Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Abstract
Wenige Abschnitte der Geschichte haben eine so breite Aufmerksamkeit bei Gelehrten, Wissenschaftlern,
Apologeten und Kritikern gefunden wie die Missionsarbeit der katholischen Kirche in der Neuen Welt. Besondere
Bekanntheit erwarb sich dabei der Jesuitenorden, der in verschiedenen Teilen Afrikas, Asiens und Amerikas tätig
wurde. Das vorliegende Buch untersucht die Mission im nordwestlichen Mexiko, wo die Jesuiten zwischen 1591
und 1767 eine ihre größten Provinzen unterhielten. Dabei zeigt sich, daß zahlreiche Elemente des
Missionsprozesses dem Klischee vom "heiligen Experiment" nicht entsprechen.
Das Buch kreist um drei Hauptthemen. Zum einen beschreibt es, wie die Jesuiten bei der Eroberung des
Nordwestens ein enges Bündnis mit der kolonialen Macht unterhielten. Die Missionare waren überzeugt, daß ohne
die Unterwerfung der einheimischen Bevölkerung an ihre Bekehrung nicht zu denken war. Der koloniale Staat
wiederum war nur dann bereit die Mission zu unterstützen, wenn diese zu einem Machtzuwachs beitrug. So wurde
die Mission freiwillig zu einem Instrument des Kolonialismus und der kolonialen Grenzexpansion. Die sogenannte
geistige Eroberung entpuppt sich als gewaltsamer Prozeß, wie jede andere Eroberung auch.
Den zweiten Schwerpunkt bildet die detaillierte Untersuchung der verschiedenen Methoden und Ziele der Mission,
wie etwa der Strategien der Kontaktaufnahme, der jesuitische Sprachpolitik oder der Errichtung von Schulen.
Dabei zeigt sich, daß die Erfolge ihrer Anstrengungen beschränkt blieben und viele Mythen über das Wirken der
Missionare revidiert werden müssen. Das lag unter anderem daran, daß die Indianer den Wünschen der Missionare
mit einer erheblichen kulturellen Ablehnung begegneten.
Im dritten Hauptteil des Buches wird der Aufbau der Wirtschaft des Missionssystems nachgezeichnet. Die Jesuiten
benötigten zur Finanzierung ihres Unternehmens unbedingt eigene Einnahmen. Daher bemühten sie sich
erfolgreich, in den Missionen eine landwirtschaftliche Überschußproduktion zur Belieferung der spanischen Märkte
aufzubauen. Dabei wird die Verstrickung der Mission mit den Zielen des spanischen Kolonialismus besonders
deutlich, bildeten doch die Missionssiedlungen die Versorgungsgrundlage des Bergbaus im Nordwesten. Das
wirtschaftliche Engagement führte aber auch zu einer Vielzahl von Konflikten, welche die Missionen schwächten.
Die Indianer fühlten sich von den Jesuiten nicht selten ausgebeutet. Zudem traten die Jesuiten schnell in
Konkurrenz mit den spanischen Siedlern, die den Geistlichen die Kontrolle über das Land der Missionen wie auch
über die Arbeit der Indianer neideten. Als die Jesuiten 1767 aus den Ländern der spanischen Krone ausgewiesen
wurden, wurde damit nicht ein blühendes Missionswerk zerstört, sondern die Missionare verließen durch Seuchen
und Abwanderung dezimierte Dörfer, deren historische Rolle weitgehend ausgespielt war.