Mitgestaltung der perinatalen psychiatr. Versorgung in Tirol
Co-designing perinatal mental health support in Tyrol
Wissenschaftsdisziplinen
Gesundheitswissenschaften (60%); Klinische Medizin (20%); Soziologie (20%)
Keywords
-
Perinatal Mental Health,
Co-Design,
Mixed-Methods,
Health Services Research,
Complex Intervention,
Implementation Science
Eltern zu werden kann eine sehr belastende Zeit sein und mit starken sozialen Veränderungen einhergehen. Psychische Erkrankungen wie Depressionen zählen zu den häufigsten Komplikationen im Zusammenhang mit Schwangerschaft. Davon betroffen sind eine von fünf Müttern und einer von zehn Vätern. Viele neue Eltern nehmen allerdings keine ärztliche Hilfe in Anspruch oft aus Angst, stigmatisiert zu werden, oder auch aus mangelndem Wissen, an wen sie sich wenden können. Unterstützende Angebote nehmen meist nur einzelne Themen und Bedürfnisse der Betroffenen in den Blick. So sind die Möglichkeiten, die Eltern-Kind-Beziehung während einer medizinischen Behandlung aufrechtzuerhalten, begrenzt. Perinatale psychische Erkrankungen (PPE) können aber, wenn sie nicht behandelt werden, längerfristig zu emotionalen, entwicklungs- und bindungsbezogenen Problemen für Eltern, Säugling und Kind führen. Dieses Projekt untersucht die Situation neuer Eltern in Tirol und fördert einen frühzeitigen Interventions- und Präventionsansatz, um PPE entgegenzuwirken. Folgende Ziele werden angestrebt: (1) Das aktuelle perinatale psychische Unterstützungsangebot in Tirol wird erhoben. (2) Es werden weitere Unterstützungsangebote entwickelt, die sich den Bedürfnissen sowohl der Eltern als auch der Kleinkinder widmen und die Bedürfnisse der gesamten Familie in den Blick nehmen. (3) Das im Projekt entwickelte Unterstützungsdesign soll auf nachhaltige Weise in die Praxis umgesetzt werden. (4) Die Erfahrungen mit dem Interventionsdesign sowie dessen Wirkungen sollen schließlich einer umfassenden Auswertung unterzogen werden. Das Projekt wird von einem ExpertInnen-Team aus den Bereichen Medizin, Gesundheits- und Sozialwesen durchgeführt. In einem Zeitraum von fünf Jahren werden im Sinne des Open-Innovation- in-Science-Ansatzes (OIS) unter Einbezug von wichtigen Interessenvertretern zwei Praxisansätze entwickelt, umgesetzt und ausgewertet: Der erste Ansatz zielt auf die Wahrnehmung der Eltern ab, die rund um Schwangerschaft und Geburt an psychischen Erkrankungen leiden. Der zweite Ansatz fokussiert die Unterstützung dieser Eltern und Familien mittels verbesserter formeller und informeller Unterstützungsleistungen. Damit widmet sich dieses soziale Innovationsprojekt einem Thema von hoher gesellschaftlicher Bedeutung. Es führt somit das Wissen der Interessenvertreter über das lokale Gesundheits- und Sozialwesen und über internationale Best-Practice-Erfahrungen mit der Expertise in Co-Design, komplexer Auswertung und Forschung zu sozialen Diensten zusammen. Dem internationalen Projektteam gehören WissenschaftlerInnen zahlreicher Disziplinen an, darunter Sozialwissenschaften, Psychologie, Gesundheitsökonomie, Versorgungsforschung, Angewandte Linguistik, Implementierungswissenschaft und Psychiatrie. Diese Kooperation soll eine Stärkung des Unterstützungsangebots für werdende Eltern mit PPE und deren Kinder ermöglichen, sodass deren Lebensqualität nachhaltig verbessert wird.
- Melinda Goodyear, The University of Melbourne - Australien
- Hanna Christiansen, Philipps-Universität Marburg - Deutschland
- Anette Bauer, London School of Economics and Political Science - Vereinigtes Königreich