Reproduktionsverhalten und Humankapital
Reproductive decision-making and human capital
Wissenschaftsdisziplinen
Mathematik (30%); Soziologie (65%); Wirtschaftswissenschaften (5%)
Keywords
-
Reproductive Decision-Making,
Meta-Analysis,
Human Capital,
Lifetime Fertility Intentions,
Education,
Timing In Parity Progression Intentions
Es gibt eine große Anzahl von Studien, in denen die Rolle der Bildung der Frauen bei Entscheidungen in Fragen der Fortpflanzung untersucht wird. Ihre Ergebnisse sind jedoch uneinheitlich, was sich einerseits auf Unterschiede in Messverfahren, Methoden und Studiendesign sowie andererseits darauf zurückführen lässt, dass die relevanten Daten in verschiedenen Ländern und zu verschiedenen Zeiten erhoben wurden. Die uneinheitliche Beziehung zwischen Fortpflanzungsentscheidungen und Humankapital erklärt sich auch aus den komplexen Auswirkungen der Bildung auf die Fruchtbarkeit: diese sind vorwiegend aber nicht ausschließlich negativ und können über die Fruchtbarkeitsdauer eines Individuums Schwankungen aufweisen. In diesem Projekt möchte ich die Beziehung zwischen Fortpflanzungsentscheidungen und weiblichem Humankapital untersuchen, und zwar mit dem Ziel, die bestehenden Uneinheitlichkeiten zu bereinigen. In einem ersten Schritt werde ich eine quantitative Literatursicht vornehmen (eine Metaanalyse), was es mir ermöglicht, die Beziehung zwischen Fortpflanzungsentscheidungen und dem Bildungsniveau quantitativ einzuschätzen sowie ihre Abweichungen in Bezug auf verschiedene Zeiten oder Länder unabhängig von den in den diversen Studien festgestellten Unterschieden zu untersuchen. Als zweites führe ich eine statistische Analyse an ausgewählten ungeklärten oder widersprüchlichen Phänomenen durch, die sich aus der Metaanalyse ergeben haben. Auf diese Weise kann ich die Gründe hinter den vorliegenden nicht übereinstimmenden Ergebnissen näher beleuchten. Die im Rahmen meines Projekts zu erzielenden Forschungsergebnisse werden den bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnisstand über Entscheidungsprozesse zu Fragen der Fortpflanzung bei unterschiedlichen sozialen Gruppen erweitern, was möglicherweise differenzierte politische Eingriffe notwendig macht. Insofern wird das Projekt wichtige Folgerungen für Entscheidungsträger und ein breiteres interessiertes Publikum erschließen.
In den letzten Jahrzehnten haben immer mehr Frauen in Europa und anderen wohlhabenden Staaten einen hohen Bildungsgrad erworben. Diese Tatsache hat den Konflikt zwischen einer Karriere am Arbeitsmarkt und einer Familie mit Kindern verschärft, der gewöhnlicherweise von Frauen mit Universitätsabschluss als gravierender empfunden wird. Ergebnisse des ReCap Projekts zeigen, dass der Konflikt zwischen Arbeit und Familie von hochgebildeten Frauen als nicht so belastend empfunden wird, die a) auf bessere ökonomische Resources ihrer eigenen Mütter zurückgreifen können, b) die von einer erhöhten Chancengleichheit am Arbeitsmarkt profitieren und c) größere Hilfe bei der Kindererziehung und -pflege von ihrem Partner erhalten. Für Frauen, die sowohl arbeiten als auch die Hauptverantwortung im Hinblick auf die Kindererziehung und den Haushalt tragen, stellt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Herausforderung dar. Ob und in welchem Ausmaß die Bildungsinvestitionen von Frauen in Konflikt mit ihrem Kinderwunsch stehen, ist ein Aspekt, der entscheidende Auswirkungen auf die anhaltende niedrige Fertilität in alternden Gesellchaften hat. Das ReCap-Projekt Reproduktionsverhalten und Humankapital (ReCap = Reproductive Decision-Making and Human Capital) untersucht den positiven Zusammenhang zwischen Kinderwunsch und Bildung. Bildung erhöht die Fähigkeit von Menschen auch in späteren Lebensabschnitten noch dazuzulernen und ingesamt gesünder zu leben Fakten, die die Studie dazu veranlassen, ihren Schwerpunkt auf diese spezifische Dimension des Humankapitals zu legen. Die Analyse, die im ReCap Projekt angewandt wird, bestätigt, dass Frauen mit hohem Bildungsniveau sich häufiger ein erstes oder zweites Kind wünschen, als mittelmäßig oder niedrig gebildete Frauen. Doch diese positive Korrelation scheint nach Verwirklichung der Zwei-Kind-Familie, der seit Jahrzehnten vorherrschenden Familienform in Europa, zu verschwinden. Die Gründe warum hochgebildete Frauen eher geneigt sind, einen Kinderwunsch zu äußern, stehen in Zusammenhang mit den besseren Resourcen, die ihnen zur Verfügung stehen, um ihren Kinderwunsch zu planen und die Tatsache, dass sie eher Mütter haben, die bereits selbst eine höhere Bildung vorweisen können. Da sie daher auf bessere sozioökonomische Hilfe zurückgreifen können, sobald ihre Kinderwünsche in die Tat umgesetzt sind, können sie auch leichter eine Entscheidung für ein Kind fällen. Arbeitsmärkte mit ähnlichen Erwerbsquoten für beide Geschlechter und somit einem hohen Anteil von hochqualifizierten weiblichen Arbeitskräften minimieren die Auswirkungen von Bildungsunterschieden im Hinblick auf den Kinderwunsch und ermöglichen es den hochgebildeten Frauen, ihr Ziel auch zu erreichen. Institutionelle Kontexte, die Chancengleichheit am Arbeitsmarkt fördern, unterstützen somit beides, die Entstehung von Kinderwunschintentionen und deren Realisierung. Dies hilft Frauen ihre konkurrierenden persönlichen und beruflichen Karriereziele zu vereinbaren ein Prozess, der für hochqualifizierte Frauen eine besondere Herausforderung darstellt.
- Wirtschaftsuniversität Wien - 100%
Research Output
- 192 Zitationen
- 4 Publikationen
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2014
Titel On the positive correlation between education and fertility intentions in Europe: Individual- and country-level evidence DOI 10.1016/j.alcr.2014.01.005 Typ Journal Article Autor Testa M Journal Advances in Life Course Research Seiten 28-42 Link Publikation -
2014
Titel The Effect of Couple Disagreement about Child-Timing Intentions: A Parity-Specific Approach DOI 10.1111/j.1728-4457.2014.00649.x Typ Journal Article Autor Testa M Journal Population and Development Review Seiten 31-53 -
0
Titel The relation between mother's socio-economic status and daughter's fertility intentions in Austria, Italy, Bulgaria and Norway. Typ Other Autor Skirbekk V Et Al -
2016
Titel Are daughters’ childbearing intentions related to their mothers’ socio-economic status? DOI 10.4054/demres.2016.35.21 Typ Journal Article Autor Testa M Journal Demographic Research Seiten 581-616 Link Publikation