Frauen schreiben an Frauenbewegungsaktivistinnen, ~1870-1930
Women´s letters to Women´s Movement Activists, c. 1870-1930
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (80%)
Keywords
-
Women'S Movement,
Women'S Letters,
Epistolary Practices,
Supportive Practices,
Auto/Biographical Narratives,
Self-Emancipation
Im 19. Jahrhundert begann eine Debatte zur Frauenfrage, insbesondere in den industrialisierten Ländern. Mit dem Aufkommen einer organisierten Frauenbewegung in den 1860er Jahren verstärkte und veränderte sich diese Debatte, da Frauen neue Wege der Kommunikation ausbildeten und nutzten. Eines der Ziele der Frauenbewegungsaktivistinnen war es, andere Frauen davon zu überzeugen, sich selbst zu emanzipieren. Dieses Projekt erforscht das Zielpublikum der Frauenbewegung: wer waren die Frauen, die sich von den Themen angesprochen fühlten, die die Erste Frauenbewegung aufwarf und welche Debatten erhielten besonderen Zuspruch? Briefe von Frauen an Frauenbewegungsaktivistinnen zeigen, dass es eine große Gruppe von Frauen gab, die sich auch wenn sie selbst nicht in Vereinen der Frauenbewegung engagiert waren, Fragen zu Frauenrechten, Frauenbildung und Frauenarbeit zunehmend auf ihre eigene Situation bezogen. Wie bewerteten Frauen ihre eigene Lage und die der anderen Frauen? Was beschäftigte sie in ihrem Alltag und welche Gedanken hatten sie hinsichtlich einer Verbesserung ihrer oder der Situation anderer Frauen? Häufige Anliegen dieser Briefe waren Ratschläge und Unterstützung für die Lebensplanung, Bildungsbestrebungen und berufliche Projekte. Der Nachlass von Käthe Schirmacher (1865-1930), eine Vertreterin des radikalen Flügels der Frauenbewegung und zugleich Propagandistin eines radikalen Deutschnationalismus, enthält zahlreiche derartige Briefe und bildet daher den Ausgangspunkt der Quellenrecherche. Im Rahmen dieses Projektes wird untersucht, ob und welche Nachlässe anderer Frauenbewegungsaktivistinnen ebenfalls derartige Briefe enthalten. Der Fokus liegt dabei auf deutschen, ungarischen, englischen und französischen Sprachräumen, da die Frauenbewegung in den dazugehörigen Ländern in diesem Zeitraum sehr aktiv war und Recherchen in Nachlässen von Aktivistinnen daher zielführend erscheinen. Briefe von unbekannten Frauen an Frauenbewegungsaktivistinnen sind eine bislang kaum erforschte Art von Quellen. Sie sollen mithilfe eines länderübergreifenden und vergleichenden Ansatzes analysiert werden. Darüber hinaus soll dieser spezifische Briefbestand vor dem Hintergrund ähnlicher Briefkulturen und Praktiken zur Unterstützung von Frauen innerhalb und außerhalb der Frauenbewegung betrachtet werden. Konkret geht es darum, diese Briefe von Frauen an Frauenbewegungsaktivistinnen vor dem Hintergrund der Praxis der Bürgerbriefe an politische Entscheidungsträger, der Praxis der Leserinnenbriefe in der Frauenbewegungspresse und von Einrichtungen der Rechts- und beruflichen Beratung von Frauen in diesem Zeitraum zu untersuchen. Der generelle Fokus liegt dabei auf Handlungsmustern und wiederkehrenden Erzählweisen der Selbstemanzipation von Frauen in den Jahrzehnten zwischen 1870 und 1930, die in einer transnationalen und vergleichenden Perspektive untersucht werden.
- Universität Wien - 100%
- Kerstin Wolff, Sonstige Forschungs- oder Entwicklungseinrichtungen - Deutschland