Überlegungen inspiriert worden, etwa in der für dieses Projekt grundlegenden Arbeit Haptical Cinema (1995) von Antonia Lant. Die zweite Periode bilden mit den 1950/60ern jene Jahre, in denen das Fernsehen, wie von Marshall McLuhan beschrieben, die Welt zum sprichwörtlichen global village machte und die Jugendbewegung, begünstigt durch die tactile quality der elektronischen Bilder, ihre emotionalen Bedürfnisse (soft needs) wiederentdeckte. Drittens wurde die Ära der digitalen, mobilen Gadgets wie Smartphones und Tablets untersucht, die als technologische Erfüllung der Verbindung des Optischen und Haptischen erscheinen. Indem sie mit Fingern und Augen auf dem Touchscreen in den Netzwerken ihrer sozialen Beziehungen navigieren, verlassen sich die gegenwärtigen Mediennutzer und -nutzerinnen bereitwillig auf das Haptische, um sich die Welt zu erschließen. Derart ist eine Neubestimmung gegenwärtiger Interfacekonzepte und der Rolle der Sinne in den Medien möglich, die nun nicht länger als rein visuell verstanden werden können. Durch die Untersuchung verschiedener Materialien (etwa Haut, Pelz, durchsichtige Kunststoffe) und Praktiken (wie Streicheln, Weben, Schneiden) erweiterte das Projekt die Vorstellung des Haptischen/Optischen um Elemente aus der Geschichte des Tastsinns, welche das Auftauchen des Touchscreens nachvollziehbar machen. Den Spuren des Optischen und Haptischen über mehr als ein Jahrhundert Mediengeschichte folgend, zeigte Texture Matters, wie theoretische Überlegungen und künstlerisch-technologische Praxis sich gegenseitig durchdringen.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 5 Zitationen
- 19 Publikationen
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2012
Titel Spätrömisch oder orientalisch? DOI 10.7788/muk-2012-0403 Typ Journal Article Autor Riegl A Journal Maske und Kothurn Seiten 11-26 Link Publikation -
2016
Titel Gebaute Wirklichkeiten: Zum Sammelband Art Direction & Production Design. Typ Journal Article Autor Seibel A Journal Kolik. Sonderheft Film -
2015
Titel Postdigitaler Vordenker oder digitaler Antagonist? Zu Nicholas Negropontes Entwurf des Digitalen (1995). Typ Journal Article Autor Herwig J Journal Post-digital Culture, Daniel Kulle, Cornelia Lund, Oliver Schmidt und David Ziegenhagen (eds.) -
2012
Titel Bemerkungen zu Alois Riegls Artikel »Spätrömisch oder orientalisch?« DOI 10.7788/muk-2012-0404 Typ Journal Article Autor Vasold G Journal Maske und Kothurn Seiten 27-68 -
2012
Titel Feeling the Screen: The Changing Textures of the 1950s French Movie Theatre DOI 10.7788/muk-2012-0406 Typ Journal Article Autor Scott S Journal Maske und Kothurn Seiten 81-98 -
2012
Titel Der Körper als Interface: Ambivalente Taktilität DOI 10.7788/muk-2012-0407 Typ Journal Article Autor Jeong S Journal Maske und Kothurn Seiten 99-118 -
2012
Titel Auf Tuchfühlung. Haptische Bilder in Bright Star und Wuthering Heights. Typ Journal Article Autor Seibel A Journal kolik.film, Sonderheft -
2014
Titel Spätrömisch oder orientalisch? Typ Book Chapter Autor Gruber/Lant: Texture Matters: Der Tastsinn Im Kino: Haptisch / Optisch 1; Maske Und Kothurn. -
2014
Titel Zu den historischen Wurzeln der Kontrollgesellschaft. Wiener Vorlesungen. Typ Book Autor Herwig J -
2014
Titel Es gibt keinen Facebook-Protest. Zum Widerstand des sogenannten Digitalen. Typ Book Chapter Autor Design Der Zukunft -
2014
Titel Reverse Engineering the Senses: Sight/Hearing and Touch. Typ Book Chapter Autor Günther Friesinger -
2012
Titel The Archaeology of the Touch Screen DOI 10.7788/muk-2012-0405 Typ Journal Article Autor Strauven W Journal Maske und Kothurn Seiten 69-80 -
2015
Titel 'Mess not Meaning': Helmut Berger, Actor und andere Porträts von Andreas Horvath. Typ Journal Article Autor Seibel A Journal Kolik. Sonderheft Film -
2013
Titel Haptische Erfahrungen. 'Mein blindes Herz von Peter Brunner'. Typ Journal Article Autor Seibel A Journal Kolik. Film. Sonderheft -
2014
Titel Haptisches Kino. Typ Book Chapter Autor Gruber/Lant: Texture Matters: Der Tastsinn Im Kino: Haptisch / Optisch 1 -
2014
Titel Was vom Cyborg übrig bleibt oder: Über die Ironie in den Zeiten von Web 2.0. Typ Book Chapter Autor Günther Friesinger -
0
Titel Texture Matters: Der Tastsinn im Kino. haptisch / optisch 1, (= Maske und Kothurn. Internationale Beiträge zur Theater, Film- und Medienwissenschaft, 4/2012). Typ Other Autor Gruber K -
0
Titel Open Culture. Ökonomien zwischen Öffnung und Begrenzung. Typ Other Autor Herwig J -
0
Titel The Art of Reverse Engineering. Open - Dissect - Rebuild, Bielefeld. Typ Other Autor Friesinger G