Beiträge zur Bunzlauer Keramik
Beiträge zur Bunzlauer Keramik
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Druckkostenbeitrag D 3066Beiträge zur Bunlauer KeramikKonrad SPINDLER28.06.1999 Die Erforschung Bunzlauer Keramik leidet unter dem Totalverlust sämtlicher Stadt-, Orts-, Firmen- und Schularchive als Folge des Zweiten Weltkrieges. Neben wenigen Originalzeugnissen stehen daher als Forschungsgegenstand nur Sekundärquellen und die Objekte selbst zur Verfügung. Diesem Umstand müssen die Autoren des vorliegenden Bandes Rechnung tragen. In zehn Beiträgen werden wichtige Forschungsfragen artikuliert und unter fachmethodisch unterschiedlichen Ansätzen einer Lösung näherzuführen versucht. Grundlage dafür bilden in allen Aufsätzen die keramischen Erzeugnisse, die in teils beträchtlichem Umfang katalog- und abbildungsmäßig vorgelegt werden. Die behandelten Objekte stammen dabei sowohl aus musealer Überlieferung wie auch aus archäologischen Ausgrabungen. Bodenfunde Bunzlauer Keramik sind bislang, abgesehen von einem knappen Vorbericht (Löw 1992), überhaupt noch nicht vorgelegt worden. Kennzeichnend für alle Beiträge dieses Bandes ist das Bestreben, die behandelten Objekte mit der zumeist sebr spärlichen schriftlichen Üerlieferung in Verbindung zu bringen. Außer einer populär gehaltenen Schrift (Späth 1979) und zwei Ausstellungskatalogen (Buddensieg 1985; Müller/Lippert 1986) bildet der vorliegende Band, der sich als inhaltliche Einheit verstanden wissen will, die erste wissenschaftliche Monographie, die sich dem Komplex Bunzlau ganzheitlich widmet. Zu Beginn wird ein Forschungsüberblick gegeben, der wegen des einstweilen sehr eingeschränkten Forschungsstandes recht kurz ausfallen mußte. In der Folge werden Boden- bzw. Gewässerfunde Bunzlauer Keramik der Zeit vom 17. Jahrhundert bis um 1900 aus Berlin, Greifswald, Erlangen, Duisburg sowie Schleswig-Holstein behandelt und dabei u.a. Fragen der Distribution und des Verbraucherverhaltens erörtert. Ein gesonderte Fragestellung gilt dem Aufkommen der für Bunzlau so überaus kennzeichnenden Schwämmeltechnik, für die hier eine Lösung vorgeschlagen wird. Einen an sich bescheidenen, bislang freilich nur ansatzweise angegangenen Anspruch (Starzewska/Wolanin 1995) bilden Bestandskataloge von Museen. Der außerordentlich interessante Bestand an Bunzlauer Keramiken des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien wird hier vollständig vorgestellt und im Rahmen der Sammlungsgeschichte eingehend diskutiert. Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts verlagerte sich die Produktion von "Keramik nach Bunzlauer Art" auch in die ursprünglichen Absatzgebiete. Deshalb umfaßt der Begriff "Bunzlauer Keramik" nicht nur Erzeugnisse aus der Töpferregion Bunzlau selbst, sondern auch solche aus der Peripherie. Die Bezeichnung ist demnach nicht ortsspezifischer sondern eher wirtschaftsgeographischer Natur. Beispielhaft dafür wird hier die Keramikfabrik Wallner in Tirschenreuth/Oberpfalz behandelt die in der 1. Hälfte unseres Jahrhunderts bestes lehmglasiertes Braungeschirr nach Bunzlauer Art produzierte. Diese Arbeit bildet zugleich eine Firmenmonographie (vgl. auch Endres 1993), wie solche - als eines der dringendsten Forschungsdesiderate - für Bunzlauer Firmen selbst einstweilen noch völlig ausstehen (Die Manuskriptarbeiten zur ersten Bunzlauer Firmenmonographie über die Feinsteinzeugfabrik Julius Paul & Sohn befinden sich derzeit in der Schlußphase: geplant als Band NEARCHOS 7). Zwei Beiträge zu Schüler- bzw. Entwerferarbeiten der Keramischen Fachschule in Bunzlau, die heute als erhalten gebliebene Originale äußersten Seltenheitswert besitzen, schließen den vorliegenden Band ab.