Nicht aufwachen! Zukunftsträchtige Träume in den Künsten
Don´t Wake Up! Future Dreaming in the Arts
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (25%); Kunstwissenschaften (55%); Soziologie (20%)
Keywords
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Dreams,
Sleep,
Media-Technology,
Performance,
Decolonial,
Gender
Die gegenseitige Verschränkung zwischen Schlaf- und Traumzuständen erfährt in Wissenschaft und Kunst, sowie in der Gesundheits- und Wellnessbranche in der letzten Dekade eine erhöhte Aufmerksamkeit im Gegensatz zum früheren Verständnis von Schlaf als dem Wachzustand untergeordnet. Künstler:innen übersetzen diese Diskurse, sowohl in ihren wissenschaftlichen als auch in ihren populären Dimensionen. Das Projekt erforscht drei miteinander verknüpfte Bereiche: (1) Politik und Ästhetik des Schlafs und der Träume, (2) Dekolonialisierung des Schlafs im Sinne von körperlichen Disziplinierungen und epistemischem Ungehorsam und (3) Träumen als Inkubator für künstlerische und medientechnologische Erfindungen. In der westlichen Naturwissenschaft bestand eine Skepsis gegenüber subjektiven, inneren Erfahrungen. Frühromantische Autor:innen setzten jedoch bereits auf Traum- und Schlafzustände, um subjektive Erfahrungen mit derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen und technologischen Erfindungen zu versöhnen. In den 1960er Jahren erneuerte die Hippie- Kultur das Interesse an induzierten Traumerfahrungen jenseits der Freud`schen Psychoanalyse, die heute z. T. in immersive Medientechnologie integriert worden sind. Zeitgenössische Künstler:innen experimentieren mit Träumen als kreativem Rohmaterial und erweitern diese Experimente im Hinblick auf das umfassendere Projekt einer Dekolonisierung des Schlafes. Da die Dekolonisierung nicht nur eine kritische kognitive Arbeit ist, sondern auch ein körperlicher Prozess und eine Korrektur der Technologie, ist es signifikant, die künstlerischen Praktiken und ihr spezifisches Wissen zu analysieren. Das Projekt umfasst ineinandergreifende Kernbereichen, die verschiedene Disziplinen durchqueren: Theater- und Performancestudien sowie medienkulturelle Studien, die von postkolonialer und queerer Theorie geprägt sind. Diese Bereiche werden mit Ansätzen aus der neurowissenschaftlichen und philosophischen Schlafforschung verknüpft, soweit dies sinnvoll ist. Die Forschungsfragen lauten: Erstens, wie verhält sich die Vorstellung, das träumende Selbst zu beobachten, zu Problemen der wissenschaftlichen Objektivität und der künstlerischen Forschung? Inwiefern geht es bei der Inszenierung des Schlafs um Versuche der Darstellung innerer und äußerer Welten, um Simulation und Immersion? Zweitens, wird die rassifizierte und vergeschlechtlichte Geschichte des Schlafs durch Wissenschaft und koloniale Medizin untersucht und wie diese in der Gegenwart von Künstler:innen in Frage gestellt wird. Drittens, verbindet es diese Erkenntnisse mit der Analyse immersiver Medientechniken, die halluzinatorische und traumbildgesteuerte Wahrnehmungsprozesse evozieren, und fragt, welche Auswirkungen sie auf neue Handlungsperspektiven haben können. Das Projekt verbindet somit scheinbar disparate Bereiche miteinander und damit bislang wenig erforschte Gebiete, dadurch etabliert es transdisziplinäre Beziehungen zwischen Kunst und Wissenschaft.
- Lotti Brockmann, nationale:r Kooperationspartner:in
- Gabriele Dietze, Humboldt-Universität zu Berlin - Deutschland
- Correll Alexandra - Deutschland
- Sandra Schäfer - Deutschland
- Schmidt Katharina - Deutschland
- Bettina Malcolmess - Südafrika