Der k.u.k. Militärgeheimdienst und Russland, 1867-1914
Austro-Hungarian Military Intelligence and Russia, 1867-1914
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (25%); Andere Sozialwissenschaften (25%); Geschichte, Archäologie (50%)
Keywords
-
Evidenzbureau,
Perceptions,
Military Intelligence,
Habsburg Monarchy,
Russia,
Espionage
Vor über 30 Jahren haben Historiker intelligence als missing dimension der Geschichtsschreibung bezeichnet. Seit damals allerdings hat intelligence history einen rapiden Aufschwung erlebt. Ungeachtet dessen liegen einige Felder dieses breiten Forschungsgebietes immer noch brach. In diesem Zusammenhang wurde auf weiße Flecken nicht zuletzt in Hinblick auf die Frühzeit der Geheimdienste hingewiesen. Gemeint ist hier die Erforschung der Entwicklung professioneller und institutionalisierter geheimer Dienste vor dem Hintergrund der vielgestaltigen Veränderungen im ausgehenden 19. Jahrhundert. Diese wiederum treffen zusammen mit den Rahmenbedingungen für die Entstehung moderner Verfassungs- und Verwaltungsstaaten und beziehen sich auf die Neuformierung der europäischen Bündnissysteme, auf eine Vielzahl technischer Neuerungen oder die Herausbildung von Massenmedien ebenso wie auf diverse Demokratisierungsschübe mit ihren unterschiedlichen Folgewirkungen. Vor diesem Hintergrund avancierten Geheimdienste nach und nach zu permanenten Beratern und Partnern von Entscheidungsträgern auf unterschiedlichen Ebenen unabhängig davon, ob Krieg geführt wurde oder nicht. Da die Herausbildung von Geheimdiensten in der Regel einen militärischen Hintergrund aufwies, kam ihnen freilich in Hinblick auf eine sich ebenfalls verändernde Vorstellung von Sicherheit oder Geheimhaltung und der Notwendigkeit von deren Gewährleistung stetig wachsende Bedeutung zu. Während in den letzten Jahren einige wichtige Forschungen zur Entwicklung der Geheimdienste etwa in Frankreich, Deutschland oder Russland unternommen wurden, existieren bisher zur Geschichte des militärischen Geheimdiensts der k.u.k. Armee von 1867 bis zum Ausbruch des Weltkriegs keine vergleichbaren Arbeiten. Vorbereitende Forschungen der Antragstellerin zum geplanten Projekt haben vor allem die Potentiale einer Fokussierung auf die Arbeit des k.u.k. Geheimdiensts (Evidenzbureau) in Bezug auf Russland als Hauptkontrahent des Habsburgerreichs offengelegt. Eine diesbezügliche Untersuchung würde nicht nur Anlass zu einer grundlegenden Neubetrachtung des bilateralen Verhältnisses zwischen den beiden Vielvölkermonarchien bieten, sondern auch die Möglichkeit eröffnen, die Arbeitsweise des Evidenzbureaus sowie seine Einflussnahme auf Entscheidungsfindungsprozesse militärischer und ziviler Natur näher zu beleuchten. Darüber hinaus soll es auch darum gehen, Spionage in Bezug auf deren Wahrnehmung durch eine breitere Öffentlichkeit in den Blick zu nehmen und hier vor allem spezielle Russlandbilder herauszufiltern. Die geplante Studie versteht intelligence history als multiperspektivischen Auftrag, der Militärgeschichte oder die Geschichte bilateraler/internationaler Beziehungen ebenso miteinbezieht wie kulturgeschichtliche Zugänge.
- Universität Wien - 100%