Interessengeflechte auf dem Westfälischen Friedenskongress
Networks of Interests at the Westphalian Peace Congress
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (80%); Politikwissenschaften (20%)
Keywords
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Peace of Westphalia,
Interest,
Holy Roman Empire,
Early Modern Diplomacy,
Peace Negotiations,
Diplomatic History
Die aktuelle weltpolitische Lage zeigt klar, wie schwierig es ist, Frieden zu schließen. Dies ist kein Phänomen der Moderne. Gerade das 17. Jahrhundert ist bekannt für seinen kriegerischen Charakter, aber auch für seine vielfältigen Bemühungen Frieden zu schließen. Mit Blick auf die aktuellen Konflikte im Nahen und Mittleren Osten erhalten diese frühneuzeitlichen Friedensprozesse erneutes öffentliches Interesse; so werden etwa Parallelen zwischen dem Dreißigjährigen Krieg und den Auseinandersetzungen in Syrien gezogen. Entsprechend sucht man Anregungen beim Westfälischen Friedenskongress (16431649), schließlich waren hier strukturell ähnliche, ineinander verwobene Konfliktlagen zu lösen. Die Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück sind auch wegen ihres Stellenwerts für die Entwicklung der Diplomatie ein ausgezeichnetes Fallbeispiel, um die sozialen, kulturellen, politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen des Friedenschließens zu untersuchen. Das Projekt Interessengeflechte am Westfälischen Friedenskongress, durchgeführt von Dr. Lena Oetzel, nähert sich diesem Themenfeld, indem es die Interessen der Gesandten vor Ort untersucht: Wie versuchten Sie die Interessen ihres jeweiligen Dienstherren, aber auch ihre eigenen durchzusetzen? Welche Bedeutung hatten überhaupt ihre persönlichen Interessen für die Verhandlungen, wie etwa finanzielle Schwierigkeiten, Gesundheitsprobleme, familiäre Verpflichtungen, etc.? Wie verhielten sie sich im Fall von Interessenkonflikten? Welche Prioritäten setzten sie? Exemplarisch werden die Interessengeflechte einer Auswahl von kaiserlichen und reichsständischen Gesandten untersucht das Hauptaugenmerk liegt auf dem kaiserlichen Prinzipalgesandten Maximilian Graf von Trauttmansdorff und dem kursächsischen Gesandten Dr. Johann Leuber. Damit verortet sich das Projekt in den aktuellen Forschungsdiskussionen der Neuen Diplomatiegeschichte, die ihr Augenmerk unter anderem auf die Handlungsspielräume, Netzwerke und Klientelbeziehungen frühneuzeitlicher Gesandten legt. Der Fokus auf den Interessen hilft dabei Akteur und Gesellschaft, Diplomat und Herrscher sowie den diplomatischen Alltag mit der großen Politik des 17. Jahrhunderts in Verbindung zu setzen.
Die aktuelle weltpolitische Lage zeigt klar, wie schwierig es ist, Frieden zu schließen. Dies ist kein Phänomen der Moderne. Gerade das 17. Jahrhundert ist bekannt für seinen kriegerischen Charakter, aber auch für seine vielfältigen Bemühungen Frieden zu schließen. Der Westfälische Friedenskongress (1643-1649) hat hier als erster internationaler Gesandtenkongress eine Sonderstellung. Er eignet sich - auch aufgrund der ausgezeichneten Quellenlage - besonders gut, um die sozialen, kulturellen, politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen des Friedenschließens zu untersuchen. Das Projekt "Interessengeflechte am Westfälischen Friedenskongress", durchgeführt von Dr. Lena Oetzel, nähert sich diesem Themenfeld, indem es die Interessen der Gesandten vor Ort untersucht: Welche Bedeutung hatten überhaupt ihre persönlichen Interessen für die Verhandlungen, wie etwa finanzielle Schwierigkeiten, Gesundheitsprobleme, familiäre Verpflichtungen, etc.? Wie verhielten sie sich im Fall von Interessenkonflikten? Welche Prioritäten setzten sie? Im Mittelpunkt stehen der kaiserliche Prinzipalgesandte Maximilian Graf von Trauttmansdorff und der kursächsische Gesandte Dr. Johann Leuber, die immer wieder mit ihren reichständischen und europäischen Kollegen verglichen werden. Auf diese Weise kann ein komplexes Geflecht verschiedenster Interessenlagen nachgezeichnet werden, in dessen Mitte der jeweilige Gesandte stand. Inwieweit er in der Lage war seine eigenen aber auch die Gesandten seines Dienstherrn durchzusetzen, hing stark von dem ihm gewährten Handlungsspielräumen und seiner Stellung am Kongress ab. Der Fokus auf den Interessen hilft dabei Akteur und Gesellschaft, Diplomat und Herrscher sowie den diplomatischen Alltag mit der "großen" Politik des 17. Jahrhunderts in Verbindung zu setzen. Interesse ist dabei kein objektiver, feststehender Begriff, sondern dient der Beschreibung von Beziehungsverhältnissen und ist eng mit den jeweiligen Norm- und Wertvorstellungen der Akteure verbunden. Am Ende zeigt sich, dass Friedenschließen nicht nur aus Perspektive der Herrschenden mit Risiken und Unwägbarkeiten verbunden war, sondern gerade auch für die verhandelnden Gesandten vor Ort eine ständige Herausforderung darstellte, die sie oftmals an ihre Grenzen brachte.
- Dorothée Goetze, Universität Bonn - Deutschland
- Michael Rohrschneider, Universität Köln - Deutschland
Research Output
- 2 Publikationen
- 4 Disseminationen
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2020
Titel 23. Verhandlungstechniken und -praktiken DOI 10.1515/9783110591316-023 Typ Book Chapter Autor Brunert M Verlag De Gruyter Seiten 455-472 -
2022
Titel Interesse als Kategorie zur Erforschung frühneuzeitlicher Außenbeziehungen. Überlegungen am Beispiel der Westfälischen Friedensverhandlungen DOI 10.1515/hzhz-2022-0013 Typ Journal Article Autor Oetzel L Journal Historische Zeitschrift Seiten 569-598 Link Publikation
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2021
Link
Titel It's a man's world? Diplomatengattinnen auf dem Westfälischen Friedenskongress Typ Engagement focused website, blog or social media channel Link Link -
2022
Link
Titel Youtube Video Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) Link Link -
2021
Link
Titel Podcast Interview ANNO Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) Link Link -
2021
Link
Titel Die Krebsschere und der Frieden Typ Engagement focused website, blog or social media channel Link Link