Biologisches Handlungsvermögen und Natürliche Freiheit
Bio-Agency and Natural Freedom
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
-
Living Systems,
Indeterminism,
Non-Reductive Naturalism,
Bio-Agency,
Free Will,
Bio-Process Ontology
Sind wir frei in der Wahl unserer Handlungen? Hätten wir jemals anders handeln können? Immer mehr Forscher verneinen dies. Der Glaube an einen freien Willen des Menschen nimmt ab in dem Maße, wie die Bereitschaft zunimmt, den Menschen als Teil der Natur anzuerkennen und damit, wie es scheint, als determiniert durch die Naturgesetze. Naturwissenschaftler, Hirnforscher und Philosophen bezweifeln, dass der freie Wille mehr ist als eine der Unkenntnis wissenschaftlicher Fakten geschuldete Illusion. Das Forschungsprojekt Biologisches Handlungsvermögen und Natürliche Freiheit plädiert für das Gegenteil. Die verbreitete Skepsis bezüglich der Freiheit des Willens beruht auf unangemessenen mechanistischen Annahmen über die Natur, welche die biologische und damit prozesshafte Konstitution jener Wesen ignorieren, um deren Handlungsvermögen es geht: lebendige Wesen. Unter Rekurs auf aktuelle Erkenntnisse aus der Biologie argumentiert das Projekt für die These, dass der freie Wille durch unsere biologische Konstitution gerade nicht ausgeschlossen wird, sondern vielmehr ein integraler Bestandteil der menschlichen Natur ist und nicht nur der menschlichen. Menschen sind wie viele andere Organismen natürlicherweise frei. Das Projekt gliedert sich in drei Schritte: Als erstes gilt es zu erkennen, dass wir das Problem des freien Willens nicht lösen können, ohne zuvor besser zu verstehen, was Handelnde und Handlungen eigentlich sind. Das Problem des freien Willens ist keine Überraschung angesichts der Schwierigkeiten der Standardtheorien, das Vermögen zu handeln in den Zusammenhang der Natur einzugliedern. Diese Schwierigkeiten lösen sich allerdings auf, sobald wir aufhören, Handelnde und ihre Handlungen als scharf abgegrenzte und statische Dinge zu begreifen. Der zweite Schritt des Projekts besteht darin, den biologischen und damit prozesshaften Charakter natürlicher Handelnder und ihrer Handlungen zu würdigen. Organismen sind dynamische Systeme, die sich durch ständige Interaktion mit ihrer Umwelt am Leben erhalten. Handlungen, so die zentrale These, sind eine bestimmte Form dieser überlebensnotwenigen Interaktion mit der Umwelt. Das Projekt wird, im letzten Schritt, vorführen, wie dieser neue theoretische Rahmen, zusammen mit einem angemessenen Verständnis der indeterministischen Verfassung lebendiger Systeme, es erlaubt, das Handlungsvermögen und den freien Willen als robuste natürliche Vermögen zu verteidigen. Der freie Wille wird entzaubert als ein natürliches Instrument des Überlebens und Wohlbefindens. Das Projekt ist bahnbrechend, indem es auf Grundlage aktueller biologischer Forschung die verbreitete skeptische Haltung gegenüber der Freiheit des Willens als unbegründet erweist. Die getrennt geführten Debatten um Handlung und Freiheit des Willens in der Handlungstheorie bzw. Metaphysik und der Philosophie der Biologie werden zum ersten Mal in einem interdisziplinären Dialog zusammengeführt.
- Universität Wien - 100%
- Björn Brembs, Freie Universität Berlin - Deutschland
- John Dupre, University of Exeter - Vereinigtes Königreich
- Helen Steward, University of Leeds - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 15 Zitationen
- 1 Publikationen
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2021
Titel One or two? A Process View of pregnancy DOI 10.1007/s11098-021-01716-y Typ Journal Article Autor Meincke A Journal Philosophical Studies Seiten 1495-1521 Link Publikation