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Gender: G.W.F. Hegel - Franz Rosenzweig - Jacques Derrida

Gender: G.W.F. Hegel - Franz Rosenzweig - Jacques Derrida

Brigitta Keintzel (ORCID: 0000-0003-0199-218X)
  • Grant-DOI 10.55776/V345
  • Förderprogramm Elise Richter
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.02.2014
  • Projektende 31.01.2020
  • Bewilligungssumme 343.358 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (100%)

Keywords

    Gender, Love, Feminism, Nature, Ethics, Religion

Abstract Endbericht

Thema des Forschungsprojektes sind die philosophischen Geschlechtertheorien von Rosenzweig und Derrida, die mit Hegels Phänomenologie des Geistes einer Neulektüre unterzogen werden. Die philosophische Entwicklung von Hegel zu Rosenzweig und Derrida zur Gender-Thematik eröffnet ein wichtiges Forschungsfeld für das Verständnis der Philosophie des 20. Jahrhunderts, das zu Unrecht in gegenwärtigen und historischen Debatten vernachlässigt worden ist. Franz Rosenzweig und Jacques Derrida sind Vertreter einer Philosophie des 20. Jahrhunderts, die bislang auf völlig getrennten Wegen gelesen wurden. Hier wird ein anderer Weg vorgeschlagen. Die philosophischen Geschlechtertheorien von Rosenzweig und Derrida werden über eine gemeinsame Voraussetzung (und Abgrenzung), nämlich Hegels Phänomenologie des Geistes, thematisiert. Mit dem Stern der Erlösung beansprucht Franz Rosenzweig ein philosophisch systematisches Werk. Damit wagt er sich mit dem vielleicht größten philosophischen Systematiker aller Zeiten, mit Hegel, zu messen und mit ihm in Konkurrenz zu treten. Dieses komplexe Verhältnis zu erforschen ist zentrales Anliegen des Projektes. Jacques Derrida wird in diesem Projekt als Dialogpartner begriffen, um die philosophische Auseinandersetzung mit Hegel und Rosenzweig zu vertiefen, aber auch auf eine neue Ebene der Betrachtung zu bringen. Indem nicht nur seine reale Auseinandersetzung mit Hegel, sondern auch ein virtueller Dialog mit Rosenzweig angestrebt wird, soll ein Desiderat für die Erforschung noch nicht geschlossener Lücken in der Philosophie des 20. Jahrhunderts geliefert werden. . Das Projekt beschreitet neue Wege, diese Denker in ein Verhältnis zueinander zu setzen. Diese Zugangsweise soll wichtige Auswirkungen für das Verständnis der europäischen Philosophie und die ihr verwandten Disziplinen haben, wie Kultur-, Vergleichende Literaturwissenschaft, Politische Theorie, vergleichende Religionswissenschaft, Gender und Jüdische Studien.

Das Projekt lieferte eine Vielzahl von Erkenntnissen, die eine vertiefte Untersuchung der Beziehung zwischen idealistischer Philosophie und Franz Rosenzweigs Philosophie des Dialogs und der Alterität ermöglicht haben. Gerade durch die Berücksichtigung von Geschlechterfragen und gender-relevanten Themen konnte ein Dialog zwischen ich-zentrierten Denkansätzen und solchen, die auf dem Leitfaden des Anderen basieren, hergestellt werden. Ein Schwerpunkt dieses Dialogs ist der vergessene Körper in der westlichen Denktradition und die Beschreibung der daraus resultierenden Probleme. Weitere Schwerpunkte des Projekts waren Liebe, Gerechtigkeit, Erinnerung, Geschichte, Körper, Menschenrechte, Verantwortung und ethischer Widerstand. Die dialogbasierte Philosophie liefert wichtige Erkenntnisse für eine Philosophie, die die Gleichstellung der Geschlechter fördert. Philosophinnen und Philosophen entwickeln ihre Gedanken nicht in völliger Isolation und Unabhängigkeit von bestehenden Einflüssen und kulturellen Strömungen, vielmehr sind diese von einer Vielzahl von Einflüssen geprägt, die in den jeweiligen Schriften ihren Ausdruck gefunden haben. Mit anderen Worten: Nur wenn wir uns vom Bild eines heroischen (meist männlichen) Einzeldenkers verabschieden, der unabhängig von den verschiedenen bestehenden philosophischen, kulturellen und geschlechtsspezifischen Einflüssen philosophiert, wird es uns gelingen, die Pluralität der Erscheinungsweisen im Medium der Vernunft zu erfassen. Eine Philosophie, die im Dialog mit verschiedenen Denkschulen, aber auch im Dialog mit historischen, kulturellen und geschlechtsspezifischen Einflüssen steht, ist mit den Grundanliegen einer geschlechtergerechten Philosophie kompatibel und sogar konstitutiv. Auch Gender ist nicht ein isolierter Faktor, sondern eng mit philosophischen Schlüsselfragen verknüpft. Eine auf dem Dialog basierende Philosophie beansprucht Subjekte oder Gruppierungen nicht in einer Metaperspektive zu beschreiben. Abstrakte Denkmodelle sind besonders dann mangelhaft, wenn sie mit Geschlechterdichotomien, Stereotypen und anderen Formen der Diskriminierung in Verbindung gebracht werden. Die Berücksichtigung der Philosophie der Alterität erlaubt einen Ansatz, der den Körper nicht ausschließt. Sie beruht auf einem Formalismus, nämlich dem Formalismus des sprechenden und des hörenden Gesichts. Dieser Formalismus wurde von Rosenzweig und Levinas als eine in der europäischen Philosophie unterbelichtete Facette erkannt und zum zentralen Ausgangspunkt einer philosophischen Betrachtung gemacht. Auch ihre Philosophie entstand nicht unabhängig, sondern in aktiver, dialogischer Auseinandersetzung mit der europäischen Philosophie. Die daraus resultierenden Forschungsdialoge können nicht nur Wege aufzeigen, wie Forschungslücken in der Geschlechterphilosophie zumindest teilweise geschlossen werden können, sondern sie können auch zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Geschichte und zu einer Infragestellung totalitärer Ideologien und ihrer Verflechtung mit akademischen Traditionen beitragen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Sigrid Weigel, Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin e.V - Deutschland
  • Robert Bernasconi, The Pennsylvania State University - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 9 Publikationen
  • 1 Disseminationen
Publikationen
  • 2020
    Titel Vom Musikalischen Hören und Verstehen
    Typ Journal Article
    Autor Brigitta Keintzel
    Journal Hegel-Jahrbuch
    Seiten 309-316
  • 2020
    Titel Spüren, Hören und Verstehen der Stimme. Die Stimme als Leitfaden für inter- und intrasubjektive Dialoge; In: Spüren, Hören und Verstehen der Stimme. Die Stimme als Leitfaden für inter- und intrasubjektive Dialoge
    Typ Book Chapter
    Verlag Brandes & Apsel
  • 2020
    Titel The Other as Categorical Imperative - Levinas's reads Kant
    Typ Journal Article
    Autor Brigitta Keintzel
    Journal Levinas Studies An Annual Review
  • 2017
    Titel "Like a Virgin - Levinas's antiplatonic-platonic understanding of love and desire".
    Typ Journal Article
    Autor Brigitta Keintzel
    Journal Levinas Studies An Annual Review
    Seiten 21-39
  • 2018
    Titel Dauer und Augenblick: Rosenzweigs Verständnis vom Und
    Typ Journal Article
    Autor Brigitta Keintzel
    Journal Rosenzweig-Jahrbuch
    Seiten 240-261
  • 2014
    Titel Freuds Moses und Levinas' Antwort; In: Vom Unbewussten III-IV. Sigmund-Freud-Vorlesungen 2014 - Das Unbewusste im Symptom, Kultur und Gesellschaft
    Typ Book Chapter
    Verlag Mandelbau
    Seiten 114-123
  • 2014
    Titel "The Notion of Love in Hegel and Levinas"; In: Los aportes del itinerario intelectual de Kant a Hegel : Comuniaciones del l Congreso Germano - Latinoamericano sobre la Filosofa de Hegel
    Typ Book Chapter
    Seiten 848-879
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Liebe als Versöhnung oder Liebe als Gerechtigkeit -- Hegel und Levinas im Dialog; In: Neuere Aspekte in der Philosophie: aktuelle Projekte von Philosophinnen am Forschungsstandort Österreich
    Typ Book Chapter
    Seiten 147-167
  • 2015
    Titel "Bilder die bluten. Die Materialität der Bilder und die Grenzen des Darstellbaren".; In: Are you sure to exist
    Typ Book Chapter
    Verlag Schleebrügge
    Seiten 4-44
Disseminationen
  • 2014 Link
    Titel Talk (Internationale Hegel Gesellschaft 2014) -- Wissen, Vorwissen, Nicht Wissen - Hegels Auseinandersetzung mit Kant im Kanon der Disziplinen Vortrag im Rahmen des Internationalen Hegelkongresses: Hegels Antwort auf Kant veranstaltet von der Internationalen Hegel Gesellschaft und dem Institut für Philosophie an der Universität Wien
    Typ A talk or presentation
    Link Link

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