Die Gründungsgeschichte der IAEA, 1953-1957
The Creation of the IAEA, 1953-1957
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
International Atomic Energy Agency,
Global Cold War,
Austria in the Cold War,
International Nuclear History,
Nonproliferation Regime
1957 wurde die International Atomic Energy Agency (IAEA) in Wien gegründet. Bis heute ist die IAEA die größte internationale Organisation in Österreich. Die Atomprogramme Nordkoreas und des Iran, die mögliche Gefahr durch nuklearen Terrorismus und die Debatten über die Zukunft der Atom- energie unterstreichen die andauernde Relevanz dieser Organisation für die international nukleare Ordnung. Das Projekt setzt sich zum Ziel, die erste umfassende Studie zur Gründung dieser zentralen Institution zu liefern und will damit zu dem pulsierenden Forschungsfeld der International Nuclear History entscheidend beitragen. Der Kalte Krieg war zentral von der Konfrontation der Großmächte und der atomaren Bedrohung ge- prägt. Im Gegensatz dazu steht die Gründung der IAEA, die erst durch die erfolgreiche Kooperation der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten möglich wurde. Warum arbeiteten beide Staaten bei der Gründung der IAEA zusammen? Wie wirkten sich die Krisen des Kalten Krieges, wie der Aufstand in Ungarn und die Suezkrise im Jahr 1956, auf die Verhandlungen aus? Die Gründung der IAEA war jedoch auch ein globales Unterfangen: Delegationen aus Afrika, Asien, Australien, Nord- und Süd- amerika waren an den Diskussionen beteiligt. Während der vierjährigen Verhandlungen über die IAEA-Statuten forderten die sogenannten Entwicklungsländer, dass die IAEA nicht dazu beitragen solle, globale Ungleichheiten zu verstärken, Diskrimination zu praktizieren oder gar einen atomaren Kolonialismus zu betreiben. Was für eine Organisation stellten sich die beteiligten Staaten vor? Und warum wurde die IAEA ausgerechnet in Wien eröffnet? Eine grundlegende Studie zu den Anfängen der IAEA bietet damit auch die Möglichkeit, allgemeiner über den Kalten Krieg nachzudenken und die Frage zu untersuchen, was der Kalte Krieg war und in welchem Verhältnis er zu anderen internationa- len Entwicklungen im 20. Jahrhundert stand. Darüberhinaus bietet die Gründungsgeschichte der IAEA eine wichtige Fallstudie, um die Anfänge des globalen Nichtverbreitungsregimes eingehender zu ana- lysieren. Das Projekt bedient sich eines innovativen, multi-archivalischen Zugangs und bezieht sich auf Doku- mente aus österreichischen und internationalen Archiven. Dabei sollen neue Quellen für die Forschung zugänglich gemacht werden, unter anderem aus dem Archiv der IAEA in Wien, das erst wenig für die historische Forschung genutzt wurde. Im Sinne der Open-Access-Politik des FWF sollen wichtige Dokumente in einem Online-Archiv zugänglich gemacht werden. Das Projekt ist auf vier Jahre ange- legt (2015-2018) und ist am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien angesiedelt. Es ist Partner des Nuclear Proliferation International History Project (NPIHP).
Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEA) spielt eine Schlüsselrolle in der globalen nuklearen Ordnung. Sie ist zudem die älteste und größte internationale Organisation in Österreich. Die Frühgeschichte dieser Organisation ist daher von zentraler Bedeutung für die Geschichte der internationalen Beziehungen. Gegründet in einer Zeit intensiver globaler Spannungen, die durch den Kalten Krieg ausgelöst wurden, steht die IAEA für einen großen Erfolg in der Geschichte der internationalen Zusammenarbeit. Trotz der Zerstörung und des Schreckens, welche die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki im Jahr 1945 auslösten, wurde erst 1953 die entscheidende Initiative zur Gründung einer internationalen Atomenergieorganisation gesetzt. Damals hielt der amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower seine berühmte Rede "Atome für den Frieden" vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York und schlug darin die Gründung der IAEA vor. Nach Eisenhowers Rede dauerte es dagegen nur vier Jahre, bis die IAEA eröffnet wurde. Dies war das Resultat einer unglaublichen Verhandlungsleistung, nicht zuletzt, da komplexe Fragen zum Mandat und den Statuten, zum Standort und zu Personalangelegenheiten geklärt werden mussten. Als die Statuten der IAEA verhandelt wurden, besaßen erst drei Staaten Atomwaffen und der heute so zentrale Begriff der nuklearen Nichtverbreitung war noch nicht in Gebrauch. Während die Verhandlungsführer die Grundlagen der neuen Organisation diskutierten, sahen sie teilweise auch Tätigkeitsfelder voraus, welche die spätere Organisation nie ausführte auf der anderen Seite vernachlässigten sie heute wichtige Aspekte wie etwa die potentielle Bedrohung durch nuklearen Terrorismus. Der Aufgabenbereich der IAEA ist weit gefasst: sie soll die friedliche Nutzung der Nukleartechnologie, nicht aber deren militärische Anwendungen fördern. In einer angespannten Phase des Kalten Krieges wurden die IAEA-Statuten in einem bemerkenswerten Akt der Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion verfasst. Gleichzeitig befürchteten die Entwicklungsländer, dass das von der IAEA vorgeschlagene Kontrollregime die Welt in atomare "Besitzende" und "Habenichtse" teilen würde. Erkenntnisse darüber, warum es trotz dieser Schwierigkeiten zur erfolgreichen Gründung der IAEA kam, kann auch in einem allgemeineren Sinne die Diskussion über KooperationundKonfliktin den internationalenBeziehungen bereichern.
- Universität Wien - 100%
- Christian F. Ostermann, Woodrow Wilson Center - Vereinigte Staaten von Amerika
- Vinod Kumar, John Innes Center - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 14 Zitationen
- 1 Publikationen
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2018
Titel Negotiating Verification: International Diplomacy and the Evolution of Nuclear Safeguards, 1945–1972 DOI 10.1080/09592296.2017.1420520 Typ Journal Article Autor Roehrlich E Journal Diplomacy & Statecraft Seiten 29-50 Link Publikation