Tiefer Sehen - Tiroler Seen als geologische Archive
Into the Deep - Tyrolean lakes as geological archives
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (25%); Geowissenschaften (75%)
Keywords
-
Lake Sediment,
Environmental History,
Earthquake,
Human Impact,
Natural Hazards
Obwohl es generell als Land mit geringer Erdbebenaktivität gilt, ist Österreich in der historischen Vergangenheit des Öfteren von heftigen Erschütterungen heimgesucht worden. Diese Beben, unter denen sich auch das vermutlich stärkste bekannte Erdbeben der Alpen (Magnitude ~7) im Jahr 1348 n. Chr. befindet, kosteten etliche Menschenleben und zogen die Infrastruktur arg in Mitleidenschaft. Da historische Erdbebenberichte jedoch nur etwa 1000 Jahre in die Vergangenheit reichen und instrumentelle Messungen gar erst seit ca. 120 Jahren existieren, können wir nur unzureichende Aussagen über die Häufigkeit solcher Starkbeben machen und das wahre Gefährdungspotential nicht abschätzen. Das WKP-Projekt Tiefer Sehen Tiroler Seen als geologische Archive basiert auf dem FWF-Projekt P 30285-N34 Kärntner Seen als Paleo-Seismographen. In diesem Projekt untersuchen wir mannigfaltige Seesysteme in aller Welt, um grundlegende Prozesse der Erdbebenarchivierung in Seesedimenten und deren Abhängigkeit von der Erdbebenmagnitude zu verstehen. Solche Prozesse umfassen beispielsweise Sedimentumlagerungen (z.B. unterseeische Schlammlawinen) oder Sedimentdeformationen, die durch Erdbeben ausgelöst werden. Diese Erkenntnisse wenden wir unter anderem in Kärnten an, um die Erdbebenhistorie Südösterreichs für die letzten ~15.000 Jahre zu rekonstruieren. Neben Erdbeben hinterlassen auch Hochwässer, klimatische Veränderungen oder menschliches Schaffen auf lokalen (z.B. Uferverbauung, Nährstoffeintrag aus der Landwirtschaft) und globalen Maßstäben (z.B. Nuklearkatastrophe von Tschernobyl) ihre Spuren im Sediment. Dieses Archiv können wir mithilfe von geophysikalischen Methoden und Sedimentkernen untersuchen und bestimmte Ereignisse auf wenige Jahre genau datieren. Die österreichischen Seen stellen deshalb ein geologisches Geschichtsbuch von unschätzbarem Wert dar, in dem auch wir Geologen bisher erst ein paar wenige Kapitel gelesen haben. Das vorliegende WKP-Projekt hat das Ziel, das System See einer breiteren Bevölkerung, besonders Schulclustern (bestehend aus Kindergartengruppen, VolksschülerInnen und SchülerInnen der Unterstufe), aus erdwissenschaftlicher Sicht näherzubringen. Dabei werden insbesondere Schulen angesprochen, die sich im Einzugsgebiet der beliebten Tiroler Badeseen Plansee, Blindsee, Piburger See, Achensee und Hechtsee befinden. Auf all diesen Seen haben wir bereits Untersuchungen durchgeführt, die spannende Erkenntnisse der jüngeren geologischen Geschichte der Seen zu Tage gefördert haben: So ist u.a. im Hechtsee das Erdbeben von Lissabon 1755 archiviert, im Achensee sehen wir den Einfluss des Kraftwerkbaus 1927 und im Piburger See die Spuren eines Felssturzes. Gemeinsam mit den Projektteilnehmern ergründen wir die Seen aktiv und lernen, die Spuren im Schlamm zu lesen. Dies geschieht durch eine Vielzahl an attraktiven Projektinhalten: Im Zuge von Exkursionen an die Seen werden sedimentologische Grundlagen in teils spielerischer Form vermittelt Beim praktischen Arbeiten auf dem See und der anschließenden Untersuchung von Sedimentkernen steht der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn im Vordergrund Seegeologische Themen werden gezielt für verschiedene Unterrichtsfächer aufbereitet und so aus unterschiedlichen Gesichtspunkten im Schulunterricht beleuchtet Abschließend werden die gesammelten Erkenntnisse in Form eines Forscherkongresses an der Universität Innsbruck vorgestellt und ein Exponat erstellt Wir nutzen das bestehende erlebnispädagogische Netzwerk in Tirol, das aus über 250 qualifizierten Naturführern besteht, um die Erkenntnisse unserer Forschung sowie seegeologische Inhalte der Allgemeinheit (Einheimischen, Touristen und SchülerInnen) über die Laufzeit des WKP-Projektes hinaus zu kommunizieren. Als Kooperationspartner greifen wir auf die langjährige Erfahrung des Vereins Natopia zurück, der seit vielen Jahren erdwissenschaftliche Themen an Schulen und Interessierte vermittelt.
Das WKP-Projekt "Tiefer Sehen - Tiroler Seen als geologische Archive" basiert auf einem FWF-Forschungsprojekt, in Zuge dessen wir verschiedene Seesysteme in aller Welt untersuchen, um grundlegende Prozesse der Erdbebenarchivierung in Seesedimenten zu verstehen. Diese Erkenntnisse helfen uns, die Erdbebenhistorie in verschiedenen Teilen Österreichs für die letzten ~15.000 Jahre zu rekonstruieren und tragen so zu einer besseren Abschätzung der Erdbebengefährdung bei. Neben Erdbeben hinterlassen auch Hochwässer, klimatische Veränderungen oder menschliches Schaffen auf lokalen (z.B. Uferverbauung, Nährstoffeintrag aus der Landwirtschaft) und globalen Maßstäben (z.B. Nuklearkatastrophe von Tschernobyl) ihre Spuren im Sediment. Das WKP-Projekt Tiefer Sehen hatte das Ziel, das System See und sein Sedimentarchiv einer breiteren Bevölkerung, insbesondere Schulclustern (bestehend aus Kindergartengruppen, VolksschülerInnen und SchülerInnen der Unterstufe), aus erdwissenschaftlicher Sicht näherzubringen. Dabei wurden Schulen angesprochen, die sich im Einzugsgebiet der Tiroler Badeseen Plansee, Blindsee, Piburger See, Achensee und Hechtsee befinden. Dadurch war ein hohes Interesse und eine emotionale Bindung der Teilnehmer an die Studienobjekte gewährleistet. Die Projektteilnehmer ergründeten die Seen aktiv und lernten, die Spuren im Schlamm zu lesen. Dies geschah durch eine Vielzahl an Projektinhalten: LehrerInnenfortbildung: Einführung ins Projekt und in die Sedimentologie alpiner Seen Schulunterricht: Seegeologische Themen wurden aus unterschiedlichen Gesichtspunkten beleuchtet Exkursionen an die Seen: Vermittlung von sedimentologischen und naturwissenschaftlichen Grundlagen in teils spielerischer Form Praktische Arbeiten auf den Seen: wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn bei anschließender Untersuchung von Sedimentkernen Forscherkongress an der Universität Innsbruck: Erstellung eines Exponats oder künstlerische Beiträge und gegenseitige Vorstellung der Erkenntnisse der Schüler Medienbeiträge: Mehrere Artikel in den Medien, Blogs und im Radio, um die Öffentlichkeit über die Projektziele zu informieren und sie zu den Diskussionen einzuladen Öffentliche Vorträge in den Gemeinden: Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus dem FWF-Forschungsprojekt an ein breites Publikum. Außerdem stellten die Schüler ihre Projektarbeiten ihren Familien und anderen Interessierten vor Workshop mit NaturführerInnen: Ausbildung auf dem Gebiet der Seegeologie für eine nachhaltige Vermittlung der gewonnenen Erkenntnisse Dieses Projekt führte zu einer Steigerung des Stellenwertes der Erdwissenschaften im Schulunterricht und einem erhöhten Bewusstsein für das Naturerbe und die wissenschaftliche Methodik. Außerdem wurden Kinder und Erwachsene aus allen Gesellschaftsschichten angesprochen, die ohne das Projekt kaum Kontakt zur Wissenschaft hätten.
- Universität Innsbruck - 100%
- Karin A. Koinig, Universität Innsbruck , nationale:r Kooperationspartner:in
Research Output
- 8 Disseminationen
-
2022
Titel Workshop for nature guides Typ Participation in an activity, workshop or similar -
2022
Link
Titel Excursions with school children Typ Participation in an activity, workshop or similar Link Link -
2021
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Titel Science Communication Project Typ Participation in an open day or visit at my research institution Link Link -
2017
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Titel Several press releases, media interviews Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2022
Link
Titel Conference for school children Typ Participation in an activity, workshop or similar Link Link -
2022
Link
Titel Excursions on the lakes (core acquisition) Typ Participation in an activity, workshop or similar Link Link -
2022
Link
Titel Public talks at 5 municipalities Typ A talk or presentation Link Link -
2022
Link
Titel Conference talk Typ A talk or presentation Link Link