Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (25%); Geschichte, Archäologie (20%); Philosophie, Ethik, Religion (15%); Sprach- und Literaturwissenschaften (40%)
Keywords
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ORGANIZATIONAL DISCOURSE,
POLITICAL DISCOURSE,
RECONTEXTUALIZATION IN DISCOURSE & TEXT,
EUROPEAN UNION DECISIONMAKING,
COLLECTIVE MEMORY,
DISCURSIVE AND POLITICAL CHANGE
Wittgenstein-Preis Z 18Diskurs, Politik, IdentitätRuth WODAK28.06.1996 In dem Forschungsschwerpunkt sind derzeit drei Projekte und ein internationales Netzwerk angesiedelt, die sich alle der Analyse der diskursiven Konstruktion von nationalen und transnationalen Identitaeten widmen, aufbauend auf zwei Vorgaengerstudien, die von der Preistraegerin geleitet und in interdisziplinaeren Teams gemacht wurden: "Die diskursive Konstruktion von nationaler Identitaet" (vgl. Wodak et al, 1989,1999) und "Sprache und Diplomatie" (Titscher et al. 1998, 2000; Wodak et al. 1997). Die zwei Grundpfeiler, das Studium politischen kommunikativen Handelns in unterschiedlichen Oeffentlichkeiten und die interdisziplinaere ethnographische, quantitative wie qualitative, Analyse von Diskursen in Organisationen, wurden seit dem Beginn des Forschungsschwerpunktes 1996 in 7 Projekte aufgeteilt, die alle miteinander vernetzt waren und sind und in unterschiedlichen Stadien der Ausarbeitung stehen: "Racism at the Top", eine Untersuchung des parlamentarischen Diskurses zu Einwanderungsgesetzen in 7 EU-Laendern (fertiggestellt und vom BMWFV gefoerdert; Wodak and Van Dijk eds. 2000; Reisigl and Wodak 2000 a,b); Die Einstellung der OesterreicherInnen zur Osterweiterung (von der Nationalbank gefoerdert, am Beginn); CICCOM (von der EU gefoerdert und am CNRS, Paris, zentral gelagert; am Beginn); Diskurse der Neutralitaet (fertiggestellt; Benke 2000; Kovacsand Wodak eds. 2000; Pelinka and Wodak eds. 2000); Diskurse der Arbeitslosigkeit und Beschaeftigungspolitik in der EU (1. Phase fertiggestellt; Wodak and Iedema 1999; Muntigl, Weiss and Wodak 2000); Konfrontation mit einem Tabu - History in the Making (am Beginn) (nur Monographien genannt). In all diesen Projekten geht es darum, die Diskursanalyse der Wiener Schule interdisziplinaer soziologisch, politologisch und historisch zu integrieren und gesellschaftlichen Wandel auf nationaler wie auf suprantionaler Ebene zu verstehen und zu erklaeren. Damit einher geht die Entwicklung eines diskurstheoretischen Modells wie auch neuer Verfahren und Methoden; gleichzeitig aber ist auch Praxisrelevanz intendiert, sei es in der Entwicklung von Schulmaterialien oder durch Fertigstellen eines Kommunikationstrainings fuer Beamte und PolitikerInnen, die in mehrsprachigen und multikulturellen Kontexten engagiert sind. Seit 1966 sind 6 Workshops abgehalten worden (vgl. Wodak and Ludwig eds.1999). Auszerdem wurde die Forschung von allen Beteiligten bei vielen wichtigen internationalen Kongressen vorgestellt, viele Gaeste aus dem Ausland kamen zu Vortraegen und Diskussionen. Die Forschung wird von einem Advisory Board begleitet, das sich aus sehr prominenten internationalen und nationalen WissenschaftlerInnen aus Politologie, Geschichte, Soziologie und Diskursanalyse zusammensetzt. Die derzeitigen MitarbeiterInnen des Forschungsschwerpunktes sind: Dr. Gilbert Weiss, Soziologe und Politologe; Mag. Gertraud Benke, Linguistin; Mag. Alexander Pollak, Linguist; Mag. Peter Muntigl, Linguist; Prof. Andras Kovacs, Elte Budapest, Soziologe; Prof. Theo van Leeuwen, Cardiff University, Linguist; Dr. Walter Manoschek, Universitaet Wien, Politologe und Historiker; Mag. Sabine Loitfellner, Politologin; Mag. Verena Krausneker, Linguistin; Dr. Christoph Reinprecht.
Sechs Jahre Forschung rund um die Themenbereiche "Diskurs, Politik, Identität" haben in vielerlei Hinsicht entscheidende Fortschritte und Innovationen im Bereich der Diskursforschung gebracht. Unsere Ausgangshypothese war, dass die vielfältigen Entwicklungen innerhalb der EU zu großen Spannungen zwischen lokalen, regionalen, nationalen und supranationalen Interessen und Identitäten führen, die sich sowohl auf der strukturellen Makro- und Mikroebene der EU-Organisationen als auch im Bereich nationaler und regionaler Institutionen manifestieren. Momente dieser komplexen, spannungsgeladenen Veränderungen erfassten wir methodisch mit einem interdisziplinär orientierten, triangulatorischen Ansatz, der mehrere Öffentlichkeiten, Genres und Themen analytisch in den Blick nahm. Wir entwickelten ein neues methodisches Instrumentarium, das unter anderem Konzepte der Argumentationstheorie, Rhetorik und systemisch-funktionalen Linguistik fruchtbar miteinander verband. In unseren sieben interdisziplinären und komparativen Subprojekten untersuchten wir ausgewählte Aspekte der erwähnten Entwicklungen. Empirische Daten waren unter anderem ethnographische Beobachtungen, Interviews, Diskussionen in EU-Gremien, Parlamentsdebatten, massenmediale Berichterstattungen, politische Reden, Fokusgruppen, Policy Papers, Websites, Internetforen, visuelle Embleme und Filme. Diese Daten analysierten wir auf eine Vielzahl von Dimensionen der sozialen Inklusion und Exklusion im "neuen Europa" hin, wobei unser hauptsächliches Forschungsinteresse Diskursen über Beschäftigungspolitik, (Im)migration, Neutralität und NATO, Rechtspopulismus, (NS-)Vergangenheit, die Erweiterung der EU und die politische Konstruktion europäischer Identitäten auf höchster politischer Repräsentationsebene galt. Auf der Grundlage eingehender Analysen schriftlicher, mündlicher und visueller Daten konnten neue Erklärungen für aktuelle politische und soziale Wandlungsprozesse in Europa, vor allem für qualitative Änderungen im Zusammenspiel von Partizipation und Repräsentation in modernen Demokratien gefunden werden. Insbesondere die Analyse der Debatten über eine europäische Wertegemeinschaft zeigte, dass politische und kulturelle Werte in historischer Abhängigkeit von unterschiedlichen nationalen Traditionen, Narrativen und Weltanschauungen ausgehandelt werden. Darüber hinaus kommen in einer solchen Diskussion aber auch transnationale Faktoren wie die Migration, die "Globalisierung" und Fragen der Sicherheit zum Tragen. Im Einzelnen konnte in den Subprojekten nachgezeichnet werden, wie die oft widersprüchliche und multiple Konstruktion von Identitäten in unterschiedlichen sozialen Feldern erfolgt, wobei wir neben ökonomischen Entwicklungen und Globalisierungsprozessen, einschließlich der darauf bezogenen "Globalisierungsrhetorik", unter anderem die Mehrsprachigkeit und die mit ihr befasste Sprachenpolitik, die Geschlechterproblematik (Stichwort: Gender Mainstreaming), die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Medienlandschaften, das spezifische historische und politische Erbe (und die damit in Zusammenhang stehenden Demokratiekonzepte sowie die Ausbildung individueller und "kollektiver" Gedächtnisse) als entscheidende Größen der Beeinflussung des gesellschaftlichen Wandels berücksichtigen. Auf der Basis der Ergebnisse unserer Studien wurden Beratungs- und Schulungsprogramme für JuristInnen, DiplomatInnen, JournalistInnen, LehrerInnen, ÄrztInnen und PolitikerInnen entwickelt, und Seminare für diese Zielgruppen erfolgreich abgehalten. Insgesamt haben wir unsere Ergebnisse in etwa 40 Büchern und Special Issues, sowie in etwa 200 Artikeln publiziert.