Pazifistinnen im neuen Kontext. Ein transatlantischer Dialog
Women Pacifists Reconsidered: A Trans-Atlantic Dialogue
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (15%); Politikwissenschaften (50%); Rechtswissenschaften (20%); Soziologie (15%)
Keywords
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Friedensforschung,
Peace Research,
Frauenforschung,
Gender Studies,
Trans-Atlantic Dialogue,
First World War
Der Weltfrieden ist ein gesellschaftlich normatives Ideal, das im Lauf der Geschichte zunehmende Zustimmung findet. Dennoch spielen Kriege und bewaffnete Konflikte nach wie vor eine wesentliche Rolle im Weltgeschehen, und wenn ein Krieg erklärt wird, reagieren viele Bürger - ohne aufgefordert worden zu sein, an der Entscheidung mitzuwirken - positiv oder gar begeistert und folgen dem Aufruf ihrer Regierung zur "Selbstverteidigung" oder "nationalen Sicherheit". Dass Frauen bei den Entscheidungsprozessen kaum je präsent sind - aber freilich in zunehmender Zahl Opfer der Kriege werden -, bleibt oft unbeachtet. Ist ihre Abwesenheit ein Zeichen mangelnden Interesses, (stummer) Unterstützung und/oder ihrer Marginalisierung? Zu diesem Thema liegen kaum Untersuchungen vor. Zahlreiche Studien legen jedenfalls den Schluss nahe, dass Krieg für ein Land umso unwahrscheinlicher wird, je demokratischer seine Entscheidungsprozesse sind. Daraus kann eine Interessenskonvergenz zwischen den Zielen des Pazifismus, der Frauenrechte und sozialer Gerechtigkeit abgeleitet werden. Sobald Kriege beginnen, werden die entschiedenen Gegner bewaffneter Konflikten, ob Frauen oder Männer, vielfach zum Schweigen gebracht, wenn nicht physisch und materiell bedroht. Ihre Publikationen werden verboten oder ihre Rechte, öffentlich aufzutreten, eingeschränkt. Manche werden festgenommen, andere müssen fliehen. Und unabhängig davon, wer den Krieg schließlich "gewinnt", gibt es wenig unmittelbares Interesse daran, die Details der jüngeren Vergangenheit zu klären. Fragen wie die, ob es ein "gerechter Krieg" gewesen sei, werden kaum gestellt. Stattdessen stehen meistens die Nachkriegsnormalisierung und Mythenbildungen über den "großen" oder "patriotischen" Krieg auf der Tagesordnung. Ein weiteres Mal werden die KriegsgegnerInnen missachtet. Das beantragte Projekt zielt darauf, einige dieser unbeachtet gebliebenen Akteurinnen einer neuen Betrachtung zu unterziehen. Insbesondere soll es die theoretische Arbeit und die Aktivitäten von Pazifistinnen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts in Österreich-Ungarn, Deutschland, Russland und den USA untersuchen. Einige dieser Frauen sind sehr bekannt, wie die ersten Friedensnobelpreisträgerinnen Bertha von Suttner (1905) und Jane Addams (1931). Viele andere sind weitgehend vergessen, etwa Anna Eckstein, Helene Granitsch, Andrea H. Proudfoot und Dr. Shchishkin-Jawein. Was veranlasste diese Frauen, gegen den militaristischen Geist ihrer Zeit für den Frieden zu kämpfen? Welche Rolle spielten internationale Kontakte und Mobilität in ihren Bemühungen? Inwieweit gelang es ihnen, in ihrer Heimat und im Ausland Netzwerke zu bilden? Wie haben sich ihre Überzeugungen im Lauf des Ersten Weltkriegs gewandelt? Der Werdegang dieser Pazifistinnen kann auch zu einem besseren Verständnis der Herausforderungen führen, die engagierte Frauen heute unter der immer noch wirksamen Dominanz patriarchaler Strukturen auf sich nehmen, welche Macht über Recht stellen und Frauen in Gesellschaft und politischer Entscheidungsfindung zu marginalisieren trachten.
- Universität Innsbruck - 100%