Die Praxis Spiritueller Theologie
Doing Spiritual Theology
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
-
Spiritual Theology,
Vipassana spirituality,
Ignatian spirituality,
Revelation,
Loci theologici,
Mystics
Das Phänomen, mit dem sich dieses Forschungsprojekt beschäftigt, ist die Beziehung und Wechselwirkung zwischen existentieller Glaubenspraxis und intellektueller Glaubensreflexion. Das Projekt stützt sich auf die Annahme, dass dieses Phänomen nicht ausschließlich im Christentum eine Rolle spielt, sondern dass es als ein religions- und kulturübergreifendes Phänomen verstanden werden kann. Deshalb untersucht dieses Projekt die benannte Beziehung in einer konkreten christlichen Tradition (ignatianisch) sowie in einer konkreten buddhistischen Tradition (Vipassan?). Da Christentum und Buddhismus sehr verschiedene Wege sind, auf die Wirklichkeit zu sehen und diese zu interpretieren, sind auch die Bezeichnungen und Praxen, welche für die Vollzüge "existentielle Glaubenspraxis" und "intellektuelle Glaubensreflexion" verwendet werden, sehr verschieden. Außerdem bezeichnen diese beiden Ausdrücke auch nur Orientierungsmarken, um das Feld zu umschreiben, in dem mehr als zwei Differenzierungen sinnvoll sind. Was den christlichen Zugang betrifft, arbeitet dieses Projekt mit den folgenden Unterscheidungen: (1) Rede zu Gott, (2) Rede von Gott und (3) Rede über Gott. Im budd-histischen Bereich arbeitet das Projekt mit den Unterscheidungen: (1) "meditative insight", (2) "dharma talk" und (3) "scholarly understanding". In diesem Projekt wird eine qualitativ-empirische Untersuchung (Erkenntnisquelle: Erfahrungen von Menschen aus der ignatianischen und Vipassan?-Tradition, welche die Spannung von Glaubenspraxis und Glaubensreflexion leben) mit einer text-hermeneutischen Untersuchung (Erkenntnisquelle: ausgewählte Texte der beiden gewählten Traditionen, welche die Spannung von Glaubenspraxis und Glaubensreflexion thematisieren) verbunden. Schließlich werden die Ergebnisse beider Erkenntnisquellen auf folgende theologische Fragestellungen hin weiterbedacht: " Welche neuen Aspekte bezüglich der Wechselwirkung zwischen existentieller Glaubenspraxis und intellektueller Glaubensreflexion treten in Erscheinung? " Inwiefern kann individuelle Glaubenspraxis als "locus theologicus" gedeutet werden? " Wie ist die Bedeutung von intellektueller Glaubensreflexion für Prozesse von Glaubenspraxis zu verstehen? " Inwiefern sind die Ergebnisse für ein christliches Verständnis eines kontinuierlichen Offenbarungsprozesses von Bedeutung? Die Ziele des Gesamtprojektes sind die Erforschung: (1) des Verhältnisses zwischen existentieller Glaubenspraxis und intellektueller Glaubens-reflexion wie es in den beiden ausgewählten Schulen dargestellt und gelebt wird. (2) möglicher Verstehensweisen von Spiritueller Theologie als akademischer Disziplin und/oder als Stil theologischen Tuns. (3) von Konsequenzen für das christliche Verständnis eines kontinuierlichen Offenbarungsprozesses.
Spiritualität und ganz konkret spirituelle Übungen (wie Kontemplation oder Meditation) haben eine Bedeutung für (religiöse und theologische) Verstehensprozesse und prägen daher auch die im Zuge dieser Prozesse gewonnenen Erkenntnisse. Kurz gesagt: Spiritualität kommt eine epistemologische Relevanz zu. Das ist das wichtigste Ergebnis des Projekts Doing Spiritual Theology. Die ausschließliche Zuordnung von Spiritualität bzw. spirituellen Übungen zum Anwendungsbereich einer religiösen Tradition sowie die Trennung von Spiritualität und Theologie werden damit in Frage gestellt. Spiritualität hat mit Denken zu tun und im (theologischen) Denken hat Spiritualität einen Platz. In weiterer Folge wird durch dieses Projekt genauer geklärt, wie diese epistemologische Bedeutung spiritueller Praxis aussieht. Die folgenden vier Punkte werden herausgearbeitet: - Verstehen setzt eine bestimmte Disposition voraus. - Sowohl Wissen als auch Wahrnehmung können der Täuschung unterliegen. - Theologisches Wissen ist kein neutrales Wissen, sondern vermittelt eine Perspektive. - Verstehensprozesse unterliegen der Spannung von Übung und Unverfügbarkeit. Diese Ergebnisse verändern auch den Blick auf die Offenbarungstheologie. Auch hier gilt es die Verbindung von Inhalt und Prozess neu zu bedenken. Die klassische Lehre von den geistlichen Sinnen kann in diesem Zusammenhang einen angemessenen Platz erhalten. Weiters wirken sich diese Ergebnisse auf die Diskussion rund um die Verortung von Spiritualität im theologisch- akademischen Bereich aus. Ohne die Berechtigung eines Faches, das sich vom Gegenstand der Spiritualität/en her definiert, in Frage zu stellen (Theologie der Spiritualität), lenkt dieses Projekt die Aufmerksamkeit auf eine Stil von Theologie, der sich der genannten Zusammenhänge nicht verschließt, sondern in der Selbstbestimmung darauf basiert. Das Projekt Doing Spiritual Theology basiert auf Zeugnissen aus der christlichignatianischen sowie aus der buddhistischen vipassana Tradition und verbindet methodologisch eine qualitativ- empirische Untersuchung mit einer Literaturarbeit. Die Ergebnisse dieser Arbeit haben eine Bedeutung für den akademisch-theologischen wie auch für den pastoralen Bereich, die beschriebenen Zusammenhänge betreffen akademische Theologinnen und Theologen ebenso wie Gläubige, die im Alltag ihren Glauben zu verstehen versuchen.
- Universität Innsbruck - 100%
- Rosario Rocha, Jnana-Deepa Vidyapeeth-Pontifical Institute of Philosophy and Religion - Indien
- Thomas Kuriacose, Jnana-Deepa Vidyapeeth-Pontifical Institute of Philosophy and Religion - Indien
- Andrew Olendzki, Sonstige öffentl. rechtl. Forschungseinrichtung - Vereinigte Staaten von Amerika
- Mu Soeng, Sonstige öffentl. rechtl. Forschungseinrichtung - Vereinigte Staaten von Amerika