Migrationsgeschichte, Transformationen nach 1989, Musikgeschichte, Komparatistik und Geschichtstheorie
migration history, post-1989 transformations, music & history, comparative history and theory of history
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (80%); Soziologie (20%)
Keywords
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European History,
Migration History,
Contemporary History,
History of Refugees,
Social History of post-1989 Transformations,
Integration History
Warum hat die Geschichte nach 1989 ganz anders geendet als damals angenommen? Dieser Frage geht Philipp Ther seit seiner Berufung an die Universität Wien nach, als Sozialhistoriker, aber auch als 89er, der in Prag einen Teil der samtenen Revolution miterlebte und dann in den Neunzigern einige Jahre lang in Ostdeutschland, der Tschechoslowakei, Polen und der Ukraine gelebt und geforscht hat. Angesichts der Renaissance des Nationalismus und des zunehmenden Illiberalismus klingt der damalige westliche Triumphalismus heute mehr als schal. Um die Transformation nach dem Ende des Staatssozialismus besser zu verstehen, ist nach Ansicht des Preisträgers eine zeitlich und räumlich breitere Perspektive nötig. Man muss zum einen in die achtziger und teilweise in die siebziger Jahre rückblenden, zum anderen globale Veränderungen wie den Aufstieg, die Hegemonie und Radikalisierung des Neoliberalismus sowie dessen soziale Folgen in den Blick nehmen. Neben dieser Makroperspektive wird Philipp Ther in den kommenden Jahren weiterhin die Transformation von unten, das heißt konkret regionale und lokale Fallstudien, soziale Gruppen wie IndustriearbeiterInnen, ehemalige Genossenschaftsbauern und -bäuerinnen, ArbeitsmigrantInnen (die Migrationsgeschichte gehört ebenfalls zu seinen langjährigen Forschungsgebieten), Familien und Kinder untersuchen. Zu diesem Zweck hat er mit Kolleginnen und Kollegen aus Polen, Schweden, Deutschland, Tschechien, Ungarn, Kroatien und Österreich das Research Cluster for East Central Europe and the History of Transformations (RECET) gegründet. Das Preisgeld gibt ihm nun die Möglichkeit, dieses Cluster auszubauen und gemäß dem Konzept der vergleichenden Area Studies auf europäischer und globaler Ebene zu forschen. Dabei wird es unter anderem um die wachsende regionale und soziale Ungleichheit gehen, die er für eine der Hauptursachen der Krise der liberalen Demokratie, der EU und den Aufstieg des Rechtspopulismus hält. Methodisch ist das Zentrum unter anderem durch Karl Polanyis Buch The Great Transformation beeinflusst, das einen kritischen Blick auf die Transformation eröffnet, wie sie nach 1989 verstanden wurde. Neben diesem größeren Themenschwerpunkt plant Philipp Ther, mittelfristig an sein früheres Forschungsgebiet über Geschichte und Musik anzuschließen. Das Preisgeld möchte er außerdem für Einladungen an ausländische Gastdozenten und Anschubfinanzierungen nutzen. Er freut sich besonders darüber, dass er nun jüngeren Kolleginnen und Kollegen in Anerkennung ihrer Leistungen längere Karriereperspektiven bieten kann.
- Mario Holzner, Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Michael Meyer, Wirtschaftsuniversität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in