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Die Diachronie verbaler Kategorien und Kategorisierer

Verbal categories and categorizers in diachrony

Laura Grestenberger (ORCID: 0000-0002-6830-9579)
  • Grant-DOI 10.55776/V850
  • Förderprogramm Elise Richter
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2021
  • Projektende 31.12.2024
  • Bewilligungssumme 261.641 €

Wissenschaftsdisziplinen

Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)

Keywords

    Morphology, Syntax, Diachrony, Verbal categories, Categorizers, Indo-European languages

Abstract Endbericht

Wie alle Bereiche menschlicher Sprache wandeln sich auch verbale Kategorien im Laufe der Zeit. Dazu gehören sogenannte Verbalisierer, im Deutschen z. B. -el- in blöd-el-n oder -ier- in asphalt-ier- en, spion-ier-en usw. Verbalisierer werden in vielen Sprachen verwendet, um aus Adjektiven (wie blöd) oder Nomina (wie Asphalt) Verben zu machen (blödeln, asphaltieren), also die Kategorie zu verändern. Diese Verbalisierer sind sozusagen Bausteine für verschiedene Arten von Verben. Aber wie entstehen Verbalisierer, und wie verändern sie sich? Warum können auf diese Art entstandene Verben manchmal mit einem Objekt verwendet werden (z. B. Wir asphaltieren die Straße) und manchmal nicht (z. B. *Wir spionieren die Gegend)? Warum ändert dieses Verhalten sich manchmal, wenn eine Partikel oder ein Präverb wie aus-, ab-, um- usw. hinzugefügt wird (Wir spionieren die Gegend aus)? Unterscheiden sich solche Verben systematisch von sogenannten Primärverben, also Verben, die nicht von einem Adjektiv oder einem Nomen abgeleitet wurden? Dieses Projekt untersucht Verbalisierer in älteren indogermanischen Sprachen (dazu gehören z. B. das im 2. Jt. v. u. Z. in der heutigen Türkei gesprochene Hethitische, das Altindische, das in der Antike in China gesprochene Tocharische sowie Altgriechisch und Latein), um zu verstehen, wo diese verbalstammbildenden Bausteine in den jeweiligen Sprachen herkommen und wie sich ihre Form und Funktion im Laufe der Zeit verändert. Diese Sprachen eignen sich ideal für eine solche Studie, da sie hochflektierend sind, also sehr viele verschiedene adjektivische, nominale und verbale Bausteine aufweisen, und sehr früh bezeugt sind (die ältesten Texte des Hethitischen, Griechischen und Sanskrit stammen aus dem 2. Jt. v. u. Z.). Dadurch kann die Entwicklung einzelner Verbalisierer über lange Zeiträume hinweg verfolgt werden. Außerdem sind diese Sprachen urverwandt: Sie gehen auf eine gemeinsame Grundsprache zurück und bilden daher eine Sprachfamilie. Das macht es möglich, zu untersuchen, wie sich ein und derselbe Verbalisierer in den unterschiedlichen Sprachen entwickelt hat und aus welchen Bausteinen wann und wie neue Verbalisierer entstanden sind. Eine umfangreiche Forschungsdatenbank wird dabei helfen, das Material zu ordnen und die Kombinationsmöglichkeiten und Veränderungen einzuteilen. Dadurch sollen Regelmäßigkeiten in den Entwicklungspfaden dieser Verbalisierer aufgespürt werden. Denn mittlerweile ist klar, dass gewisse Grundprinzipien der menschlichen Sprachfähigkeit universal sind, also bestimmte Eigenschaften in allen menschlichen Sprachen zu finden sind. Allerdings ist umstritten, ob und inwieweit das auch für kleinere Bausteine wie eben Verbalisierer gilt, die von Sprache zu Sprache sehr unterschiedlich sein können. Wenn es also gelingt, zu zeigen, dass sich bestimmte Verbalisierer stets ähnlich verhalten und entwickeln, wäre das ein wichtiger Schritt, um auch in diesem Bereich der menschlichen Sprache Universalien nachzuweisen.

Wie alle Bereiche menschlicher Sprache wandeln sich auch verbale Kategorien im Laufe der Zeit. Dazu gehören sogenannte "Verbalisierer", im Deutschen z. B. -el- in blöd-el-n oder -ier- in asphalt-ier-en, spion-ier-en usw. Verbalisierer werden in vielen Sprachen verwendet, um aus Adjektiven (wie blöd) oder Nomina (wie Asphalt) Verben zu machen (blödeln, asphaltieren), also die Kategorie zu verändern. Diese Verbalisierer sind sozusagen "Bausteine" für verschiedene Arten von Verben. Aber wie entstehen Verbalisierer, und wie verändern sie sich? Warum können auf diese Art entstandene Verben manchmal mit einem Objekt verwendet werden (z. B. Wir asphaltieren die Straße) und manchmal nicht (z. B. *Wir spionieren die Gegend)? Unterscheiden sich solche Verben systematisch von sogenannten "Primärverben", also Verben, die nicht von einem Adjektiv oder einem Nomen abgeleitet wurden? Das FWF-Projekt "Die Diachronie verbaler Kategorien und Kategorisierer" ist diesen Fragen auf den Grund gegangen, in dem es Verbalisierer in älteren indogermanischen Sprachen (dazu gehören z. B. das im 2. Jt. v. u. Z. in der heutigen Türkei gesprochene Hethitische, das Altindische, das in der Antike in China gesprochene Tocharische sowie Altgriechisch und Latein) untersucht hat, um zu verstehen, wo diese verbalstammbildenden Bausteine in den jeweiligen Sprachen herkommen und wie sich ihre Form und Funktion im Laufe der Zeit verändert. Diese Sprachen eignen sich ideal für eine solche Studie, da sie hochflektierend sind, also sehr viele verschiedene adjektivische, nominale und verbale Bausteine aufweisen, und sehr früh bezeugt sind (die ältesten Texte des Hethitischen, Griechischen und Sanskrit stammen aus dem 2. Jt. v. u. Z.). Dadurch kann die Entwicklung einzelner Verbalisierer über lange Zeiträume hinweg verfolgt werden. Außerdem sind diese Sprachen urverwandt: Sie gehen auf eine gemeinsame Grundsprache zurück und bilden daher eine Sprachfamilie. Das macht es möglich, zu untersuchen, wie sich ein und derselbe Verbalisierer in den unterschiedlichen Sprachen entwickelt hat und aus welchen Bausteinen wann und wie neue Verbalisierer entstanden sind. Besonderes Augenmerk wurde dabei einerseits auf die Entwicklungen von deadjektivischen Verben wie begrünen oder vergrößern und andererseits auf sogenannte deagentivische Verben wie griech. basleu 'König sein' (von basiles 'König') gelegt. Innerhalb dieser Gruppen konnten regelmäßige und unidirektionale Entwicklungspfade der betreffenden Verbalisierer nachgewiesen werden, die noch dazu mit bestimmten abstrakten Bedeutungsentwicklungen verbunden sind. Das stützt die Hypothese, dass sich bestimmte Elemente der menschlichen Sprache stets ähnlich verhalten bzw. entwickeln. Mittlerweile ist klar, dass gewisse Grundprinzipien der menschlichen Sprachfähigkeit "universal" sind, also bestimmte Eigenschaften in allen menschlichen Sprachen zu finden sind. Allerdings ist umstritten, ob und inwieweit das auch für kleinere Bausteine wie eben Verbalisierer gilt, die von Sprache zu Sprache sehr unterschiedlich sein können. Die Ergebnisse des Projekts sind also ein wichtiger Schritt, um nachzuweisen, dass es auch in diesem Bereich der menschlichen Sprache Universalien gibt.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Laura Grestenberger, ehemalige:r Projektleiter:in
  • Susanne Wurmbrand, Universität Salzburg , nationale:r Kooperationspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Olav Hackstein, Ludwig Maximilians-Universität München - Deutschland
  • George Lee Walkden, Universität Konstanz - Deutschland
  • Jonathan David Bobaljik, Harvard University - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 11 Zitationen
  • 14 Publikationen
  • 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 1 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2022
    Titel Ha! Linguistic Studies in Honor of Mark R. Hale
    DOI 10.29091/9783752000856
    Typ Book
    editors Grestenberger L, Reiss C, Fellner H, Pantillon G
    Verlag Dr. Ludwig Reichert Verlag
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Periphrastic perfects in Greek and Sanskrit; In: Ha! Linguistics Studies in Honor of Mark R. Hale
    Typ Book Chapter
    Autor Grestenberger L
    Verlag Reichert
    Seiten 93-116
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Ved. -anta, Gk. -, and the thematic aorist in Vedic and Greek; In: . Indian linguistic studies in honor of George Cardona, vol. II: Historical linguistics, Vedic, etc.
    Typ Book Chapter
    Autor Grestenberger L
    Verlag The Sanskrit Library
    Seiten 99-126
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Directionality in cross-categorial derivations
    DOI 10.16995/glossa.8710
    Typ Journal Article
    Autor Grestenberger L
    Journal Glossa: a journal of general linguistics
  • 2022
    Titel To <em>v</em> or not to <em>v</em> ? Theme vowels, verbalizers, and the structure of the Ancient Greek verb
    DOI 10.16995/glossa.8597
    Typ Journal Article
    Autor Grestenberger L
    Journal Glossa: a journal of general linguistics
  • 2023
    Titel Diminutives across Languages, Theoretical Frameworks and Linguistic Domains
    DOI 10.1515/9783110792874
    Typ Book
    editors Manova S, Grestenberger L, Korecky-Kröll K
    Verlag De Gruyter
  • 2023
    Titel 1 Introduction: Diminutives across languages, theoretical frameworks and linguistic domains
    DOI 10.1515/9783110792874-001
    Typ Book Chapter
    Autor Manova S
    Verlag De Gruyter
    Seiten 1-34
  • 2023
    Titel Sound Change and Analogy, Again: Brugmann's Law and the Hunt For O-Grades in Indo-Iranian*
    DOI 10.1111/1467-968x.12272
    Typ Journal Article
    Autor Grestenberger L
    Journal Transactions of the Philological Society
    Seiten 79-118
  • 2023
    Titel diachrony of verbalizers in Indo-European
    DOI 10.18148/hs/2023.v7i6-19.156
    Typ Journal Article
    Autor Grestenberger L
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Deponency
    DOI 10.1002/9781119693604.morphcom025
    Typ Book Chapter
    Autor Grestenberger L
    Verlag Wiley
    Seiten 1-40
  • 0
    Titel Deadjectival verb formation in Indo-European and beyond
    Typ Book
    Autor Grestenberger L
    editors Grestenberger L, Reiter V, Malzahn M
    Verlag Language Science Press
  • 0
    Titel Distributed Morphology and historical linguistics; In: The Cambridge Handbook of Distributed Morphology
    Typ Book Chapter
    Autor Calabrese A
    Verlag Cambridge University Press
  • 0
    Titel Voice alternations in diachrony; In: The Wiley Blackwell Companion to Diachronic and Historical Linguistics
    Typ Book Chapter
    Autor Grestenberger L
    Verlag Wiley Blackwell
  • 0
    Titel Reflexivity and the Middle in Greek; In: The Mouton Handbooks of Indo-European Typology [MHIET]: Reflexivity
    Typ Book Chapter
    Autor Grestenberger L
    Verlag De Gruyter Mouton
    Link Publikation
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2024
    Titel BCGL 17 keynote speaker
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2022
    Titel Edinburgh Historical Linguistics Series
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International
Weitere Förderungen
  • 2025
    Titel EVOCAT
    Typ Research grant (including intramural programme)
    Förderbeginn 2025

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