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NO ISBN - die Privatisierung der Publikation

NO ISBN - the privatization of publication

Bernhard Cella (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/AR146
  • Förderprogramm Entwicklung und Erschließung der Künste
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.07.2012
  • Projektende 30.04.2016
  • Bewilligungssumme 223.351 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (100%)

Keywords

    Artists Books, Art Theory, Contemporary Art, Media Theory

Abstract Endbericht

Mit dem Salon für Kunstbuch in Wien hat der Künstler Bernhard Cella ein Projektmodell geschaffen, das eine Vielzahl verschiedener Zugänge eröffnet. Das vorgeschlagene Projekt fokussiert auf den derzeitigen Boom des Künstlerbuchs, der herausgearbeitet, aber auch hinsichtlich seiner gesellschaftlichen Relevanz kritisch hinterfragt wird. Das Potential, das durch den Salon für Kunstbuch eröffnet wird, soll genutzt werden, um einen mehrstufigen Forschungsprozess an der Schnittstelle künstlerischer und wissenschaftlicher Praktiken im Bereich von Forschung, Intervention und Innovation zu kreieren. Mittels einer empirischen Studie wird eine umfassende Dokumentation von Büchern, die zwischen 2009 und 2011 in den deutschsprachigen Ländern von KünstlerInnen entstehen, die auf einer öffentlich zugänglichen Online- Datenbank präsentiert werden soll. Das Netzwerk an Kontakten, das im Rahmen des "Salon für Kunstbuch" aufgebaut wurde, trägt zur Durchführbarkeit einer solchen groß angelegten Studie bedeutend bei, ebenso wie die Forschung, die von Institutionen im Bereich des Künstlerbuchs (z.B. "Die Burg", Bremen, und ABC-Artistic Book, Museum für Angewandte Kunst Wien) durchgeführt wird und die im Rahmen dieser Projekte aufgeworfenen Fragen, an die wir anschließen werden. Eine Zusammenarbeit ist zudem in Bezug auf die Frage der Kategorisierung in einer archivarischen Perspektive geplant, wobei wir sowohl auf der existierenden Literatur als auch auf den praktischen Erfahrungen aus der musealen Praxis aufbauen werden. Gleichzeitig dient diese Sammlung von Werken und Daten als Fundament einer qualitative Analyse, in deren Zentrum die Frage der zeitgenössischen Kreation von Öffentlichkeit steht: Welche Signifikanz besitzt der derzeitige Aufschwung des Künstlerbuches hinsichtlich des sozialen Status der Kunstschaffenden und ihrer Rolle in der Kreation und Diskussion zeitgenössischer Öffentlichkeit? In welcher Art werden soziale, politische, ökonomische und genderrelevante Fragestellungen rezipiert und bearbeitet? Können die neuesten Entwicklungen als Ausdruck allgemeinerer gesellschaftlicher Tendenzen interpretiert werden? Welche Rolle spielen digitale Produktionsmittel und Vertriebskanäle für diesen Aufschwung des analogen Mediums Buch? Lassen sich die geringen Stückzahlen, in denen Künstlerbücher heute entstehen und das Aufkommen halböffentlicher oder privater Vertriebskanäle als Zeichen einer "Verbiedermeierung" künstlerischer Strategien und Praktiken verstehen? Diese Fragestellungen werden durch eine Thematisierung der Qualität zeitgenössischer Künstlerbücher, auch im Zusammenhang mit der historischen Entwicklung der Kriterien zu deren Beurteilung, ergänzt. Am Ende des Forschungsprozesses steht die Wiedereinführung der Ergebnisse in die Sphäre der bildenden Kunst, die durch Bernhard Cellas Arbeit als Künstler und die Existenz des Salon für Kunstbuch als Modellraum ermöglicht wird. Die Projektresultate werden in Form eines Künstlerbuch-Manifests verarbeitet werden, das über die Online- Plattform und internationale Partner zugänglich gemacht wird. Die Projektlaufzeit beträgt 24 Monate, das Projekt wird von Bernhard Cella unter Mitarbeit der Kunsthistorikerin Dr. Agnes Blaha am Zentrum für Kunst und Wissenstransfer der Universität für Angewandte Kunst Wien, unter der Leitung von O.Univ.-Prof. Christian Reder realisiert werden.

Die Grundlage von NO-ISBN bildet die von Bernhard Cella seit 2009 aufgebaute Sammlung von Publikationen, die ohne ISBN-Code veröffentlicht wurden und sich damit dem vorherrschenden System des kommerziellen Buchhandels entziehen. Das Register umfasst rund 1.800 Exemplare, an deren Entstehung mehr als 4.000 Personen und Institutionen beteiligt waren. Über 70% sind aktuellen Erscheinungsdatums (ab 2010), der überwiegende Großteil stammt aus Europa und Nordamerika, dazu kommen einzelne Exemplare aus Japan.Aus der Analyse der versammelten Printmedien ergaben sich folgende wesentliche Erkenntnisse: Self-Publishing ist eine inhärent kollaborative Ausdrucksform, rund zwei Drittel der Publikationen entstanden aus der Zusammenarbeit mehrerer Personen oder Institutionen. Dies widerspricht der Annahme, dass es sich beim Self-Publishing um ein Symptom eines Rückzugs ins Private in einer stark individualistischen Gesellschaft handelt. Weiters ist Self-Publishing nicht vorwiegend Medium einer Gegenkultur oder Ausdruck einer Abkehr von Institutionen des Kulturbetriebs. Es zeigt sich, ganz im Gegenteil, dass staatliche Institutionen, Universitäten und ähnliche Institutionen stark in die Produktion involviert sind. Das Netzwerk hinter der NO-ISBN Sammlung ist schließlich auffallend lose. Statt von einer Community oder einer Community aus Communities zu sprechen, scheint es angebracht, die Akteure als insulare Gemeinschaften zu betrachten, die erst durch Sammlungen und Events in Verbindung treten. Die Projektpublikation mit dem Titel NO-ISBN: On Self-Publishing trägt diesen Punkten Rechnung, indem sie vielfältige Perspektiven auf zeitgenössische Publikationspraktiken aufzeigt und beleuchtet. Das Buch erschien parallel in deutscher und englischer Sprache im Oktober 2015 beim Verlag Walther König Köln.Die neu erstellte NO-ISBN Datenbank wurde nach Rücksprache mit Verantwortlichen an institutionellen Kunstbuchbibliotheken an das RDA-System angelehnt, das sich in den letzten Jahren als internationaler Standard im Bibliothekswesen etablierte. Im Unterschied zu älteren Standards deckt RDA potentiell sämtliche Medienformate ab und ist spezifisch auf die Anforderungen der digitalen Verarbeitung von Metadaten abgestimmt. Die Online-Plattform bietet Zugriff auf diese Publikationsdatenbank. Darüber hinaus enthält sie eine Galeriedarstellung (Lichtkastenansicht) mit Fotografien von den Covers und ausgewählten Innenseiten der Publikationen. Insgesamt wurden mehr als 7.000 Fotografien angefertigt. Die neu eingerichtete Möglichkeit für Akteure, ihre Publikationen online für die Aufnahme in die Sammlung einzureichen soll mittelfristig dazu dienen, die Plattform als Möglichkeit der direkten Mitgestaltung in der Community selbstpublizierender Kulturschaffender zu verankern.

Forschungsstätte(n)
  • Universität für angewandte Kunst Wien - 100%

Research Output

  • 2 Publikationen
Publikationen
  • 0
    Titel NO-ISBN On Self-Publishing.
    Typ Other
    Autor Blaha A Et Al
  • 2016
    Titel NO-ISBN - Conceptual Perspectives on contemporary autonomous publishing.
    Typ Book Chapter
    Autor A. Gilbert (Ed.)

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