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Spezifische und globale Aspekte der Proteinwechselwirkungen

Protein-protein interactions: from specific to global

Bojan Zagrovic (ORCID: 0000-0003-3814-3675)
  • Grant-DOI 10.55776/Y514
  • Förderprogramm FWF-START-Preis
  • Status beendet
  • Projektbeginn 05.07.2010
  • Projektende 04.09.2014
  • Bewilligungssumme 1.140.600 €

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (60%); Chemie (20%); Informatik (20%)

Keywords

    Protein-protein interactions, Protein Localization, Binding specificity, Molecular Dynamics Simulations, Ubiquitin, Distributed Computing

Abstract Endbericht

Proteine sind einige der wichtigsten biologischen Moleküle. Sie sind an fast allen biologischen Prozessen beteiligt: So lesen und übersetzen sie den Inhalt unserer Gene, sie leiten den Metabolismus in unseren Zellen und schützen uns vor fremden Einwanderern wie Viren und Bakterien. Um jedoch ihre Funktionen richtig ausführen zu können, müssen diese molekularen Maschinen in einer spezifischen Weise ständig miteinander wechselwirken, indem ihre komplementären Bindungsflächen direkt binden. Obwohl die Wissenschaft erhebliche Fortschritte in der Untersuchung dieser Prozesse gemacht hat, bleiben noch viele Fragen offen: Wie finden sich die Bindungspartner in einer Umgebung wie der Zelle, die überfüllt ist von vielen verschiedenen Molekülen, die miteinander wechselwirken und wo die Gefahr groß ist, sich an einen falschen Partner zu binden? Gibt es allgemeine Mechanismen für das Leiten dieser Suche? Und schließlich, wenn die Bindungspartner sich gefunden haben, was sind die genauen Mechanismen, die zur spezifischen Erkennung der Bindungsflächen führen? Um diese Fragen zu beantworten, werden in diesem Forschungsprojekt fortgeschrittenen Computersimulationen in enger Kollaboration mit Experimenten verwenden. Ziel dabei ist es, ein einheitliches Bild zu schaffen, dass sowohl die spezifischen als auch die nicht-spezifischen Komponenten der Wechselwirkung von Proteinen vereint. Zwei zentrale Ideen sollen im Forschungsprojekt getestet werden: 1) Die spezifische Erkennung in vielen Systemen wird hauptsächlich von der Proteinbewegung und -dynamik bestimmt. 2) Kolokalisation, welches den Bindungsprozess in nicht-spezifischer Weise bestimmt, ist direkt bedingt durch die allgemeinen physikalisch-chemischen Eigenschaften der beteiligten Bindungspartner und unabhängig von den Merkmalen der Bindungsflächen. Diese Hypothesen auszutesten wird weitreichende Auswirkungen haben, da sie sich beide mit dem Wesentlichen befassen, wie wir biologische Systeme auf dem molekularen Level verstehen. Zusätzlich beeinflussen sie praktische Strategien, die in der molekularen Medizin und im Medikamentendesign (drug design) angewendet werden. Fähig zu sein, vernünftig und direkt Wechselwirkungen zwischen Proteinen zu beeinflussen, kann wichtige Auswirkungen auf die Art haben, wie wir verschiedene Krankheiten, wie Krebs, Alzheimer oder Diabetes, behandeln. Schließlich werden im Rahmen dieses Projektes verteilte Computertechniken (distributed computing techniques) im Internet, wo Freiwillige auf der ganzen Welt Zeit ihres persönlichen Computers und Playstations (die leistungsstarke Prozessoren haben!) spenden, weiter entwickelt und angewendet, um Proteinsimulationen durchzuführen. Um Proteine auf reale Weise zu simulieren, ist eine sehr hohe Computerleistung notwendig.

Direkte nicht-kovalente Wechselwirkungen zwischen Biomolekülen sind die Grundlage für die meisten biologischen Aktivitäten auf dem molekularen Level. Genexpression, Signaltransduktion und Zellwachstum sind, beispielsweise nur wenige fundamentale Prozesse, die kritisch von genauen, spezifischen Bindungswechselwirkungen zwischen verschiedenen Proteinen, Nukleinsäuren, Lipiden und anderen Molekülen abhängen. Jedoch ist das Verständnis solcher Vorgänge noch nicht komplett. Zum Beispiel, eine wichtige offene Frage betrifft die Verbindung zwischen den fundamentalen physikalisch-chemischen Eigenschaften der Grundbausteine der Biomoleküle, wie Aminosäuren im Fall von Proteinen und Nukleobasen im Fall von Nukleinsäuren, und den spezifischen Bindungspräferenzen kompletter Biomoleküle. Könnten wir die Bindungspräferenzen eines bestimmten Proteins nur durch die Analyse der Eigenschaften seiner konstituierenden Aminosäuren oder deren modifizierten Versionen vielleicht vorhersagen? Außerdem, wie kann die Dynamik von Proteinen ihre Bindung an verschiedene Partner beeinflussen? Unser Projekt adressiert diese Fragen mit den Techniken der computergestützten Biophysik und Strukturbiologie.Als ein wichtiges Ergebnis des Projekts haben wir gezeigt, dass die meisten Proteinsequenzen kompositorisch komplementär zu den Sequenzen der für sie kodierenden Boten-RNA (mRNA) Moleküle sind. Dies bedeutet, dass die beiden in Wechselwirkung treten können, vor allem unstrukturiert. Diese Erkenntnis wiederum bietet auch Unterstützung für die Hypothese, dass der genetische Code als Folge der Bindungswechselwirkungen zwischen Proteinen und ihren verwandten mRNAs entstanden ist. Zweitens haben wir gezeigt dass die physikalisch-chemischen Eigenschaften der Proteine einfach in den physikalisch-chemischen Eigenschaften von ihren verwandten mRNAs kodiert werden können, was einen potentiell neuartigen Mechanismus zur Steuerung der Proteinlokalisierung suggeriert. Drittens haben wir gezeigt, dass auch eine vereinfachte Beschreibung der Proteindynamik, die die Zusammenhänge zwischen der Dynamik der Atome im Protein vernachlässigt, genügend Informationen enthalten kann, um ein wichtiges Merkmal der Bindungsthermodynamik, die Konformationsentropie, genau erfassen zu können. Schließlich haben wir einen Rahmen für die rechnerische Untersuchung der posttranslationalen Modifikationen der Proteine (PTMs) entwickelt und ihre Wirkung auf die Proteineigenschaften analysiert. Insbesondere haben wir gezeigt, dass viele PTMs einen starken Einfluss auf die Interaktionen der Proteine mit Wasser ausüben. Insgesamt hat das Projekt eine Reihe von konzeptionellen und methodischen Fortschritten für das Verständnis des Verhaltens von Biomolekülen in realistischen Umgebungen beigetragen, mit möglichen Anwendungen in verschiedenen Bereichen der Molekularbiologie und Biomedizin.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Ivan Dikic, Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main - Deutschland
  • Gordan Zitkovic, The University of Texas at Austin - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Vijay Pande, University of Stanford - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 843 Zitationen
  • 20 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Hydrophobic Matching Controls the Tilt and Stability of the Dimeric Platelet-derived Growth Factor Receptor (PDGFR) ß Transmembrane Segment*
    DOI 10.1074/jbc.m111.325555
    Typ Journal Article
    Autor Muhle-Goll C
    Journal Journal of Biological Chemistry
    Seiten 26178-26186
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Sequence signatures of direct complementarity between mRNAs and cognate proteins on multiple levels
    DOI 10.1093/nar/gks679
    Typ Journal Article
    Autor Hlevnjak M
    Journal Nucleic Acids Research
    Seiten 8874-8882
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Are Current Atomistic Force Fields Accurate Enough to Study Proteins in Crowded Environments?
    DOI 10.1371/journal.pcbi.1003638
    Typ Journal Article
    Autor Petrov D
    Journal PLoS Computational Biology
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Computational analysis of amino acids and their sidechain analogs in crowded solutions of RNA nucleobases with implications for the mRNA–protein complementarity hypothesis
    DOI 10.1093/nar/gku1035
    Typ Journal Article
    Autor Hajnic M
    Journal Nucleic Acids Research
    Seiten 12984-12994
    Link Publikation
  • 2013
    Titel A Systematic Framework for Molecular Dynamics Simulations of Protein Post-Translational Modifications
    DOI 10.1371/journal.pcbi.1003154
    Typ Journal Article
    Autor Petrov D
    Journal PLoS Computational Biology
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Protein Electrostatic Properties Predefining the Level of Surface Hydrophobicity Change upon Phosphorylation
    DOI 10.1021/jz300103p
    Typ Journal Article
    Autor Polyansky A
    Journal The Journal of Physical Chemistry Letters
    Seiten 973-976
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Computational analysis of amino acids and their sidechain analogs in crowded solutions of RNA nucleobases with implications for the mRNA-protein complementarity hypothesis
    DOI 10.3929/ethz-b-000093432
    Typ Other
    Autor Hajnic
    Link Publikation
  • 2012
    Titel On the Contribution of Linear Correlations to Quasi-harmonic Conformational Entropy in Proteins
    DOI 10.1021/ct300082q
    Typ Journal Article
    Autor Polyansky A
    Journal Journal of Chemical Theory and Computation
    Seiten 3820-3829
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Computational Analysis of Binding of the GBD Domain of WASP to Different Binding Partners
    DOI 10.5562/cca1806
    Typ Journal Article
    Autor K. Janowska M
    Journal Croatica Chemica Acta
    Seiten 211-220
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Estimation of Conformational Entropy in Protein–Ligand Interactions: A Computational Perspective
    DOI 10.1007/978-1-61779-465-0_21
    Typ Book Chapter
    Autor Polyansky A
    Verlag Springer Nature
    Seiten 327-353
  • 2011
    Titel Dynamics May Significantly Influence the Estimation of Interatomic Distances in Biomolecular X-ray Structures
    DOI 10.1016/j.jmb.2011.05.033
    Typ Journal Article
    Autor Kuzmanic A
    Journal Journal of Molecular Biology
    Seiten 286-297
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Effect of Oxidative Damage on the Stability and Dimerization of Superoxide Dismutase 1
    DOI 10.1016/j.bpj.2016.02.037
    Typ Journal Article
    Autor Petrov D
    Journal Biophysical Journal
    Seiten 1499-1509
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Malleable nature of mRNA-protein compositional complementarity and its functional significance
    DOI 10.1093/nar/gkv166
    Typ Journal Article
    Autor Hlevnjak M
    Journal Nucleic Acids Research
    Seiten 3012-3021
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Proteome-wide analysis reveals clues of complementary interactions between mRNAs and their cognate proteins as the physicochemical foundation of the genetic code
    DOI 10.4161/rna.25977
    Typ Journal Article
    Autor Polyansky A
    Journal RNA Biology
    Seiten 1248-1254
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Analogue encoding of physicochemical properties of proteins in their cognate messenger RNAs
    DOI 10.1038/ncomms3784
    Typ Journal Article
    Autor Polyansky A
    Journal Nature Communications
    Seiten 2784
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Evidence of direct complementary interactions between messenger RNAs and their cognate proteins
    DOI 10.1093/nar/gkt618
    Typ Journal Article
    Autor Polyansky A
    Journal Nucleic Acids Research
    Seiten 8434-8443
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Vienna-PTM web server: a toolkit for MD simulations of protein post-translational modifications
    DOI 10.1093/nar/gkt416
    Typ Journal Article
    Autor Margreitter C
    Journal Nucleic Acids Research
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Dynamics May Significantly Influence the Estimation of Interatomic Distances in Biomolecular X-ray Structures
    DOI 10.3929/ethz-b-000039014
    Typ Other
    Autor Kruschel
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Mechanism and thermodynamics of ligand binding to auxin amidohydrolase
    DOI 10.1002/jmr.1128
    Typ Journal Article
    Autor Simunovic M
    Journal Journal of Molecular Recognition
    Seiten 854-861
  • 2011
    Titel Microscopic Analysis of Protein Oxidative Damage: Effect of Carbonylation on Structure, Dynamics, and Aggregability of Villin Headpiece
    DOI 10.1021/ja110577e
    Typ Journal Article
    Autor Petrov D
    Journal Journal of the American Chemical Society
    Seiten 7016-7024
    Link Publikation

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