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Das Volk schreibt! Autobiographien "kleiner Leute" in Polen, 1918-1950

The People Write! Polish Everyman Autobiography, 1918-1950

Katherine Anne Lebow (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/V422
  • Förderprogramm Elise Richter
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2015
  • Projektende 30.09.2016
  • Bewilligungssumme 216.111 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Sozialwissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (60%); Soziologie (30%)

Keywords

    History, East Central Europe, Poland, 20th century, Autobiography, Social Science

Abstract Endbericht

Meine Forschung fokussiert auf zwischen den beiden Weltkriegen verfasste Autobiographien von Bäuerinnen und Bauern, Arbeiterinnen und Arbeitern und anderen gewöhnlichen Leuten in Polen. In den 1920er Jahren konzipierten polnische Soziologen Autobiographie-Wettbewerbe als eine Methode, um persönliche Narrative von Arbeitern, Bauern, Jugendlichen, Angehörigen von Minderheiten, Arbeitslosen und anderen zu erhalten. Die besten Texte in jeder sozialen Gruppe wurden prämiert. Diese polnische Methode der Sozialforschung, wie sie international bald bekannt wurde, übertraf alle Erwartungen der beteiligten Forscher. Bis zu den 1930er Jahren hatten diese Wettbewerbe eine lebendige Kultur des Autobiographie-Schreibens hervorgebracht, die unterschiedlichste Milieus von bäuerlichen Jugendgruppen bis hin zu jüdischen Kulturzirkeln umfasste. Gleichzeitig wurden veröffentlichte Sammlungen solcher sogenannter sozialer (oder Wettbewerbs-)Autobiographien zu Bestsellern, wurden in der Öffentlichkeit breit diskutiert und mit angesehenen Literaturpreisen ausgezeichnet. Mithilfe eines interdisziplinären und transnationalen Zugangs wird mein Projekt diese sozialen Autobiographien vor dem breiteren Hintergrund der Mitte des 20. Jahrhunderts herrschenden Faszination für dokumentarische Representationen des kleinen Mannes untersuchen. Ziel meiner Forschung ist eine Monographie mit dem Arbeitstitel The People Write! Polish Everyman Autobiography from the Great Depression to the Holocaust, basierend auf Originalquellen aus polnischen und US-amerikanischen Archiven einschließlich hunderter unveröffentlichter Autobiographien. Indem es untersucht, wie solche sozialen Autobiographien Verbindungen zwischen dem Persönlichen und dem Politischen aufspannten, wird mein Buch einen wichtigen Beitrag zur Sozial-, Kultur- und politischen Geschichte von Osteuropa, zur transatlantischen Ideengeschichte der Sozialwissenschaften und zum interdisziplinären Feld der Autobiographieforschung leisten. Mein Projektnähert sich diesen Autobiographien als einen Austausch zwischen Wissenschaftlern, ihren sozial marginalisierten Forschungssubjekten, und dem Lesepublikum. Dieser Austausch wird in Zeit und Raum nachgezeichnet. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Einflüsse auf die polnische öffentliche Sphäre, die internationale Sozialwissenschaft und neue Formen der Lebensbeschreibung, die aus der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges hervorgingen, insbesondere Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden. Letztlich geht es mir nicht nur darum, was soziale Autobiographien uns über Polen in der Zwischenkriegszeit mitteilen können, sondern um Erkenntnisse über die globalen Auswirkungen von lokalen narrativen Praktiken. Eine Untersuchung, wie persönliche Narrative zwischen circa 1930 und 1950 zu öffentlicher Wirksamkeit gelangten und oft Gegenstand von Auseinandersetzungen wurden, kann meiner These nach dazu beitragen, die sich wandelnden globalen Diskurse über Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und politische Ethik vor und nach dem Zweiten Weltkrieg in ein neues Licht zu stellen.

Meine Forschung fokussiert auf zwischen den beiden Weltkriegen verfasste Autobiographien von Bäuerinnen und Bauern, Arbeiterinnen und Arbeitern und anderen gewöhnlichen Leuten in Polen. In den 1920er Jahren konzipierten polnische Soziologen Autobiographie-Wettbewerbe als eine Methode, um persönliche Narrative von Arbeitern, Bauern, Jugendlichen, Angehörigen von Minderheiten, Arbeitslosen und anderen zu erhalten. Die besten Texte in jeder sozialen Gruppe wurden prämiert. Diese polnische Methode der Sozialforschung übertraf alle Erwartungen der beteiligten Forscher. Bis zu den 1930er Jahren hatten diese Wettbewerbe eine lebendige Kultur des Autobiographie-Schreibens hervorgebracht, die unterschiedlichste Milieus von bäuerlichen Jugendgruppen bis hin zu jüdischen Kulturzirkeln umfasste. Gleichzeitig wurden veröffentlichte Sammlungen solcher sogenannter sozialer (oder Wettbewerbs-)Autobiographien zu Bestsellern, wurden in der Öffentlichkeit breit diskutiert und mit angesehenen Literaturpreisen ausgezeichnet. Basierend auf Originalquellen aus polnischen und US-amerikanischen Archiven einschließlich hunderter unveröffentlichter Autobiographien, nähert sich mein Projekt diesen Autobiographien als einen Austausch zwischen Wissenschaftlern, ihren sozial marginalisierten Forschungssubjekten, und dem Lesepublikum. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Einflüsse auf die polnische öffentliche Sphäre, die internationale Sozialwissenschaft und neue Formen der Lebensbeschreibung, die aus der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges hervorgingen, insbesondere Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden. Letztlich geht es mir nicht nur darum, was soziale Autobiographien uns über Polen in der Zwischenkriegszeit mitteilen können, sondern um Erkenntnisse über die globalen Auswirkungen von lokalen narrativen Praktiken. Eine Untersuchung, wie persönliche Narrative zwischen circa 1930 und 1950 zu öffentlicher Wirksamkeit gelangten und oft Gegenstand von Auseinandersetzungen wurden, kann meiner These nach dazu beitragen, die sich wandelnden globalen Diskurse über Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und politische Ethik vor und nach dem Zweiten Weltkrieg in ein neues Licht zu stellen.

Forschungsstätte(n)
  • Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Joanna Wawrzyniak, Warsaw University - Polen
  • Malgorzata Mazurek, Columbia University New York - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 5 Publikationen
Publikationen
  • 2016
    Titel Halina Krahelska's Warsaw Chronicle (1941-1943): Documenting the Holocaust on the Other Side of the Wall.
    Typ Book Chapter
    Autor Als Der Holocaust Noch Keinen Namen Hatte. Zur Frühen Aufarbeitung Des Ns-Massenmords An Jüdinnen Und Juden/Before The Holocaust Had Its Name. Early Confrontatons Of The Nazi Mass Murder Of The Jews
  • 2016
    Titel Review: P. Babiracki, Soviet Soft Power in Poland.
    Typ Journal Article
    Autor Lebow Ka
    Journal Slavic Review
  • 2015
    Titel La voix et le regard : les régimes visuels des concours d’autobiographies polonais, 1930-1984
    DOI 10.3917/crii.068.0061
    Typ Journal Article
    Autor Lebow K
    Journal Critique internationale
    Seiten 61-79
  • 2016
    Titel Review: E. Tucker, Remembering Occupied Warsaw: Polish Narratives of World War II.
    Typ Journal Article
    Autor Lebow Ka
    Journal Pol-­Int
  • 2016
    Titel Review: C. Kuznitz, Yivo and the Making of Modern Jewish Culture: Scholarship for the Yiddish Nation.
    Typ Journal Article
    Autor Lebow Ka
    Journal H-­Poland

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