Pädagogischer Umgang mit Ungewissheit: Eine phänomenologische Studie
Learning to Teach in Uncertainty: A Phenomenological Study
Wissenschaftsdisziplinen
Erziehungswissenschaften (100%)
Keywords
-
Diversity Competence,
Teacher Education,
Phenomenology of Practice,
Social Change,
Bildung,
Pedagogical Tact
Wir erleben Zeiten seismischer Veränderungen in unserer gesellschaftlichen Landschaft; das ist der neue Normalzustand. Diese Studie befasst sich mit Lehrerinnen und Lehrern, aber auch mit LehrerInnenbildung in Zeiten sozialer Umwälzungen. Die Studie ist vor allem daran interessiert zu beschreiben, was es für LehrerInnen bedeutet, in ihrem schulischen Alltag mit zunehmenden Ungewissheiten umzugehen, die sich aus gesamtgesellschaftlichen Bewegungen und Veränderungen ergeben. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf aktuellen Herausforderungen im pädagogischen Umgang mit migrationsbedingter Vielfalt in der Schule. In der Praxis stellt sich oft die Frage, wie man als PädagogIn Verschiedenheit anerkennt, zulässt und annimmt, ohne in festgefahrene "wir"- und "euch"- Kategorien zu verfallen. Es geht um Konzepte, die neue Antworten möglich machen, und um Perspektiven, die uns ermöglichen, die unausweichliche Spannung des Umgangs mit Ungewissheit positiv und produktiv tragen zu können. Die Studie baut auf Erkenntnissen auf, welche die Forscherin bei ihrer bisherigen Forschungsarbeit gewinnen konnte, und baut diese aus, um eine zusammenhängende Auseinandersetzung mit der Frage des pädagogischen Umgangs mit Ungewissheit zu erzielen. Dabei werden Einsichten und Erkenntnisse aus den früheren Veröffentlichungen der Forscherin zusammengestellt, die sich daraus ergebende Fragen aufgegriffen, und der reichhaltige Fundus der im Laufe der Jahre gesammelten Interviews mit Lehrpersonen aufs Neue untersucht und im Hinblick auf die zentrale Forschungsfrage analysiert. Es wird mit einer kritischen Haltung gegenüber der Dominanz der evidenz- und kompetenzbasierten LehrerInnenbildung gefragt: Welche Sprache und welcher Wortschatz dient dazu, über das Lehrer-Sein, -Tun und -Werden unter den Bedingungen sozialen Wandels zu sprechen? Es geht hier um die Begriffe und Konzepte, die wir in unserer Sprache verwenden, wenn wir über das Lehrer-Sein und das Lehrer-Werden sprechen. Worte und Begriffe können nicht alles ändern, aber sie bestimmen zu einem großen Teil, was gesagt und getan werden kann - wenn wir die Worte dafür haben - und was nicht gesagt und getan werden kann, weil wir nicht benennen können, was uns fehlt. Das Projekt zielt ferner darauf ab, abgeleitet von den Ergebnissen der Studie, ein didaktisches Konzept für forschungsbasierte Lehrveranstaltungen im Lehramtsstudium zu skizzieren und somit einen Beitrag zur Hochschuldidaktik auch im Rahmen eines universitären Massenstudiums zu leisten.
Wir erleben Zeiten seismischer Veränderungen in unserer gesellschaftlichen Landschaft; das ist der neue Normalzustand. Diese Studie befasst sich mit Lehrerinnen und Lehrern, aber auch mit LehrerInnenbildung in Zeiten sozialer Umwälzungen. Die Studie ist vor allem daran interessiert zu beschreiben, was es für LehrerInnen bedeutet, in ihrem schulischen Alltag mit zunehmenden Ungewissheiten umzugehen, die sich aus gesamtgesellschaftlichen Bewegungen und Veränderungen ergeben. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf aktuellen Herausforderungen im pädagogischen Umgang mit migrationsbedingter Vielfalt in der Schule. Die Untersuchung nimmt zur Kenntnis, dass Lehrpersonen durch die Art der Vielfalt mit der sie zunehmend konfrontiert sind, nicht selten überfordert sind, und dass die wachsende Herausforderung nach Antworten schreit. Gleichzeitig wird festgestellt, dass das Vorschreiben und Aufzählen, was Lehrer tun sollten, zu kurz greift, um die Fragen an den Wurzeln anzugehen. Die Studie fragt: "Was muss gesehen und verstanden werden, um geeignete Maßnahmen anbieten zu können?" Die Studie baut auf Erkenntnissen auf, welche die Forscherin bei ihrer bisherigen Forschungsarbeit gewinnen konnte, und baut diese aus, um eine zusammenhängende Auseinandersetzung mit der Frage des pädagogischen Umgangs mit Ungewissheit zu erzielen. Dabei werden Einsichten und Erkenntnisse aus den früheren Veröffentlichungen der Forscherin zusammengestellt, die sich daraus ergebende Fragen aufgegriffen, und der reichhaltige Fundus der im Laufe der Jahre gesammelten Interviews mit Lehrpersonen aufs Neue untersucht und im Hinblick auf die zentrale Forschungsfrage analysiert. Es wird mit einer kritischen Haltung gegenüber der Dominanz der evidenz- und kompetenzbasierten LehrerInnenbildung gefragt: Welche Begriffe und Konzepte dienen dazu, über das Lehrer-Sein, -Tun und -Werden unter den Bedingungen sozialen Wandels zu sprechen? Die Analyse rückt LehrerInnen, ihre Erfahrung und ihre Stimme in den Vordergrund. Lehrergeschichten erzählen vom Tun und Handeln in Situationen von häufigen Kollisionen; Kollisionen von Identität und Zugehörigkeit, Beziehungen und Kosmologien. Die Ergebnisse enthüllen vielfältige Momente der Ungewissheit, des Zweifels und der Ratlosigkeit an pulsierenden, verwirrenden Kreuzungen. Um zu artikulieren, was es bedeutet als Lehrer an diesen Schnittstellen von Spannung und Möglichkeit zu agieren, wird das Konzept des pädagogischen Takts neu-bestimmt und im Kontext des Diversitätsdiskurs als Diversitätstakt vogeschalgen. Dabei geht es nicht darum, über das ausgeprägte Taktgefühl oder die schroffe Taktlosigkeit einer bestimmten Lehrperson in einer gegebenen Situation zu beurteilen. Es geht vielmehr darum, wie mit einem Zoomobjektiv zu einer Nahaufnahme bestimmter bedeutsamen Momente des Unterrichtsalltags zu gelangen. Sowohl in der Forschung als auch in der LehrerInnenbildung brauchen wir Konzepte, die uns ermöglichen, aus einer Fülle an täglichen schulischen Interaktionen signifikante Momente herauszuarbeiten, diese rückblickend zu interpretieren und ausblickend Handlungsalternativen zu entwickeln. Auf der Suche nach Konzepten, die uns ermöglichen, die unausweichliche Spannung des Umgangs mit Ungewissheit positiv und produktiv tragen zu können, wird das Konstrukt des pädagogischen Diversitätstakts als eine potenzielle Heuristik vorgestellt.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 39 Zitationen
- 5 Publikationen
- 4 Policies
-
2019
Titel The lives of teachers in diverse classrooms DOI 10.1787/8c26fee5-en Typ Journal Article Autor Forghani-Arani N Link Publikation -
2019
Titel Lived Experience of Teaching Displaced Teachers: A Postcolonial Reading of Positions, Voices and Representations; In: Inklusion von Lehrkräften nach der Flucht: Über universitäre Ausbildung zum beruflichen Wiedereinstieg Typ Book Chapter Autor Forghani-Arani Verlag Julius Klinkhardt -
2019
Titel Moving Teachers' Experience from the Edge to the Centre; In: Teacher education for sustainable development and global citizenship: critical approaches to curriculum, values and assessment Typ Book Chapter Autor Forghani-Arani Verlag Routledge Seiten 89-98 -
2019
Titel Spongebob im Klassenzimmer. Pädagogische und didaktische Überlegungen auf der Grundlage von gelebter Unterrichtserfahrung; In: Gute Schule ist machbar - Zur Evaluation der Niederösterreichischen Mittelschule Typ Book Chapter Autor Forghani-Arani Verlag Leykam Seiten 101-128 -
2017
Titel Teachers in diverse societies: challenges, opportunities, policy responses Typ Conference Proceeding Abstract Autor Forghani-Arani Konferenz OECD, 2nd Policy Forum on "Strength through Diversity" Link Publikation
-
2019
Titel Advisory Committee for Development Policy Communication and Education in Austria of the Austrian Development Agency (ADA), Ministry of European and International Affairs Typ Participation in a guidance/advisory committee -
2018
Titel Strategiegruppe Globales Lernen Austria Typ Contribution to a national consultation/review -
2017
Titel OSCE, Exploring challenges and solutions for teaching about intolerance, bias, prejudice, anti-Semitism and related subjects in the OSCE region, working level consultative meeting. Lisbon Typ Membership of a guideline committee -
2017
Titel European Commission expert group on Citizenship, "Intercultural and interreligious dialogue in education". Brussels Typ Membership of a guideline committee