Coins, Art and Chronology. Essays on the Pre-Islamic History of the Indo-Iranien Borderlands.
Coins, Art and Chronology. Essays on the Pre-Islamic History of the Indo-Iranien Borderlands.
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Druckkostenbeitrag D 3086Coins, Art and ChronologyMichael ALRAM28.06.1999 Die vorliegende Publikation beinhaltet 24 Artikel international anerkannter Spezialisten aus den Fachbereichen Geschichte, Archäologie, Kunstgeschichte, Numismatik und Sprachwissenschaft, die sichmit der vorislamischen Kunst- und Kulturgeschichte Mittelasiens und Nordwest-Indiens befassen. Ein zentrales Thema des Bandes bildet das umstrittene Jahr 1 des Kushankönigs Kanishka I., mit dessen chronologischer Fixierung sich neun Beiträge auseinandersetzen. Primären Anlaß dazu gab die sensationelle Entdeckung einer neuen Inschrift des Kanishka bei Rabatak in Afghanistan, in der die Genealogie der frühen Kushankönige eindeutig festgehalten ist. J. Cribb, der die Inschrift zusammen mit N. Sims-Williams publizierte, nahm dies auch zum Anlaß, den Beginn der Kanishka-Ära auf die Jahre zwischen 107 und 120 n. Chr. festzusetzen. Ihm tritt R. Göbl entgegen, der seinen Datierungsansatz von 232 n. Chr. mit neuen Argumenten untermauert. Die Beiträge von O. Bopearachchi und A. Nikitin bringen neues numismatisches Material aus der prä-kushanischen und kushano-sasanidischen Periode, während E. und T. Zeymal die archäologische Evidenz der Grabungen von Tillya-Tepe und Kara-Tepe (Baktrien) im Lichte der kushanischen Chronologie untersuchen. Der Beitrag von K. Sims-Williams bringt eine Auswahl neuer baktrischer Dokumente, die z. T. aus der kushano-sasanidischen Periode stammen und nach der in den Tochi-Inschriften verwendeten Ära (Beginn: 232/233 n. Chr.) datiert sind. Mit Problemen der Gandhara-Kunst, die unter der großen Kushandynastie ihre Blüte erreichte, befassen sichdie Beiträge von Haesner, Taddei und Tissot. Eine kritische Zusammenfassung der vorgetragenen Thesen zum Kanishkadatum versuchen M. Alram vom numismatischen und D. Klimburg-Salter vom kunsthistorischen Standpunkt zu geben. Einen wichtigen Beitrag zur antiken Geographie Zentralasiens und Nordwest-Indiens liefert P. Bernard, der das Toponym "Aornos," untersucht. Für die Wissenschaftsgeschichte wertvoll ist die Arbeit E. Erringtons. Sie rekonstruiert die in das British Museum gelangte Sammlung von Charles Masson, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als einer der Ersten die antiken Stätten Afghanistans und Pakistans untersuchte. Die neuesten Ergebnisse der von der Sophia University (Tokyo) durchgeführten Feldforschungen in Nord-Pakistan, die die alten Handelswege von Zentralasien nach Indien erkunden, werden von H. Tsuchiya präsentiert. V. Raspopova stellt neue Funde aus den Grabungen von Pendjikent (Sogdien) vor. Aspekte der sasanidischen Kunst- und Kulturgeschichte behandeln die Beiträge von V. Curtis (Numismatik), R. Gyselen (Glyptik) und P. Harper (Felsreliefs), während P. Callieri und J. Lerner neue Siegelsteine der iranischen Hunnen aus Zentralasien und Nordwest-Indien in ihren kunsthistorischen und chronologischen Kontext stellen. Dem Einfluß sasanidischer Kunst in den Bildmotiven chinesischer Seidenstoffe geht E. Lubo-Lesnichenko nach, während J. Kröger den Weg islamischer Glasprodukte nach China untersucht. F. Thierry liefert eine umfassende Studie über die Münzprägung der Türgesh in Zentralasien, die in ihrer Typologie eine bemerkenswerte Mischung sogdischer und chinesischer Elemente zeigt. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, daß "Coins, Art and Chronology" einen hervorragenden Überblick zur Kunst- und Kulturgeschcihte des antiken Mittelasiens bietet, Einblick in die verschiedenen Forschungsmethoden gewährt und damit auch die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit in diesem Gebiet unterstreicht.