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Hybridisierung in endemischen Tagfaltern

Hybridization between endemic and widespread butterflies

Andrea Grill (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/V169
  • Förderprogramm Elise Richter
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2011
  • Projektende 28.02.2017
  • Bewilligungssumme 235.680 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Speciation, Chemical Ecology, Butterflies, Sardinia, Population Genetics, Climate Change

Abstract Endbericht

Die Hybridisierung ist ein zentraler Faktor in der Evolution. Durch die globale Klimaerwärmung werden sich die Flugzeiten von Tagfaltern wie auch ihre Verbreitungsgebiete verändern. Das könnte zu vermehrter Hybridisierung zwischen nahe verwandten Arten führen, die bislang geographisch voneinander isoliert waren. Auf der Mittelmeerinsel Sardinien findet man die besondere Situation, dass eine weitverbreitete Tagfalterart, das Ochsenauge Maniola jurtina, mit der endemischen Art Maniola nurag zusammentrifft. In den Gebieten des Überlappens hybridisieren die beiden Arten. Im Genus Maniola finden sich noch zwei andere Inselendemiten, M. chia auf der griechischen Insel Chios, und M. cypricola auf Zypern. Von diesen beiden Arten ist keine Hybridisierung mit M. jurtina bekannt. Die Weibchen aller drei Endemiten, sowie der südlichen Populationen von M. jurtina halten im Sommer eine Diapause. Das Überleben bis nach der Diapause ist essentiell für das Fortbestehen der Population, da die Eier erst danach abgesetzt werden. Die vorgeschlagene Studie wird untersuchen: (I) Welche Faktoren begrenzen die Hybridisierung zwischen endemischen und weit verbreiteten Maniola-Arten? (II) Sind endemische Maniola-Arten ökologisch spezialisierter als die weit verbreitete M. jurtina? (III) Welchen Einfluss hat die Klimaerwärmung auf die sommerliche Diapause und das Überleben der Falter? Methodisch wird die genetische Variation und Vermischung der Arten in der F1-Generation mit Hilfe von molekularen Markern wie Microsatelliten und mtDNA festgestellt werden. Kreuzungsexperimente im Labor sollen den Ausmaß der Hybridisierung und die ökologischen Faktoren in denen sich die einzelnen Arten voneinander unterscheiden experimentell feststellen. Die chemische Zusammensetzung der Pheromone wird untersucht, um zu verstehen, in wieweit Hybridisierung durch die Pheromone-Kommunikation zwischen den Arten verhindert wird. Die Auswirkungen des Temperaturanstiegs auf die sommerliche Diapause und den reproduktiven Erfolg der Falter werden anhand von Zuchtexperimenten untersucht. Das vorgeschlagene Projekt baut auf den Ergebnissen der Doktorarbeit der Bewerberin auf. Es wäre eine Fortführung und Vertiefung der interessantesten Fragen, die sich im Zuge vorangegangener Forschung herauskristallisierten. Das vorgeschlagene Studien-System, in dem die endemischen Arten einerseits durch einen ökologischen Gradienten von der weit verbreiteten Schwesterart getrennt werden, und andererseits durch Isolation aufgrund einer Inselsituation, ist einzigartig. Die Studie wird erstens zum Verständnis der Differenzierung trotz möglicher Hybridisierung beitragen, zweitens den Einfluss der Klimaerwärmung auf die sommerliche Diapause von Tagfaltern verdeutlichen.

Hybride, also die Produkte der Vermischung zweier Genpools, standen im Zentrum meines Forschungsprojekts. Dass Hybridzonen bei der Entstehung neuer Arten wahrscheinlich eine große Rolle spielen, ist ein relativ neuer Gedanke, zumindest für Zoologen. Neue Arten, so dachte man, bilden sich nur, wenn der Genfluss zwischen den Ausgangspopulationen behindert wird, also in geographischer Isolation der Populationen zueinander, beispielsweise in einer Inselsituation oder wenn eine Population einer Art auf einem Berggipfel in Isolation gerät. Jetzt wissen wir: Neue Arten entstehen trotz Genfluss und dieser Genfluss ist wahrscheinlich essentiell für ihre Entstehung. Das heißt, neue Arten könnten theoretisch aus einem Pool vollkommen vermischter Individuen entstehen, die sich plötzlich, womöglich durch ökologische Faktoren, in zwei oder mehr unterscheidbare Gruppen aufteilen und auch unterschiedlich bleiben, wenn es weiterhin Genfluss zwischen ihnen gibt. Das ist ein substantieller Paradigmenwechsel im evolutionären Denken. Artbildung trotz Genfluss weiter kann man sich von der These, Artbildung gäbe es nur durch geografische Isolation eigentlich nicht entfernen. In meiner Studie untersuchte ich vor allem die genetische, ökologische und morphologische Variation im Genus Maniola, das sind Tagfalter zu denen auch das in Österreich vorkommende Ochsenauge gehört. Auch in dieser Gattung lässt sich, trotz anhaltendem Genfluss zwischen den Populationen, eine ökologische Differenzierung feststellen, die eines Tages zur Bildung neuer Arten führen kann. Das spannendste Ergebnis meines Projekts resultierte aus einem Experiment, das dazu gedacht war, die Reaktion von Schmetterlingen von unterschiedlicher geographischer Herkunft auf anhaltende Sommerbedingungen zu testen. Die Tiere, die aus mediterranen Gebieten stammten, also eine sommerliche Ruhephase hielten, die man auch Sommerschlaf nennen könnte, zeigten sich erstaunlich flexibel in ihrem Alterungsverhalten. Sie verdoppelten oder verdreifachten ihre Lebenszeit als Reaktion auf veränderte Umweltbedingungen. Dieses Ergebnis könnte die Basis für weitere Arbeiten zu Alterungsprozessen in Insekten bilden. Welche Rolle diese für die Bildung neuer Arten in Hybridzonen spielen, sollte ebenfalls untersucht werden.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Stefan Schulz, Technische Universität Braunschweig - Deutschland

Research Output

  • 2004 Zitationen
  • 8 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Evidence of a complex phylogeographic structure in the common dormouse, Muscardinus avellanarius (Rodentia: Gliridae)
    DOI 10.1111/j.1095-8312.2011.01807.x
    Typ Journal Article
    Autor Mouton A
    Journal Biological Journal of the Linnean Society
    Seiten 648-664
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Evolutionary history and species delimitations: a case study of the hazel dormouse, Muscardinus avellanarius
    DOI 10.1007/s10592-016-0892-8
    Typ Journal Article
    Autor Mouton A
    Journal Conservation Genetics
    Seiten 181-196
  • 2014
    Titel Tracing the radiation of Maniola (Nymphalidae) butterflies: new insights from phylogeography hint at one single incompletely differentiated species complex
    DOI 10.1002/ece3.1338
    Typ Journal Article
    Autor Kreuzinger A
    Journal Ecology and Evolution
    Seiten 46-58
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Signals of Climate Change in Butterfly Communities in a Mediterranean Protected Area
    DOI 10.1371/journal.pone.0087245
    Typ Journal Article
    Autor Zografou K
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2014
    Titel What Prolongs a Butterfly's Life?: Trade-Offs between Dormancy, Fecundity and Body Size
    DOI 10.1371/journal.pone.0111955
    Typ Journal Article
    Autor Haeler E
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Who flies first? – habitat-specific phenological shifts of butterflies and orthopterans in the light of climate change: a case study from the south-east Mediterranean
    DOI 10.1111/een.12220
    Typ Journal Article
    Autor Zografou K
    Journal Ecological Entomology
    Seiten 562-574
  • 2013
    Titel Hybridization and speciation*
    DOI 10.1111/j.1420-9101.2012.02599.x
    Typ Journal Article
    Autor Abbott R
    Journal Journal of Evolutionary Biology
    Seiten 229-246
  • 2013
    Titel Hot summers, long life: egg laying strategies of Maniola butterflies are affected by geographic provenance rather than adult diet.
    Typ Journal Article
    Autor Fiedler K Et Al

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