Autorenschaft und Aktivismus: Literatur, Politik, Celebrity
The Author as Activist: Literature, Politics, and Celebrity
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)
Keywords
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Authorship,
Literary Celebrity,
Life-Writing,
Political Activism,
Auto/Biography
Was haben so unterschiedliche Schriftsteller*innen wie Benjamin Disraeli, Bernardine Evaristo und Salman Rushdie gemeinsam? Sie alle sind Teil einer langen Tradition anglophoner Literat*innen, die ihren öffentlichen Bekanntheitsgrad in den Dienst politisch en Engagements stellen. Während Prominente aus dem Bereich der Unterhaltungskultur ob ihres gesellschaftspolitischen Aktivismus oft ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, werden bekannte Schriftsteller*innen zumeist als moralische Instanzen, Stimmen der Vernunft und prophetische Mahner*innen gefeiert. Dieser Umstand lässt darauf schließen, dass wir es im Literaturbetrieb mit einer Sonderform von Celebrity zu tun haben, die sich an der Schnittstelle von Kunst, Unterhaltung, Politik und Kommerz generiert. Anhand ausgewählter Fallstudien vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart wirft dieses Projekt ein historisches Streiflicht auf die gesellschaftspolitisch relevante Autorität von Schriftsteller*innen und untersucht dabei den historischen Wandel von Autorenschaft, sowie das enge Zusammenspiel von Literatur, Politik, Medienindustrie und Celebrity-Kultur. Autobiographische Inszenierung und Persona Die öffentliche Persona literarischer Schriftsteller*innen wird zum Teil effektiv über autobiographische Textsorten wie Tagebücher, Memoiren, Interviews oder auch Beiträge in sozialen Medien konstruiert und transportiert. Formen und Strategien schriftstellerischer Selbstinszenierung, Vermarktung und Imagekonstruktion rekurrieren dabei oftmals auf ein breites Spektrum kultureller Vorbilder und Traditionen, die die gesellschaftliche Wahrnehmung von Autor*innen als moralisches Gewissen prägen. Die Analyse ausgewählter autobiographischer Quellen aus unterschiedlichen historischen Epochen, Medien, und Genres erlaubt letztendlich eine neue kulturgeschichtliche Perspektive auf wandelnde Konzepte von Autorenschaft. Vom Geniebegriff zu kollektiver Autorenschaft Das Projekt stellt die Hypothese auf, dass sich eine historische Entwicklung des Autorenkonzepts erkennen lässt: vom Mythos des schöpferischen Genies hin zum divers- inklusiven kreativen Kollektiv. Letzteres manifestiert sich in der Idee von Refugee Tales, einem kollaborativen Erzählprojekt, das unter Beteiligung von literarischen Größen wie Ali Smith, Bernardine Evaristo und Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah die Erfahrungen und Lebensgeschichten von Geflüchteten in Großbritannien einer breiteren Öffentlichkeit näherbringt. Während der Prozess des gemeinschaftlichen Erzählens, Erinnerns und Dokumentierens in den Mittelpunkt rückt, werden traditionelle Konzepte kultureller Autorität, künstlerischer Kreativität, autobiographischen Erzählens und literarischen Ruhms hinter fragt und zum Teil revidiert.
- Elleke Boehmer, University of Oxford - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 1 Publikationen
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2025
Titel Writer, Work, and World(s): Stephen Spender as Autobio(mytho)grapher DOI 10.1080/14484528.2025.2540374 Typ Journal Article Autor Mayer S Journal Life Writing Seiten 807-821 Link Publikation