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Visionäres Wien: Design und Gesellschaft 1918-1934

Visionary Vienna: Design and Society 1918-1934

Elena Shapira (ORCID: 0000-0002-0662-3722)
  • Grant-DOI 10.55776/V619
  • Förderprogramm Elise Richter
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2017
  • Projektende 28.02.2022
  • Bewilligungssumme 302.320 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (20%); Bauwesen (20%); Kunstwissenschaften (30%); Soziologie (30%)

Keywords

    Visionary Vienna, Empowerment through design, Design And Anthropology, Cultural Evolution, Interdisiplinarity, Social Attitudes

Abstract Endbericht

Das Forschungsprojekt Visionäres Wien: Design und Gesellschaft 1918-1934 untersucht die Entstehung und Entwicklung von Ideen und Visionen rationaler, wissenschaftlicher Erkenntnis und fortschrittlicher gesellschaftlicher Einstellungen, die durch wechselseitige Beeinflussung und Befruchtung entstanden sind. Ästhetische Darstellungen in Architektur von Gebäuden, Innenausstattungen, Designobjekten, Fotos, wissenschaftlichen und theoretischen Texten werden dabei als koordinierte ästhetische und anthropologische Interventionen in der Wiener Gesellschaft verstanden. Die Studie zeigt die Zusammenhänge zwischen Design und ästhetischen Anwendungen einerseits und Vorstellungen sozialen Fortschritts andererseits auf. Sie sucht Erklärungen, wie soziale Theorien und Erkenntnisse ästhetisches Verhalten als Teil ihrer Erkenntnisse integrierten. Darüber hinaus gilt Design als essentielles Ausdrucksmittel dieser Prozesse und Resultate. Die Interventionen, die hier über einen interdisziplinären Zugang unter Heranziehung von kulturwissenschaftlichen Methoden, Sozialpsychologie und Theorien der Ästhetik analysiert werden, dienten dazu, schwächeren Gliedern der Gesellschaft Instrumente zu verschaffen, die ihnen Teilnahme an gemeinsamer gesellschaftlicher Verantwortung ermöglichte, die Geschlechterrollen neu definierte und Fragen nach dem kulturellen Anderssein aufwarf. Dabei wird auch die wissenschaftliche Dominanz der populären Dekor-Welt der Wiener Moderne hinterfragt, eine neue Kanonisierung kulturellen Schaffens, wissenschaftlicher Theorien und individuellen Designs bzw. Kunstschaffens Einzelner sowie eine Verortung des revolutionären Erbes vom Visionären Wien vorgenommen. Während ihrer demokratischen Phase zwischen 1918 und 1934 war die erste Republik geprägt von Kulturkämpfen zwischen dem sozialdemokratischen säkularen und dem konservativen katholischen Lager. Die Auseinandersetzungen spiegelten sich auch in den angewandten Künsten - im Design - wider. Die Studie untersucht wissenschaftliche Erkenntnisse und Design-Projekte sowie individuelle Arbeiten der Periode 1918-1934 und lotet ihre Bedeutung für Wien und Österreich aus, u.a. durch die Rekonstruktion der Weiterentwicklung der Wiener Visionen durch österreichische Exilanten und Emigranten nach 1934 bzw. 1938. Die Forschung basiert auf Originalquellen und umfasst bereits bearbeitete und kontextualisierte Archivmaterialien, wie auch unerforschte Bestände. Angestrebt wird die akademische Verortung der Relevanz des Erbes des Visionären Wien und seiner Perzeption. Berücksichtigt werden Forschungen zum Roten Wien, die soziale Stellung und der Beitrag von Frauen sowie jüngere Forschungen über die Rolle von Juden bei der Gestaltung und Formung der österreichischen Kultur. Darüber hinaus rekontextualisiert die Studie vergessene Literatur und die Kunst-Avantgarde der Zwischenkriegszeit. Das Forschungsprojekt untersucht, wie Design und gesellschaftliche Konstruktionen, ebenso wie Fragen nach individueller Identität einander bedingten. Entsprechende Analysen sowohl auf individueller wie auf kollektiver Ebene bieten kritische und neue Perspektiven auf das Visionäre Wien. Die historische Kontextualisierung ermöglicht das Aufzeigen komplexer Netzwerke von Design und Gesellschaft. Auf der kollektiven Ebene geht es um die Frage, in welchem Ausmaß Wissenschaften - vor allem die Wissenschaften vom Menschen (anthropologische Wissenschaften) - Ästhetik beeinflussten. Auf der individuellen Ebene hingegen soll aufgezeigt werden, wie Design Zugehörigkeit (Inklusion) und Nicht-Zugehörigkeit (Exklusion) in den jeweiligen Mikrogemeinden erlebbar machten. Dies erlaubt auch Rückschlüsse auf die zeitgenössische Diskussion um Kulturschaffen und Integration.

Das Forschungsprojekt "Visionäres Wien: Design und Gesellschaft 1918-1934" befasst sich mit der Bedeutung der gegenseitigen Befruchtung von Design/ästhetischer Praxis und anthropologischer Theorie im Wien der Zwischenkriegszeit in Ausdrucksformen, die Kunst und Wissenschaft einbeziehen und die darauf abzielen, Kulturen der Vielfalt zu fördern, verschiedene Gruppen in der Gesellschaft zu stärken und Geschlechterrollen in Frage zu stellen. Die Studie untersucht, wie Verfahren mit Design und Ästhetik sowie Kulturtheorien angewandt wurden, um verschiedene Bildungsmodelle für demokratische Bürgerschaft zu formulieren. Die Studie bietet eine zeitgenössische wissenschaftliche Perspektive auf die Rolle von Psycholog*innen, Journalist*innen, Architekt*innen und Künstler*innen bei der Gestaltung kritischer Perspektiven auf die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft und daraus folgend neue Formen der öffentlichen und privaten Architektur und des sozial orientierten Designs. Die Rekonstruktion von Biografien und Karrieren emigrierter Designer*innen und Autor*innen nach ihrer freiwilligen oder erzwungenen Emigration in die USA und nach Großbritannien zwischen 1920 und 1950 führte zur Dokumentation kultureller Netzwerke, die eine entscheidende Rolle bei der Sicherung des Wissenstransfers spielten und dazu beitrugen, gemeinsame progressive Ideen in sozialen Aktivismus in der neuen Umgebung umzusetzen. Darüber hinaus wird untersucht, wie sich moderne Identitäten im Zusammenhang mit den Konflikten zwischen nationalistischen Ideologien und internationalen Bestrebungen in Wien entwickelten. Die Forschung wirft ein neues Licht auf die Bedeutung der Integration von Frauen in die Wiener Design- und Kunstgeschichte, indem sie deren aktive Teilnahme an miteinander verknüpften Bereichen der kulturellen Produktion untersucht. Ein wichtiger Teil der Forschung ist die Kontextualisierung von primären Objekten und Texten, die von Frauen verfasst wurden und in verschiedenen Sammlungen innerhalb und außerhalb der Stadtgrenzen aufbewahrt werden, und darüber hinaus die Untersuchung, wie Objekte (Gehäuse, Möbelstücke, Keramik, Ausstellungsdisplays) und Texte (in Zeitschriften, wissenschaftlichen und literarischen Büchern) die Bedeutung des jeweils anderen beeinflussen. Zu den Ergebnissen gehören die drei Symposien, "Freud and the Émigré. Österreichische EmigrantInnen und Exilierte und das Erbe der Psychoanalyse in Großbritannien von den 1930ern bis 1970ern" (2018), "Designing Transformation: Juden und kulturelle Identität in der mitteleuropäischen Moderne" (2019) und "Gestalterinnen - Frauen, Design und Gesellschaft im Wien der Zwischenkriegszeit" (2021), Workshop "Die Wiederentdeckung von Architektin Ella Briggs" (2022) und ein bevorstehendes Symposium "Österreichische Identität und die Moderne" (2022); Zu den Publikationen gehören zwei Sammelbände Design Dialog (2018) und Designing Transformation (2021) sowie drei gemeinsam herausgegebene Bände, Freud and the Émigré (2020) und zwei demnächst erscheinende: Gestalterinnen (2023) und Ella Briggs (2024).

Forschungsstätte(n)
  • Universität für angewandte Kunst Wien - 100%

Research Output

  • 6 Publikationen
  • 1 Policies
  • 3 Disseminationen
Publikationen
  • 2018
    Titel Design Dialogue: Jews, Culture and Viennese Modernism: Design Dialog: Juden, Kultur und Wiener Moderne
    Typ Book
    Autor Shapira
    Verlag Bohlau Verlag
  • 2020
    Titel Kiesler's Imaging Exile in Guggenheim's Art of this Century Gallery and the New York Avant-garde Scene in the early 1940s; In: Arrival Cities - Migrating Artists and New Metropolitan Topographies in the 20th Century
    DOI 10.2307/j.ctv16qk3nf.9
    Typ Book Chapter
    Verlag Leuven University Press
  • 2020
    Titel Freud and the Emigre: Austrian Emigres, Exiles and the Legacy of Psychoanalysis in Britain, 1930s-1970s
    Typ Book
    Autor Shapira Elana
    Verlag Springer Nature Switzerland AG
  • 2020
    Titel Marie Jahoda Deconstructing Freud
    DOI 10.1007/978-3-030-51787-8_10
    Typ Book Chapter
    Autor Shapira E
    Verlag Springer Nature
    Seiten 195-215
  • 2020
    Titel Introduction: Austrian Émigrés and Exiles and the Legacy of Psychoanalysis in Britain
    DOI 10.1007/978-3-030-51787-8_1
    Typ Book Chapter
    Autor Shapira E
    Verlag Springer Nature
    Seiten 1-34
  • 2021
    Titel Designing Transformation: Jews and Cultural Identity in Central European Modernism
    Typ Book
    Autor Shapira
    Verlag Bloomsbury Publishing PLC
Policies
  • 2022
    Titel Rediscovering Architect Ella Briggs - The Challenge of Writing Inclusive Architectural Histories for Women Who Broke the Mold
    Typ Membership of a guideline committee
Disseminationen
  • 2022
    Titel OFFENE MODERNE
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
  • 2019
    Titel "Wiener Moderne - und die Moral von der 'Geschicht'?"
    Typ A talk or presentation
  • 2019
    Titel Modern Architectures and the Challenge of Coexistence in Haifa
    Typ Participation in an activity, workshop or similar

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