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Opern als musikanalytischer Gegenstand (ca. 1750 bis 1861)

Opera as Musicanalytical Subject (ca. 1750 to 1861)

Andrea Horz (ORCID: 0000-0001-5045-6274)
  • Grant-DOI 10.55776/V641
  • Förderprogramm Elise Richter
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.08.2018
  • Projektende 31.03.2022
  • Bewilligungssumme 255.507 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (90%); Philosophie, Ethik, Religion (10%)

Keywords

    Music Critism, Operatic Prints, Opera, Music Analysis

Abstract Endbericht

Die opernbezogenen Fachdiskussionen der letzten Jahre kreisten um die Etablierung eines methodischen Ansatzes, der das Erleben der Aufführung die Performance in den Mittelpunkt stellt. Doch wie und wann kam es überhaupt zu der Verschiebung, die Oper nicht allein nach ihrer Bühnenpräsenz zu beurteilen, sondern auch anhand des Notentextes? Welche Prämissen bestimmten dabei die Analyse der Opernmusik? Zur Beantwortung dieser Fragen ist der Blick in das 18. Jahrhundert zu richten: Im Zuge eines von der Aufklärung geprägten Diskurses, konkret gesagt mit dem Aufkommen von Zeitschriften, erhielten Rezensionen in den musikalischen Fachzeitschriften ein herausragendes Forum. Innerhalb des deutschsprachigen Operndiskurses, der zunächst vor allem anhand des Librettos geführt worden war, rückte ab der 18. Jahrhundertmitte auch die Musik in das Blickfeld. Diese zu registrierende Änderung spiegelt die Bewegungen des philosophisch-ästhetischen Diskurses wider. Zudem wandelte sich die mediale Verbreitung des Opernrepertoires, denn das im deutschsprachigen Raum bislang vornehmlich handschriftlich überlieferte Repertoire fand nun auch drucktechnische Verbreitung. Ziel des Projektes ist es, das Entstehen der musikanalytischen Auseinandersetzung mit dem Opernrepertoire ca. von 1750 bis 1861 in den Rezensionen der Journale des deutschen Sprachraumes zu beleuchten und ihren Stellenwert geführten Diskurses zu analysieren. Trotz der zentralen Stellung, der dem am Notentext orientierte Zugriff auf die Oper in der Musikgeschichte zukommt, ist die historische Genese dieser musikalischen Opernanalyse bis jetzt noch nicht geleistet. Bei Abschluss des Projektes wird für weitere Studien, die sich an der historischen Opernkritik orientieren, eine Datenbank zur Verfügung stehen, die die deutschsprachigen Opernrezensionen des 18. Jahrhundert und der Hauptzeitschriften des 19. Jahrhunderts bis ca. 1861 beinhaltet. Diese Datenbank umfasst dann den Zeitraum ab der drucktechnischen Verbreitung der Opernwerke bis zum Beginn der universitären Institutionalisierung der Musikwissenschaft. Weiters werden in der zu erstellenden Habilitationsschrift Aufführung und Notentext Opern als musikanalytisches Objektdas Auftauchen einermusikanalytisch orientiertenOpernkritik dargestellt. Als diskursanalytische Untersuchung angelegt, stehen in dieser Monographie der Kontext von Musik, Philosophie, Literatur und Wirtschaft im Zentrum, die maßgeblich für den auf dem Notentext basierenden Zugriff auf die Oper waren. Außerdem rücken die Rezensenten als Schnittstellen eines netzwerkartigen Geflechts indas Blickfeld, das diemusikalische Wahrnehmung dieser Zeit bestimmte.

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts erscheinen in den deutschsprachigen Zeitschriften auf einzelne Opern bezogene Artikel, in denen Musikpublizisten den musikalischen Aspekt einer Oper zum Gegenstand machten. Sie äußerten sich darin - teilweise mit Bezug auf Notenbeispiele -auch musikanalytisch zur Opernmusik. Dies ist insofern bemerkenswert, als in der musikwissenschaftlichen Forschung gemeinhin erst für das 19.Jahrhundert auf einzelne Werke bezogene Zeitschriftenartikel Aufmerksamkeit erfahren: In der Geschichte der musikalischen Analyse referiert man gerne paradigmatisch auf E.T.A Hoffmanns Rezension der 5. Symphonie Beethovens oder auf Robert Schumanns Schriften. Es stellt sich somit die Frage, weshalb nun im deutschsprachigen Raum des 18. Jahrhunderts in Bezug auf die Oper etwas sichtbar wird, was zuvor vornehmlich mündlich praktiziert worden ist, nämlich das Sprechen über die musikalische Struktur. Die Habilitationsschrift untersucht diese Gestaltungsdimensionen, das heißt die Themen und Denkweisen eines analytisch auf die Musik ausgerichteten Operndiskurses in der deutschsprachigen Musikpublizistik des 18.Jahrhunderts. Zudem sind die netzwerkartigen Verknüpfungen Gegenstand, die den Diskurs trugen und prägten. Die Studie dokumentiert die Verbindungen zwischen den diskursiven Themen und Umbrüchen innerhalb der Opernrezensionen einerseits sowie den Tendenzen und den Entwicklungen auf dem Gebiet der Ästhetik andererseits. Darüber hinaus stehen die vor dem Hintergrund der literarisch geprägten Kritikpraxis ausgefochten Diskussionen über die medialen Grundlagen der Opernrezension zwischen Handschrift und Druck, Partitur und verschiedenen Formen des Clavierauszugs im Mittelpunkt der Untersuchung. Es kann gezeigt werden, dass die Bewertungskategorien für Opern, wie "Melodie", "Harmonie" und "Charakter", wiederum rückgebunden an die ästhetischen Diskussionen sind. Das Beispiel Mozart macht ergänzend einsichtig, wie der in den Zeitschriften sichtbare Operndiskurs mündliche wie schriftliche Räume gleichermaßen durchdringt. Zusammengefasst lässt sich somit festhalten, dass die Opernkritik in den deutschsprachigen Musikjournalen eng mit der sich etablierenden Disziplin Ästhetik sowie den institutionalisierten Paradigmen und Gepflogenheiten der allgemeinen Kritik verbunden ist. Diese Einstellungen der Opernkritik sind auch noch nach 1800 bedeutsam. Über die Habilitationsschrift hinaus konnte in Einzelstudien und sowie durch die Erfassung der Opernrezensionen von ausgewählten Zeitschriften des 19. Jahrhunderts in einer Datenbank die Gültigkeit der im 18. Jahrhundert herausgebildeten Grundsätze und Paradigmen der Opernkritik weiter eruiert werden.

Forschungsstätte(n)
  • Universität für Musik und darstellende Kunst Wien - 100%

Research Output

  • 7 Publikationen
Publikationen
  • 2021
    Titel MUSIK UND POESIE - GESCHWISTER ODER RIVALEN?; In: August Wilhelm Ambros - Wege seiner Musikkritik, -ästhetik und -historiographie
    DOI 10.2307/j.ctv1jpf66r.6
    Typ Book Chapter
    Verlag Hollitzer Verlag
  • 2019
    Titel Breitkopfs frühe opernbezogenen Musikdrucke - oder: Il mondo alla roversa
    Typ Journal Article
    Autor Horz A
    Journal Die Tonkunst
    Seiten 422-431
  • 2020
    Titel Musiktheatralische Textualität
    DOI 10.2307/j.ctv13xpr31
    Typ Book
    Verlag JSTOR
  • 2018
    Titel Partnerschaft oder Konkurrenz? – Handschriftliche Partituren und gedruckte Klavierauszüge von Opern in den Zeitschriften und Verlagskatalogen des deutschsprachigen Raums in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
    DOI 10.1007/978-3-658-23767-7_11
    Typ Book Chapter
    Autor Horz A
    Verlag Springer Nature
    Seiten 81-91
  • 2020
    Titel VORWORT; In: Musiktheatralische Textualität - Opernbezogene Musikdrucke im deutschen Sprachraum des 18. Jahrhunderts
    DOI 10.2307/j.ctv13xpr31.3
    Typ Book Chapter
    Verlag Hollitzer Verlag
  • 2020
    Titel OPERNDRUCKE ALS OBJEKT; In: Musiktheatralische Textualität - Opernbezogene Musikdrucke im deutschen Sprachraum des 18. Jahrhunderts
    DOI 10.2307/j.ctv13xpr31.7
    Typ Book Chapter
    Verlag Hollitzer Verlag
  • 2021
    Titel Johann Adam Hiller's 'Lottchen am Hofe': Contextualising 'Singspiel' in French traditions; In: Singing Speech and Speaking Melodies: Minor Forms of Musical Theatre in the 18th and 19th Century
    Typ Book Chapter
    Autor Horz A
    Verlag Brepols
    Seiten 105-126

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