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Oxforder Theologie des 14. Jahrhunderts an der Universität Wien

Fourteenth-Century Oxford Theology at the University of Vienna

Edit Anna Lukacs (ORCID: 0000-0002-2560-0761)
  • Grant-DOI 10.55776/V356
  • Förderprogramm Elise Richter
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2014
  • Projektende 31.12.2018
  • Bewilligungssumme 319.704 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (70%); Philosophie, Ethik, Religion (30%)

Keywords

    Manuscripts, University of Vienna, Oxford theology, Reception History, Late Middle Ages

Abstract Endbericht

Das göttliche Wissen ist im Mittelalter Gegenstand von grundlegenden Auseinandersetzungen an den zwei wichtigsten Universitäten Westeuropas, in Paris und Oxford, gewesen. In Oxford haben sich von Wilhelm von Ockham bis Thomas Bradwardine die theologischen Debatten insbesondere dem göttlichen Wissen von den zukünftigen kontingenten Ereignissen gewidmet. Der Einfluss der damit verbundenen Diskussionen oder der subtilitates anglicanae auf den europäischen Kontinent ist im Falle der Universität von Paris eine nachgewiesene Tatsache. In diesem Projekt möchte ich mich mit der Rezeption der Oxforder Debatten an der theologischen Fakultät der ältesten Universität des deutschen Sprachraums, Wien, in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens befassen. In den in Wien verfassten theologischen Texten nimmt die Diskussion über das göttliche Wissen tatsächlich breiten Raum ein: Heinrich von Langenstein in seinem Genesis-Kommentar, Heinrich Totting von Oyta in Quaestio 10 zu Buch I der Sentenzen oder Disputationen an der Theologischen Fakultät haben sich mit dem Umfang und dem Einfluss des göttlichen Wissens beschäftigt. In der Diskussion dieser Themen zeigen die Wiener Theologen eine gründliche Kenntnis des einschlägigen Oxforder Denkens, wie es Zitate aus Werken des Robert Holcot, Thomas Buckingham oder Richard FitzRalph zeigen. Das Projekt widmet sich also der Periode von der Gründung der Theologischen Fakultät der Universität Wien (1384) bis ungefähr zum Ende des Großen Abendländischen Schismas (1417). Das zu untersuchende Textcorpus besteht aus den vorwiegend handschriftlich überlieferten akademischen Schriften der ersten zwei Generationen der Wiener Theologen von Heinrich von Langenstein bis Petrus von Pulkau und den anonymen und kollektiven Werken der Theologischen Fakultät. Das Projekt analysiert dementsprechend (1) die Bibel-Kommentare, (2) die Sentenzenkommentare, und (3) die Disputationen. Das Projekt will einen wesentlichen Beitrag zur intellektuellen Geschichte des Mittelalters liefern. Indem es ein großes Corpus von zum überwiegenden Teil ungedruckten theologischen Werken untersucht, setzt es sich zum Ziel, die Oxforder Thesen einerseits und ihre Wiener Rezeption andererseits zu erfassen, d.h. am Beispiel der Lehre vom göttlichen Wissen sowohl Abhängigkeit als auch Eigenständigkeit zu entdecken und näher zu bestimmen. Diese Betrachtungsweise soll erstmals dadurch vertieft werden, dass sie nicht nur synchron, sondern auch diachron durch einen Vergleich des Denkens von zwei Theologengenerationen und anhand von sowohl Bibel- und Sentenzenkommentaren, als auch von Disputationen durchgeführt wird.

Die theologische Tradition an der neuen Universität Wien (1384ca. 1420) war nicht ausschließlich neu. Während es den an der Universität Paris definierten Dogmen gefolgt wurde, an der die überwiegende Mehrheit des ersten Lehrkörpers ihr Studium gemacht hat, entwickelten einige der Wiener Professoren eine konsequente Verwerfung bestimmter, bei englischen Theologen und Philosophen entworfenen Thesen (Wilhelm von Ockham / Syllogismen über die Inkarnation u. Trinität; Robert Holkot / Hypothese vom lügenden Christus; Thomas Bradwardine / theologischer Determinismus). Dieses Projekt, nachdem es alle drei Gattungen des Unterrichts an der mittelalterlichen Fakultät für Theologie überprüft hat, d.h. die Disputationen, die Sentenzen- und die Bibelkommentare, legte es einen Schwerpunkt auf die Analyse der Bibelkommentare dreier deutschen Professoren: 1) Heinrich von Langenstein (Genesis); 2) Heinrich Totting von Oyta (Psalmen 150); Lambert von Geldern (Kleine Propheten). Im Gegensatz zu den Bibelkommentaren zum Neuen Testament der Generation von Theologen, die auf die bei Nikolaus von Dinkelsbühl um 1400 durchgeführte Umwandlung theologischen Unterrichts in Wien folgten, enthält die Bibelauslegung dieser drei Theologen ausgedehnte philosophische Diskussionen insbesondere englischer Theologie. Die Überlegungen von Langenstein, Oyta und Geldern sind keine bloße Verwerfungen, sondern eigenständige und konstruktive Entwürfe zur klassischen Debatte über die Wirksamkeit des menschlichen Willens, die in ihrem Inhalt und Geltungsbereich sehr unterschiedlich sind. Zusätzlich zur Erarbeitung des ersten diachronischen Einblicks in die Vorlesungen über die Bibel an der Universität Wien, brachte das Projekt mehrere kürzere Texteditionen hervor, korrigierte Zuschreibungen, identifizierte Teile aus Nikolaus von Dinkelsbühls verlorenen Einführungsvorlesungen über die Sentenzen, und hat einige Schlüsselhandschriften mit Disputationen aus der frühen Universitätsgeschichte beschrieben. Die neuen Einsichten, die dadurch gewonnen wurden, bestätigen, dass die ersten Jahrzehnte der neuen Institution eine ihrer kreativsten und spannendsten Perioden waren, wo unterschiedliche akademische Traditionen (Paris, Oxford, Prag) einen wirksamen Einfluss auf Wien ausübten.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 1 Publikationen
Publikationen
  • 2016
    Titel Some Further Theological Disputations at Vienna in the Fifteenth Century
    DOI 10.1484/j.bpm.5.113343
    Typ Journal Article
    Autor Lukács E
    Journal Bulletin de Philosophie Médiévale
    Seiten 325-353

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