Die Korrespondenz Ferdinand I. - Familienkorrespondenz 1533 bis 1534.
Die Korrespondenz Ferdinand I. - Familienkorrespondenz 1533 bis 1534.
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Druckkostenbeitrag D 3120Die Korrespondenz Ferdinand I. - Familienkorrespondenz 1533 und 1534Christina LUTTER28.06.1999 Die Familienkorrespondenz Ferdinands I. umfaßt die Jahre 1519-1564, von denen bisher die Jahrgänge 1519-1532 bearbeitet wurden. Es handelt sich weitgehend um Schriftstücke politischer Natur, in erster Linie zwischen Ferdinand I. - als dem Vertreter der östlichen Linie des Hauses Habsburg (seit 1521/22) -, Karl V. und den Statthalterinnen der Niederlande, Margarethe von Österreich (bis 1530) und Maria von Ungarn. Für die späten Jahre der Korrespondenz kommt der Briefwechsel Ferdinands mit seinen Kindern hinzu. Die Korrespondenz Ferdinands I. dokumentiert ein halbes Jahrhundert Politik des "Familienunternehmens Habsburg". Sie stellt damit eine wichtige Quelle zur europäischen Politik der frühen Neuzeit dar, ebenso wie für das Entstehen eines zunehmend organisierten Administrations - und Kanzleiwesens und eines allmählich Konturen gewinnenden Systems diplomatischen Austausches. Neben diesen Aspekten lassen sich aufgrund von Fragestellungen an denUmgang mit Schriftlichkeit und Sprache in der Korrespondenz Ferdinands I. auch Hinweise auf Persönlichkeit, Repräsentation und öffentlichen Raurn bzw. nach dem Verhältnis der Korrespondenten zueinander gewinnen. Die vorliegende Publikation umfaßt die Edition - d.h. die vollständige Transkription, Regestierung und ausführliche Kommentierung - derKorrespondenzjahrgänge 1533 und 1534 Hinzuweisen ist v.a. auf den großen Anteil an eigenhändigen Schreiben, d.h. aufindividuelle und oft schwer lesbare Handschriften der Korrespondenten; weiters auf die vielfältige Sprachverwendung: Das Briefkorpus umfaßt französische, deutsche, spanische und lateinische Schreiben. Außerdem muß die verstreute Lage des Materials, in zahlreichen Archiven Europas in Betracht gezogen werden, in denen es ebenfalls keine geschlossenen Beständedarstellt. Für einen Großteil der relevanten Hintergrundinformationen waren die Korrespondenzen zwischen Herrschern und Kanzlern bzw. Gesandten auszuwerten, die ebenfalls nur zum Teil ediert vorliegt. Insgesamt ließen sich für 1533 72 Briefe, davon 16 Deperdita, für 1534 97 Briefe, davon 33 Deperdita auffinden bzw. erschließen. Die wesentlich höhere Anzahl der Briefe des Jahres 1534 ist wohl auf die politischen und militärischen Ereignisse dieses Jahres zurückzuführen. Bemerkenswert ist jedoch vor allem die Anzahl der Deperdita. Von den 33 Deperdita des Jahres 1534 handelt es, sich bei 28 Exemplaren um Briefe Ferdinands an seinen Bruder Karl. Dies dürfte im Zusammenhang mit der Kopialüberlieferung stehen: Während die Originale Karls in Ferdinands Kanzlei zum Zeitpunkt ihrer Kollationierung 1558 noch nahezu vollständig erhaltenwaren, dürfte in Karls Kanzlei dieAufbewahrung der eingelaufenen Originale Ferdinands nicht mit derselben Sorgfalt stattgefunden haben. Maria bzw. ihre Kanzlei scheint am umsichtigsten mit den Dokumenten umgegangen zu sein: Von den 22 Briefen, die ihr Ferdinand im Jahr 1533 schrieb, ging kein einziger verloren, und auch 1534 ist von 14 Schreiben des Bruders nur ein einziges als Deperditum zu erschließen. Auffallend ist gegenüber der relativ ausgeglichenenKorresipondenzdichte im Jahr 1533 die Dominanz der Korrespondenz Ferdinands mit Karl gegenüber jener mit Maria im Jahr 1534: Während die Schreiben Ferdinands an Maria deutlich zurückgingen, stieg seine Korrespondenz mit Karl um mehr als das Dreifache. Dies hängt wohl in erster Linie mit der politischen Lage des Jahres 1534 zusammen: Die Hauptthemen zwischen Karl und Ferdinand - der Konflikt um das Herzogtum Württemberg und die Vorbereitungen Karls im Mittelmeer und an der nordafrikanischen Küste für einen Feldzug gegen die Osmanen, der schließlich erst im Sommer 1535 stattfinden sollte, ebenso Reichsangelegenheitenwie die Einberufung eines Konzils oder Reichstags bzw. die Anerkennung der Römischen Königswahl Ferdinands - wurden weitgehend zwischen den beiden Brüdern erörtert. Dazu kommt, dass Maria als Statthalterin der Niederlande gerade in diesem Jahr mit zahlreichen "eigenen" ineinandergreifenden Problemen politischer(Dänemark), wirtschaftlicher (Lübeek, England) und religionspolitischer Natur (vor allem die Unruhen der Täufer in und um Münster) belastet war. Hier zeigt wiederum die dichte Korrespondenz zwischen Karl und Maria, dass diese Themen in zahlreichen Schreiben zwischen den beiden erörtert wurden, Ferdinand hingegen nur am Rande beteiligt war.